Faktencheck Wie entstehen Statistiken zu gestorbenen Flüchtlingen?

Das Mittelmeer gilt als der weltweit tödlichste Seeweg für Migranten und Flüchtlinge. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in Genf, UNHCR, sind im letzten Jahr mehr als 2200 Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. Auf welcher Grundlage erstellt das UNHCR diese Statistik? Wie verlässlich sind die Zahlen?

von Dietrich Karl Mäurer, Schweiz-Korrespondent MDR AKTUELL

Letztes Jahr erreichten etwa 114.000 Migranten bzw. Flüchtlinge über das Mittelmeer Europa. Das waren im Vergleich zu den Vorjahren deutlich weniger. 2015 kamen mehr als eine Million Menschen über das Meer. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen spricht nun von einem Niveau wie vor dem Jahr 2014. Doch beim UNHCR ist man besorgt wegen der weiterhin hohen Zahl der Menschen, die die Überfahrt nicht überlebt haben.

UNHCR-Sprecher Charlie Yaxley sagt: "Wir registrierten mehr als 2.260 Menschen, die auf See gestorben sind oder vermisst werden. Das bedeutet: Auf 50 Menschen, die die europäischen Küsten erreicht haben, gab es einen Toten." Doch wie kommt man beim UNO-Flüchtlingshilfswerk auf diese Zahlen?

Exakte Angabe der Opferzahlen nicht möglich

Yaxley erklärt, man greife für diese tragische Statistik auf die Angaben unterschiedlicher Quellen zurück: "Diese stammen von den Regierungen, mit denen wir zusammenarbeiten, von staatlichen Institutionen, aber auch von Nichtregierungsorganisationen, zum Beispiel von solchen, die Such- und Rettungsaktionen durchführen, und vor allem aber auch von denjenigen, die Schiffbrüche und Rettungsaktionen überlebt haben."

Eine zu 100 Prozent exakte Angabe der Opferzahlen könne man nicht machen. Deshalb spreche man von einer Schätzung, sagt Charlie Yaxley. Diese Schätzung sei allerdings sehr sehr konservativ:

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Zahl der Menschen, die ihr Leben verloren haben oder vermisst werden, tatsächlich viel höher ist.

Charlie Yaxley, UNHCR-Sprecher

Routen der Flüchtlinge gefährlicher

Landete zuvor der Großteil der Flüchtlinge und Migranten an griechischen und italienischen Küsten, so kamen im letzten Jahr die meisten in Spanien an. Die nun gewählten Routen seien gefährlicher, sagt Yaxley. Die Arbeit von Such- und Rettungsteams dürfe daher nicht eingeschränkt werden.

Wie Yaxley sagt, fordert das UNHCR, dass alle, die in der Lage sind, solche Operationen durchzuführen, die Möglichkeit haben sollten, dies auch zu tun, damit 2019 nicht unnötig noch mehr Menschen sterben. Zudem brauche es einen umfassenden europäischen Ansatz der Solidarität mit einem gerechten und fairen Verteil-Mechanismus für die Ankommenden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Januar 2019 | 06:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Januar 2019, 05:00 Uhr

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26 Kommentare

08.01.2019 22:00 Montana 26

08.01.201918:36 Brennabor : Schon die Frage ist pietätlos ( und auch sinnlos ) !
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Am allermeisten sinnlos.

08.01.2019 21:48 007 25

@ Peter 21 ... Wissen sie roter Kommissar, wer oder was auf dem Mittelmeer stirbt? Die Lockrufe aus Europa, von Geld- Wohlstand- der großen HOFFNUNG. Die Hoffnung auf ein besseres Leben. Die nordafrikanischen Länder sind allesamt sichere Länder, davon flieht man nicht (da war ich übrigens erst im Urlaub). Und Migration, d.h. in ein Land meiner Wahl einzuwandern, ist kein Rechtsanspruch. Sie verstehn? Auch wenn es neuerdings so im Migrationspakt steht. Aber der ist ja nicht bindend wie wir wissen. Über ihre Bude entscheiden sie auch ganz allein wem sie rein lassen. Oder entscheiden das die Migranten die bei ihnen vor der Tür stehen? Na also! Wer an unsere Tür klopft u eine Absage erhält muss wieder gehen. So ist es schon seit Menschengedenken. Oder verschaffen sie sich mit Gewalt Zutritt zu ihren Nachbarn wenn er ihnen diesen verbietet? Dann wären sie auch nur ein Krimineller. Nein heißt nein. Und damit ist die Mittelmeer Migrations- Debatte für 007 schon beendet ...

08.01.2019 21:26 Montana 24

Da bin ich ganz beim Kommentator 007 - Sie haben vollkommen Recht.

08.01.2019 20:39 007 23

@ ANTIFA NIEDERSACHSEN ... "traurig wie vielen es hier wieder egal ist das Menschen sterben." < Sie scheinen nicht zu verstehen. Niemand ist es hier egal wenn Menschen eines frühen unnatürlichen Totes sterben. Nur der Kanon, die Schuld uns Europäern für diese Toten ständig einzureden nervt. Sie können aber Buße tun u beten, sich die Jacke anziehen wenn sie ihnen passt. Wir realistischen vernünftigen Bürger tun das nicht. Weil diese Toten alle vermeidbar sind. Die NGO"s, die sogar an der afrikanischen Küste anlanden, Migranten von den Schleusern übernehmen, damit noch Hoffnungen schüren, dass ist das Problem. Ich finde es sehr gut, dass die EU Anrainer im Mittelmeer diese Schiffe nicht mehr anlegen lassen. Wenn es keinen Zugang über das Mittelmeer mehr gibt, dann steigt auch keine Glücksritter mehr in die Schlauchbote. Das sollte sogar den multikulti Träumern irgendwann einleuchten. Unsere europäische Schwäche+ löchrige EU Außengrenzen, produzieren diese Toten mit ...

08.01.2019 20:36 frank d 22

Statistik? Ernsthaft? Also eine Sammlung von Schätzungen der Protagonisten wird zu einer Statistik hochgejazzt? Die MDR schaffenden wissen doch gar nicht ob jeder Einzelfall tatsächlich stimmt? auch weiß niemand nicht mal die Verbalmoralisten vom UNHCR und die Protagonisten selber? oft haben sie vergessen wo sie herkommen und wie alt sie sind, glaubt wirklich jemand das sie bei dieser Angabe 100% wahrhaftig sind? Oder sind etwa die "Retter " und ihre Propagandisten Relotioniert? Also ernsthafte Frage an die Verfasser dieses Beitrages. Wenn jemand mit solch einem Zahlenwerk käme und schätzte was so alles die Geflüchteten in Europa so anstellen dann wäre aber was los. Kann es sein das die objektive des MdR etwas parteiisch sind?

08.01.2019 20:32 Peter 21

@14 007: Könnte man Ihren Kommentar auch so lesen: Der Tod von Menschen im Mittelmeer ist mir sch...egal.
Das christliche Abendland ist auf einer Idee des Humanismus aufgebaut.
Wer Humanismus abschaffen will, schafft auch die Idee des christlichen Abendlandes ab.

08.01.2019 20:15 Peter 20

Häh, als unlängst der Artikel zu den im Mittelmeer gestorbenen Flüchtlingen veröffentlicht wurde, forderten diverse Zweifler, der MDR sollte recherchieren, wie diese Zahlen zustande kommen.
Der MDR kommt dem nach und den Zweiflern ist das wieder nicht recht.
Mensch Leute, was wollt Ihr denn nun eigentlich: Objektive Berichterstattung oder die Mär der Lügenpresse weiter pflegen.

08.01.2019 20:14 007 19

@ Denkschnecke 16 ... "Wenn Artikel Sie nicht interessieren, lesen und kommentieren Sie sie doch einfach nicht!"

Meine Gedanken die ich hier veröffentliche sind meine Sache, meinen sie nicht auch??? ...

08.01.2019 18:49 AFA NIEDERSACHSEN 18

traurig wie vielen es hier wieder egal ist das Menschen sterben.

08.01.2019 18:36 Brennabor 17

Schon die Frage ist pietätlos ( und auch sinnlos ) !