Wechselstube in Istanbul vom 2. August 2018
Ein Kunde schaut auf die Währungskurse in einer Wechselstube in Istanbul Anfang August 2018. Bildrechte: IMAGO

Wertverlust Trump heizt Währungskrise in Türkei an

Die türkische Lira musste am Freitag einen neuen Kursverfall hinnehmen. Grund dafür: Die USA wollen die Zölle auf türkischen Stahl und Aluminium weiter anheben. Doch nicht nur das destabilisiert die türkische Währung.

Wechselstube in Istanbul vom 2. August 2018
Ein Kunde schaut auf die Währungskurse in einer Wechselstube in Istanbul Anfang August 2018. Bildrechte: IMAGO

Die türkische Lira hat am Freitag enorm an Wert verloren: Der Kurs brach am Nachmittag zeitweise um 19 Prozent ein. Zwischenzeitlich kostete ein Dollar insgesamt 6,62 Lira und damit so viel wie noch nie. Kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump per Twitter angekündigt, er werde die Zölle für Stahl und Aluminium aus der Türkei verdoppeln. Sie sollten bei Stahl nun 20 Prozent betragen, bei Aluminium hingegen 50 Prozent. Gleichzeitig fügte Trump hinzu, die Beziehungen zur Türkei seien derzeit nicht gut.

Streit um festgenommenen Pastor

Der US-amerikanische Pastor Andrew Brunson.
Der US-amerikanische Pastor Andrew Brunson steht in der Türkei unter Hausarrest. Bildrechte: dpa

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind durch die Inhaftierung des US-Pastor Andrew Brunson stark belastet. Der Geistliche war bereits vor anderthalb Jahren in der Türkei verhaftet worden. Ihm werden Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und zur Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen. Die USA fordern die Freilassung von Brunson. Um den Druck zu verstärken, verhängten sie in der vorigen Woche Sanktionen gegen den türkischen Justiz- sowie den Innenminister. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan reagierte umgehend und verhängte Sanktionen gegen zwei US-Minister.

Türkei hält an Beziehungen zum Iran fest

Angeschlagen ist das Verhältnis zwischen den USA und der Türkei auch wegen den Streitigkeiten um den aufgekündigten Atomdeal mit dem Iran. In dieser Woche führten die USA wieder erste Sanktionen gegen die Führung in Teheran ein und kündigten an, wer mit dem Land im Nahen Osten Geschäfte mache, werde keine Geschäfte mit den Vereinigten Staaten machen. Vom türkischen Energieministerium hieß es in dieser Woche, man werde trotz der Sanktionen weiterhin sein Erdgas aus dem Iran beziehen. Man betreibe hier schließlich legitimen Handel.

Mehr Importe als Exporte

Doch nicht nur die politischen Streitigkeiten machen Ankara derzeit zu schaffen, das Land befindet sich inmitten einer Währungskrise. Die Lira verlor gegenüber dem Euro seit Januar mehr als ein Drittel an Wert, wenngleich die reinen Wachstumsdaten weiter gut sind. Im ersten Quartal dieses Jahres wurde ein Wirtschaftswachstum von 7,4 Prozent eingefahren. Doch seit geraumer Zeit importiert die Türkei mehr als sie exportiert. Die deutsche Wirtschafts-Förderagentur GTAI warnte unlängst vor der Gefahr einer "harten Landung" und einer Rezession. Die türkische Wirtschaft sei in einer "labilen Verfassung".

Erdogan gibt Zinslobby die Schuld

Recep Tayyip Erdogan am Rednerpult
Ein Bild vom März 2018: Erdogan am Rednerpult Bildrechte: dpa

Zudem beunruhigt die wachsende Einflussnahme von Erdogan auf die Zentralbank die internationalen Investoren. Ökonomen drängen auf eine Anhebung der Leitzinsen, Erdogan ist hingegen ein erklärter Gegner hoher Zinsen. Am Freitag machte er in einer Rede in der nordtürkischen Stadt Bayburt eine sogenannte Zinslobby für den Kursverfall der türkischen Lira verantwortlich. Er rief seine Landsleute zum "nationalen Kampf" gegen den "Wirtschaftskrieg" auf und appellierte, sie sollten ihre ausländischen Devisen in Lira umzutauschen, um den Kurs zu stützen. Schon im Mai hatte Erdogan einen ähnlichen Aufruf gestartet. Gebracht hat d er angesichts des neuerlichen Kursverfalls nichts.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. August 2018 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. August 2018, 20:46 Uhr

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17 Kommentare

12.08.2018 15:29 Krause - "lieber nackt als rechtsextremistisch!" 17

@ 16:
Zitat "Juckt es dich etwa ob die Türkei unser Bündnispartner ist oder nicht ?!"

Besser, man hat Bündnispartner als Gegner!

12.08.2018 11:45 Ein Leser @ 11.08.2018, 09:43 | Hans 15 16

Juckt es dich etwa ob die Türkei unser Bündnispartner ist oder nicht ?!

Unsere Bundewehr sollte selber wieder verteidigungsfähig , schlagkräftig sein .

V.d. L hat sie in ihrer Amtszeit richtig wehrlos gemacht , also Truppe wieder schlagkräftig machen und Grenzen zu dann kann die Türkei machen was sie will , auch mit den Migranten.

Und Trump macht das mit Erdogan genau richtig , er lässt sich nichts gefallen , so wie Merkel , er habt die Zölle an und schickt nicht noch Mill. in die Türkei.

Da kann Erdogan jetzt erst mal zusehen wie er aus der Misere kommt.

11.08.2018 09:43 Hans 15

Wenn die Türkei sich andere Bündnispartner sucht, dann wird das die USA und die EU nicht stärken.

11.08.2018 09:39 Johny 14

Die Türkei hat nur eine Staatsverschuldung von 30 Prozent (!) des BIP - ein niedriger Wert, der für die allermeisten EU- Länder und besonders für die quasi gescheiterten Eurozone wohl völlig utopisch ist. Der Hauptfehler war die mangelnde Kontrolle der Geldmengenausweitung durch Kreditvergabe durch die Staatsbank - aber das macht die EZB ja auch seit drei Jahren. Deshalb, die Türkei als Staat wird das nicht gefährden - höchstens Erdogans Machterhalt. Der hat aber, besonders im Norden des Landes immer noch großen Rückhalt bei der Landbevölkerung. Nicht zuletzt deshalb, weil er als Erster 2012 eine allegemeine Krankenversichrung für den kleinen Mann eingeführt hatte.

11.08.2018 07:39 Wieland der Schmied 13

Erdogan wie er leibt und lebt. Zum Glück für die Welt haben Imperatoren wie Erdogan keine Ahnung von Geld und seinem Wirtschaftkreislauf, sonst sähe es noch schlimmer aus. Wirtschaftsexperten warnen schon seit langem vor einem Kollaps in der Türkei, nun ist die Lira auf Schußfahrt ins Jammertal und die ständigen Kriegsgelüste Erdogans um einiges undurchführbarer. Er will sich bekanntlich nicht nur ein paar Inseln schnappen oder Wüstenstriche, daß ganze Europa soll es in seinen Hirngespinsten sein. Mit Frau Merkel macht er aber Bombengeschäfte.

10.08.2018 23:08 Klaus Tu 12

Nicht nur Trump ist ein Einheizer, auch die Bänker, die seit der Finanzkrise weiter machen wie bisher.
Dem Großmaul Erdogan tut es gut, wenn er kleine Brötchen backen muss.

10.08.2018 22:46 wwdd 11

Es wird Zeit, dass die Weltwirtschaft abschmiert. Damit man in Deutschland wieder einen Handwerker zu vernünftigen Preisen bekommt.

10.08.2018 22:08 Dieter 10

Keine Ahnung vom Geld:
Nur vom Geld? Verfolgung von Christen in isl. Ländern sollte überall die Kirche auf den Plan rufen. Aber unsere beiden Oberen kuschen da lieber. -
Unsere GroKo sollte unbedingt von Trump lernen, wie man einen Despoten in die Schranken weist.
Zum Artikel: die türkische Lira fällt schon seit langem, weil die Wirtschaft auf tönernen Füssen steht. Trumps Agieren hat das nur beschleunigt.

10.08.2018 20:30 Keine Ahnung vom Geld 9

@ 1 optinator: Welch ein schwacher Kommentar von Ihnen. Wo steht, daß 80 Mio Deutsche die Zeche zahlen sollen? Sie haben ja noch weniger Ahnung als ich, besonders bei der Weltwirtschaft. 17:29 Uhr, da war doch der Höchsstand der Sonne vorbei. Woher kommt solcher Schmalz?
@ 5 Bernd L.: Kann es sein, daß der amerikanische Pastor zu keiner deutschen Kirche gehört? Wieso Respekt für Trump? Der nutzt nur den amerikanischen Pastor für seine Weltherrschaftspläne - America first.

10.08.2018 20:28 Fragender Rentner 8

Was heizt er nicht in der Welt an?