Präsidentschaftswahl Prognose: Lukaschenko bei Belarus-Wahl vorn

Bei der Präsidentschaftswahl in Belarus zeichnet sich ein deutlicher Wahlsieg für Amtsinhaber Alexander Lukaschenko ab. Viele Wahlberechtigte konnten ihre Stimme nicht abgeben, weil die Wahlzettel nicht ausreichten. Die Opposition sprach von Zahlen fern jeder Realität. In Minsk kam es zu Protesten.

Alexander Lukaschenko
Will auch nach 26 Jahren weiter regieren: Alexander Lukaschenko Bildrechte: imago images / Pixsell

Bei der Präsidentschaftswahl in Belarus hat sich Amtsinhaber Alexander Lukaschenko staatlichen Medien zufolge klar durchgesetzt. Die Nachrichtenagentur Belta meldete, laut Nachwahlbefragungen hätten 79,7 Prozent für Lukaschenko gestimmt. Die Oppositionskandidatin Swjatlana Zichanouskaja soll demnach nur auf 6,8 Prozent der Stimmen gekommen sein. Wahlleiterin Lidija Jermoschina rief alle Gegenkandidaten von Lukaschenko dazu auf, ihre Niederlage anzuerkennen. "Das wichtigste ist, eine Niederlage eingestehen zu können", sagte sie.

Lukaschenko: Werde die Kontrolle nicht verlieren

Beobachter waren von Anfang an davon ausgegangen, dass Lukaschenko seine Wiederwahl für eine sechste Amtszeit sicherstellen wird. Am Wahltag erklärte er, er werde nicht die "Kontrolle über die Lage verlieren". Zuvor hatte Zichanouskaja auf Wahlkampfveranstaltungen massiv an Zustimmung gewonnen. Die 37-Jährige trat für ihren von der Wahl ausgeschlossenen und verhafteten Mann an.  

Zichanouskaja: Ergebnis fern jeder Realität

Swetlana Tichanowskaja
Oppositionskandidatin Swjatlana Zichanouskaja Bildrechte: dpa

Zichanouskaja sagte, es sei damit zu rechnen gewesen, dass die staatlichen Meinungsforscher Lukaschenko rund 80 Prozent der Stimmen zuschreiben würden. Das sei aber fern jeder Realität. Beobachter und Oppositionelle hatten am Wahltag massive Manipulationen dokumentiert. Auch dass laut Wahlkommission 41,7 Prozent der Wahlberechtigten von der Möglichkeit Gebrauch machten, schon in den Vortagen ihre Stimmen abzugeben, gilt Experten als Hinweis auf mögliche Wahlfälschungen.

Proteste und Verhaftungen in Minsk

Die Opposition rief die Bürger zu Protesten auf. In Minsk und anderen Städten versammelten sich nach Bildern in sozialen Netzwerken trotz eines Großaufgebots von Sicherheitskräften viele Menschen. Die Behörden hatten gedroht, gegen die Versammlungen vorzugehen. Medien berichteten von massenhaften Festnahmen am Abend und Polizeigewalt gegen friedliche Bürger. In Minsk bezogen Militärfahrzeuge Stellung an den Zufahrten zum Stadtzentrum, um die Menschen an den Protesten zu hindern.

Berichte über Militärpräsenz und Zensur

Bereits während der Wahl hatten die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen massiv verschärft. In ganz Minsk waren Polizeipatrouillen zu sehen, Regierungsgebäude wurden mit Metallbarrieren abgeriegelt. Einwohner berichteten von Problemen, auf die Internetseiten unabhängiger Medien zuzugreifen. Am Sonnabend wurde Zichanouskajas Wahlkampfleiterin Maria Moros festgenommen. Ebenfalls am Sonnabend wurde Zichanouskajas Mitstreiterin Maria Kolesnikowa kurzzeitig festgenommen. Eine weitere politische Verbündete, Weronika Zepkalo, flüchtete am Sonntag vorsichtshalber nach Russland.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. August 2020 | 19:30 Uhr