Ein Mann mit weißem Helm trägt ein Kind.
Typisches Bild von der Arbeit der Weißhelme: Ein Mann rettet ein Kind aus den Trümmern. Bildrechte: dpa

Syrischer Zivilschutz Die Rolle der Weißhelme in Syrien

Seit Jahren sind im syrischen Bürgerkrieg die sogenannten Weißhelme aktiv. Die auch als Syrischer Zivilschutz bekannte Hilfsorganisation versorgt zivile Kriegsopfer. Dafür wurde sie mit dem sogenannten Alternativen Nobelpreis geehrt. Wegen ihrer Nähe zur Opposition und der Finanzierung aus dem Westen gibt es Vorwürfe, die Weißhelme seien vor allem ein Propagandainstrument. Was ist da dran?

Ein Mann mit weißem Helm trägt ein Kind.
Typisches Bild von der Arbeit der Weißhelme: Ein Mann rettet ein Kind aus den Trümmern. Bildrechte: dpa

Offizieller Name der Weißhelme (englisch: White Helmets) ist Syrischer Zivilschutz (Syria Civil Defence/SCD). Die Hilfsorganisation wird von westlichen Staaten und durch Spenden finanziert. Ihre freiwilligen Helfer mit den namensgebenden weißen Schutzhelmen sind vor allem in den von Oppositionskräften kontrollierten Gebieten aktiv. Erklärtes Ziel ist auch die Dokumentation von Kriegsverbrechen des Assad-Regimes.

Die Organisation gibt es seit 2012, der Aufbau wurde vom britischen Außenministerium unterstützt. Ein früherer britischer Armeeoffizier zog dabei die Fäden. Er hatte früher auch für die UNO und für private Sicherheitsdienste gearbeitet. Großbritannien zahlte Millionensummen für die Schulung und Ausrüstung der Weißhelme. Weitere Geldgeber sind die USA, Kanada, Deutschland, Dänemark und Japan. Außerdem werden Spenden gesammelt. Die Organisation hat Stützpunkte in London und Istanbul.

Im Visier russischer Bomber

Chef des Syrischen Zivilschutzes ist Raed Saleh, ein 35-jähriger Syrer aus der Region Idlib. 2016 arbeiteten für die Organisation nach eigenen Angaben rund 2.850 Freiwillige in mehr als 100 Stationen in verschiedenen syrischen Provinzen. Seit Beginn ihrer Tätigkeit 2013 wurden demnach in Syrien mehr als 210 Helfer getötet und 500 verletzt.

Zivilschutzarbeiter bei der Versorgung eines Verwundeten nach Luftangriffen in dem Rebellengebiet Ghuta, einem Vorort von Damaskus.
Weißhelme versorgen einen Verwundeten nach Luftangriffen auf Ost-Ghouta. Bildrechte: dpa

Die Weißhelme haben der syrischen Regierung und Russland wiederholt vorgeworfen, ihre Arbeit zu behindern und sie gezielt zu bekämpfen. So sollen im Herbst 2016 Zentren der Organisation um Aleppo von russischen Kampfjets gezielt bombardiert worden sein.

Im August 2017 wurden bei einem Angriff in der syrischen Provinz Idlib mehrere Mitarbeiter der Weißhelme getötet. Der Angriff wurde vom Auswärtigen Amt scharf verurteilt.

Helfer der Islamisten?

Die Arbeit der Weißhelme in den Rebellengebieten und die damit einhergehende Nähe zu islamistischen Gruppen wird vor allem von der Assad-Regierung und ihrem Verbündeten Russland immer wieder heftig kritisiert. Sie sprechen von IS-Sympathisanten und einer westlichen PR-Kampagne. Die Echtheit der Videoaufnahmen und Fotos von der Arbeit der Hilfsorganisation wird in Frage gestellt.

Auch die aktive Öffentlichkeitsarbeit der Weißhelme in den sozialen Medien und der Presse wird von russischen Medien als Beweis für die Propagandafunktion angeführt. Die Hilfsorganisation hingegen betont, dass sie das Leiden der Zivilbevölkerung abbilde und damit zu Spenden motiviere.

Doch auch westliche Nahost-Experten zweifeln an der Rolle der Weißhelme. Der Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt (ZEFAW) an der Universität Mainz, Günter Meyer, sagte im ARD-Interview, das Hauptziel der Weißhelme sei, solche Dinge zu inszenieren und propagandistisch gegen das Assad-Regime einzusetzen.

Vom Auswärtigen Amt heißt es dagegen, die Weißhelme hätten als humanitäre Ersthelfer seit 2013 mehr als 90.000 Menschen aus den Häusertrümmern geborgen, oft nach Luftangriffen des syrischen Regimes. Die Organisation sei ein Symbol der Hoffnung und der Zivilcourage.

Right Livelihood Award

2016 galten die Weißhelme als Anwärter für den Friedensnobelpreis und bekamen den Right Livelihood Award, den sogenannten Alternativen Nobelpreis, zugesprochen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD,l) und Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault (r) ehren am 01.12.2016 in Berlin Read al-Saleh von der Organisation Weißhelme mit dem deutsch-französischen Freundschaftspreis.
Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault ehren Read al-Saleh mit dem deutsch-französischen Freundschaftspreis. Bildrechte: dpa

Ole von Uexküll, Direktor der Stockholmer Right Livelihood Award Stiftung, würdigte die Arbeit der Weißhelme als beispielhaft und beeindruckend. Zivilschutz-Direktor Raed Saleh nannte den Preis eine internationale Anerkennung für freiwillige Rettungshelfer auf der ganzen Welt und für die Tapferkeit der Zivilbevölkerung in Syrien. Die Bundesregierung begrüßte die Auszeichnung und stockte ihre Fördermittel von vier auf sieben Millionen Euro auf.

Right Livelihood Award Der Right Livelihood Award wird seit 1980 vergeben. Der Name "Alternativer Nobelpreis" geht auf das Bestreben des Preisstifters Jacob von Uexküll zurück, die Nobelstiftung zur Vergabe von Nobelpreisen auch für Ökologie und die Überwindung von Armut zu bewegen. Als die Nobelstiftung ablehnte, gründete Uexküll seine eigene Stiftung, die Right Livelihood Award Foundation. Obgleich Uexkülls Preis nichts mit dem Nobelpreis zu tun hat, bürgerte sich die Bezeichnung "Alternativer Nobelpreis" ein.

Weißhelme haben Finanzsorgen

Zuletzt beklagten die Weißhelme Finanzprobleme. Das Budget für 2018 sank demnach um etwa ein Drittel auf zwölf Millionen Dollar. Deshalb könnten keine neuen Freiwilligen eingestellt werden. Den Angaben zufolge konnte der Zuwachs von Einzelspenden das Minus bei den Finanzhilfen westlicher Regierungen nicht ausgleichen. Welche Länder ihre Hilfe einschränkten, wurde nicht bekannt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Februar 2018 | 12:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. April 2018, 19:02 Uhr

Mehr zum Thema