PK mit UN-Generalsekretär Guterres bei Klimagipfel in Kattowitz
UN-Generalsekretär Antonio Guterres (2.v.r.) war am Freitag anlässlich der Fortsetzung der Verhandlungen nach Kattowitz zurückgekehrt. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Verlängerung in Kattowitz UN-Klimagipfel verzögert sich erneut

Knapp zwei Wochen haben in Kattowitz nicht gereicht, um das Einvernehmen zwischen Industriestaaten und vom Klimawandel bedrohten Ländern herzustellen. Auch in der Verlängerung zeichnete sich zunächst kein Durchbruch ab. Nach zahlreichen Terminverschiebungen begann die ursprünglich für Freitag geplante Abschlusssitzung der 200 Teilnehmer-Staaten erst am späten Abend.

PK mit UN-Generalsekretär Guterres bei Klimagipfel in Kattowitz
UN-Generalsekretär Antonio Guterres (2.v.r.) war am Freitag anlässlich der Fortsetzung der Verhandlungen nach Kattowitz zurückgekehrt. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Bei der Weltklimakonferenz in Kattowitz zeichnete sich auch am ersten Tag der Verlängerung keine Einigung auf ein gemeinsames Abkommen ab. Die ursprünglich für Freitag geplante Sitzung aller 200 Teilnehmer wurde am Samstag mehrfach verschoben. Dann hieß es, das Plenum sollte um 18 Uhr zusammenkommen. Doch auch dieser Termin platzte. Bis 21 Uhr war die Sitzung immer noch nicht eröffnet.

Sonderwünsche der Türkei

Gründe waren diesmal Sonderwünsche der Türkei. Die Türken verlangten Verhandlungskreisen zufolge eine Änderung ihres Status in der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Das würde ihnen unter anderem ermöglichen, Fördergelder aus einem Fonds für Klimaschutz vor allem in Entwicklungsländern zu bekommen. 

Streit um Verschmutzungsrechte

Zuvor hatten schon Streitigkeiten über schärfere Maßnahmen gegen die Erderwärmung und den internationalen Handel mit Verschmutzungsrechten eine Verlängerung der Weltklimakonferenz erzwungen. So hatte Brasilien wegen finanzieller Eigeninteressen darauf beharrt, bereits begonnene CDM-Projekte weiterlaufen zu lassen. Dabei finanzieren reiche Industrieländer in Schwellen- und Entwicklungsländern Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen, um ihre eigene Klimabilanz zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise Aufforstungsprojekte oder der Bau von Windkraftanlagen.

Umstrittenes Regelwerk

Vertreter der High Ambition Coalition mit Bundesumweltministerin Svenja Schulze halten auf einer Pressekonferenz beim Weltklimagipfel ein Banner mit der Aufschrift «Together for Ambition».
Svenja Schulze (4. v. r.) gehört der Allianz "Großer Ehrgeiz" an. Bildrechte: dpa

In Kattowitz verhandeln seit dem 2. Dezember Vertreter von fast 200 Staaten über ein sogenanntes Regelbuch. Das rund 140 Seiten dicke Dokument soll festschreiben, wie das Pariser Klima-Abkommen von 2015 in die Tat umgesetzt werden soll.

Ziel ist es, die Erderwärmung auf deutlich weniger als zwei Grad zu begrenzen. In Paris hatte die EU versprochen, ihren CO2-Ausstoß bis 2030 um 40 Prozent zu senken. Einige Staaten bestehen allerdings auf flexibleren Klimazielen - in Abhängigkeit von der Konjunktur. Anderen Ländern fehlt noch ein System zur Erfassung des CO2-Ausstoßes.

Inselstaaten fordern mehr Ehrgeiz

Arme und vom Klimawandel besonders betroffene Staaten beklagen fehlenden Ehrgeiz auf der Konferenz. Bundesumweltministerin Schulze nannte den Entwurf eine gute Grundlage. Sie reiche aber nicht. Die SPD-Politikerin fordert gemeinsam mit anderen Industrie- und Entwicklungsländern neue Klimaschutz-Zusagen bis 2020. Die Allianz nennt sich "High Ambition Coalition", zu Deutsch: "Koalition für großen Ehrgeiz".

"Es geht um Menschen, nicht um Paragrafen"

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller stellte sich auf die Seite derer, die dringend mehr Hilfen und Klimaschutz fordern. Der CSU-Politiker appellierte, am Ende gehe es nicht um Paragrafen, sondern um Menschenleben.

Die Umweltverbände Greenpeace, WWF, BUND und Germanwatch sehen die Verhandlungen auf der Kippe. Sie wandten sich in einem gemeinsamen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Damit die Konferenz noch ein Erfolg werde, müsse Merkel klarstellen, dass sie hinter den Forderungen der "Großer Ehrgeiz"-Allianz stehe.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Dezember 2018 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Dezember 2018, 21:40 Uhr

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17 Kommentare

16.12.2018 09:34 Rumsdibums 17

Ein gutes Konferenzklima ist wichtig für eine Klimakonferenz.
Hatte man nicht schon bei einer der letzten Klimakonferenzen beschlossen das Klima nun aber wirklich und mit aller Konsequenz zu retten?

15.12.2018 21:42 Auf der Sonnenseite des Lebens 16

"Peter 14

"Eine eindeutige Auffforderung an Politik, Unternehmen und Bürger in Deutschland, mehr gegen den Klimawandel zu tun."

übrigens Peter, weniger Internet surfen, wäre doch schon mal ein Anfang ;-)

Vielleicht setzen sie nächste Woche hier mal aus ;-)

15.12.2018 21:16 Auf der Sonnenseite des Lebens 15

"Peter 14

"In Deutschland wird zu wenig getan für den Klimaschutz,

Eine eindeutige Auffforderung an Politik, Unternehmen und Bürger in Deutschland, mehr gegen den Klimawandel zu tun."

Deutschland spart soviel CO2 durch Windräder etcpp das die Bundesregierung für mehrere MRD den Ablasshandel mit CO2 Zertifikaten betreibt.

Meinen sie nicht auch , das diese Mrd dem Wählern zugute kommen sollten, zum Beispiel das beim Strom die Umlagen sinken?

Wer regiert mit, genau, ihre SPD!

15.12.2018 20:39 Peter 14

Zitat ZDF-Politbarometer: "In Deutschland wird zu wenig getan für den Klimaschutz, findet eine große Mehrheit im ZDF-Politbarometer. Sowohl von Unternehmen, der Politik und den Bürgern."
Eine eindeutige Auffforderung an Politik, Unternehmen und Bürger in Deutschland, mehr gegen den Klimawandel zu tun.

15.12.2018 18:35 pkeszler 13

@Karl: "auch wie Merkel ( lt. Zeitung ) für 2 Tage nach China geflogen ist also Fr............e halten sollten diese Leute die nur um die gesamte Welt mit dem Flugzeug reisen ."
Eine Bundeskanzlerin kann eben nicht wegen 2 Tagen nach China eine Woche mit dem Zug fahren. Das verstehen bestimmt die meisten Menschen, denn sie hat ja noch andere Termine in ihrem Programm. Aber für Kurzstrecken nehmen sie meistens den Hubschrauber. Das ist doch völlig normal.

15.12.2018 18:25 hans-jürgen 12

" Mein Gott,Dein Gott,unser Klimagott.Soviei Anspruch auf Besitz.Am Ende der Quasselrunde nur leere Flaschen .Nr zur Erinnerung:Seit 350 Mill. Jahren ist der CO2 Anteil in der Atmosphäre konstannt.Nähmlich 0,03ppm und wird es auch bleiben. Aber wen interresiert dass schon.Das Erdöl und Erdgas wird ja auch nicht alle obwohl die Menschen auf Teufel kommraus es verschwenden.

15.12.2018 17:29 hans-jürgen 11

überall erscheint dem menschen die welt als eine ansammlung von wiedersprüchen.eine übergreifende ordnung ist weit und breit nicht in sicht.der klare verstand kann die wiedersprüche nur feststellen,aber nicht auflösen.

15.12.2018 16:41 frank d 10

Also unsere Helden des Intellekts die Klimakirchen-Priester haben es ja mit hunderten Milliarden Kapitaleinsatz und voller Anstrengung nicht mal geschafft einen Millimeter voranzukommen. Außer Verbal. Typisch Grün Große Klappe ganz viel Phatos und Moral, trifft auf ganz geringe Fähigkeiten. Sie scheitern Komplett und immer desaströs. Bisher Haben die 20 Jahre Klimakonferenzen jede einzelne mit 10.000 den Teilnehmern. Ganz schön Klimaschädlich diese Klimaschützer. am allerbesten der jungster Star der Klimakonferenz aus Schweden (Die Aktion Freitag s Schule schwänzen als Klimaschutz) und all Klatschen. sapere aude

15.12.2018 16:20 Ludwig 9

Auch Tuvalu im Pazifik ist nicht versunken, es ist auch nicht geschrumpft, im Gegenteil: Es ist gewachsen. Das liest Paul Kench (Auckland) aus Satellitendaten von 1971 bis 2014. In dieser Zeit ist zwar das Meer um Tuvalu doppelt so stark wie im globalen Durchschnitt gestiegen – 3,9 (plus/minus 0,4) Millimeter pro Jahr, in Summe circa 15 Zentimeter –, aber es hat kein Land genommen, es hat Land gebracht: Acht der neun Atolle und drei Viertel der kleineren Inseln sind gewachsen, um insgesamt 73,5 Hektar bzw. 2,9 Prozent: Das höhere Meer bringt mehr Sedimente bzw. seine Wellen tun es (Nature Communications 9. 2.). „ ...

15.12.2018 15:59 Fragender Rentner 8

Die Erde benötigt bestimmt noch mehr Menschen, damit noch mehr abgeholzt wird und noch mehr Düngemittel usw. die Böden kaputt machen !!! :-(((

Hauptsache, dass die Reichen nicht ärmer werden !!!