Der Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Container versperren die Tienditas-Brücke nach Venezuela.
Lkw und Container versperren die Tienditas-Brücke von Kolumbien nach Venezuela. Bildrechte: dpa

Streit um Hilfslieferungen Venezuela riegelt Grenze zu Brasilien ab

Der Machtkampf in Venezuela spitzt sich zu. Präsident Maduro hat die Grenzen geschlossen, um zu verhindern, dass US-Hilfslieferungen ins Land kommen. Oppositionsführer Guaidó will die Güter mit einem Konvoi am Wochenende selbst abholen. Dann muss das Militär entscheiden, zu wem es hält.

Der Auflieger eines Tanklastzugs und zwei Container versperren die Tienditas-Brücke nach Venezuela.
Lkw und Container versperren die Tienditas-Brücke von Kolumbien nach Venezuela. Bildrechte: dpa

Venezuelas Regierung hat im Streit um Hilfslieferungen aus den USA die Grenze zu Brasilien abgeriegelt. Staatspräsident Nicolás Maduro verkündete am Donnerstag nach einem Treffen mit Armeechefs, die Grenze bleibe bis auf Weiteres geschlossen. Er will verhindern, dass von den USA bereitgestellte und von der Opposition angeforderte Hilfslieferungen ins Land gelangen.

In Nachbarländern stehen tonnenweise Hilfsgüter bereit

Die venezolanische Regierung hatte zuvor bereits die Verkehrswege nach Kolumbien geschlossen. Fußgänger kamen jedoch weiter durch. Auch der Schiffsverkehr zu den niederländischen Karibikinseln Curaçao, Aruba und Bonaire wurde eingestellt.

Juan Guaido
Venezuelas Oppositionsführer Guaidó will mit einem Konvoi selbst Hilfsgüter abholen. Bildrechte: dpa

In der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta stehen tonnenweise Hilfsgüter aus den USA für die Bevölkerung in Venezuela bereit. Auch in Brasilien sollten Sammelstellen für Lebensmittel und Medikamente eingerichtet werden. Die rechtsgerichteten Regierungen beider Länder unterstützen die Opposition in Venezuela. In Curaçao sind nach Oppositionsangaben ebenfalls Dutzende Tonnen Hilfsgüter eingetroffen.

Spannung am Wochenende

Die humanitäre Hilfe für Venezuela ist zum Spielball im Machtkampf zwischen Maduro und dem selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó geworden. Guaidó hat der Regierung eine Frist bis Samstag gesetzt, um mehrere Tonnen hauptsächlich von den USA zur Verfügung gestellte Medikamente und Lebensmittel ins Land zu lassen.

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro, aufgenommen am 31.03.2017 in Caracas (Venezuela).
Präsident Nicolas Maduro sieht in US-Hilfsgütern die Vorhut für eine Intervention. Bildrechte: dpa

Guaidó rief Freiwillige auf, die Hilfsgüter am Wochenende ins Land zu holen. Der Parlamentspräsident brach am Donnerstag mit einem Buskonvoi Richtung Kolumbien auf, um diese abzuholen. Auch Brasiliens Außenminister Ernesto Araújo beharrt auf den Hilfslieferungen und kündigte auf Twitter an, persönlich an die Grenze zu reisen, um die Übergabe zu begleiten.

Staatschef Maduro weigert sich jedoch kategorisch, US-Hilfen anzunehmen. Er sieht die Lieferungen als Vorwand für eine militärische Intervention.

Militär muss sich entscheiden

Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann das ölreiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs einführen. Viele Menschen hungern, rund drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen. Wissenschaftler schlagen Alarm, weil in dem südamerikanischen Land auch viele Infektionskrankheiten wieder auf dem Vormarsch sind.

Auch die katholische Kirche rief Maduro dazu auf, die Lieferungen passieren zu lassen. Das Land brauche humanitäre Hilfe. Das sei kein Vaterlandsverrat, sondern eine moralische Verpflichtung. Die Bischöfe appellierten zudem an das Militär, die Lieferungen nicht zu stoppen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Februar 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 20:55 Uhr

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6 Kommentare

23.02.2019 16:53 nasowasaberauch 6

Wer Venezuela helfen will, der sollte nicht hasenwild selbsternannte Präsidenten anerkennen und die Situation anheizen, sondern Hilfsgüter schicken. Es geht doch um die notleidende Bevölkerung oder doch nur um politisches Kalkül?

22.02.2019 10:52 MarcIlm 5

...sieht nach einem weiteren US-Putsch aus. Die Unterstützung Deutschlands ist m.E. unvertretbar. In meinen Erinnerungen gab es mal ein...von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen...lange vorbei. Obwohl Konsens beider deutscher Staaten.

22.02.2019 10:10 winfried 4

Grenze bis auf EINEN Brückenübergang sperren.
Auf der EINEN Brücke, von Militär gesichert, Hilfsgüter von Hand umladen ... und ...
später NUR an Modaru-Anhänger verteilen.
Parallel dazu russische und chinesische "Einmischung" erbitten.
Falls die ausbleibt, an Chile-Allende denken und Flucht in's Ausland organisieren.

22.02.2019 05:28 CDU Wählerin 3

Venezuela braucht Hilfe. Der druck auf die vom Volk gewählten wird stetig erhöht und erinnern bedrohlich an Chile 1973

21.02.2019 22:50 Username vergeben 2

Hier soll doch nur mal wieder in Südamerika eine der US-Administration unliebsame Regierung ausgetauscht werden.
Maduro wurde demokratisch gewählt und es gab keine größeren Unregelmäßigkeiten als im Nachbarland Kolumbien oder in Brasilien, wo nun ein dem Westen genehmer Faschist regiert. Die Hilfsgüter sind ein groteskes Schauspiel, da die Regierung Venezuelas die verarmten Bevölkerungsteile mit viel mehr Hilfsmitteln versorgt und beim humanitären Geber Kolumbien hinter der Grenze jährlich zehntausende Menschen an Unterernährung sterben...
Und wie bei jeder Schweinerei, ist auch hier wieder Deutschland dabei und erkennt die US-Marionette als legitimen Präsidenten an, obwohl Maduro sogar vorgezogenen Neuwahlen zugestimmt hat. Die Furcht vor militärischen Interventionen im Rahmen der sog. "Hilfslieferungen" ist begründet.

21.02.2019 22:26 Sabrina 1

Das Deutschland den Putsch in Venezuela unterstützt und dem durchgeknallten US-Präsidenten folgt, ist bitter.
Bei aller berechtigter Kritik (neben viel unberechtigter) an Maduro, bleibt dieser der legitime, demokratisch gewählte Präsident von Venezuela. Auch wenn es mit ihm an der Spitze etwas schwerer für europäische und US-Konzerne sein dürfte, an Venezuelas Rohstoffe zu kommen... Zu Recht erkennen Russland und China den selbst ernannten Präsidenten der Opposition nicht an und ich frage mich, woher in aller Welt dieser seine Legitimation haben soll.Die venezuelanische Verfassung ist da recht eindeutig.
Das Manöver mit den Hilfspaketen ist eine Show für die Medien und bietet die Möglichkeit, mit Provokationen Gründe für eine militärische Fortführung des Putsches zu schaffen.