Gemeindebau des Roten Wien
Ein Gemeindebau in Wien. Bildrechte: imago/viennaslide

Sozialer Wohnungsbau Wien: Staat subventioniert Wohnraum mit hunderten Millionen Euro

In Deutschland haben am Samstag zehntausende Menschen für bezahlbaren Wohnraum demonstriert. Als Beispiel für günstige Mieten gilt Wien. Sozialer Wohnungsbau hat dort eine lange Tradition – und wird vom Staat jedes Jahr stark gefördert.

Gemeindebau des Roten Wien
Ein Gemeindebau in Wien. Bildrechte: imago/viennaslide

Zehn Mal in Folge wurde Wien von der Unternehmensberatung Mercer nun schon zur lebenswertesten Stadt der Welt gewählt. Ein Kriterium dabei: das Wohnungswesen. Dieses bringt Wien immer wieder positiv in die Schlagzeilen. Seit Jahren wird der soziale Wohnungsbau in der Stadt von einigen deutschen Politikern als Vorbild angesehen.

Denn während in Deutschland vielerorts der soziale Wohnraum zurückgeht, wächst er im zwei Millionen Einwohner zählendem Wien sogar noch. Zudem ist der soziale Wohnraum auf fünf Euro pro Quadratmeter Nettomiete gedeckelt.

Lange Tradition im sozialen Wohnungsbau

Gemeindebau Marx-Hof
Klassiker des sozialen Wohnungsbaus in Wien - der Marx-Hof aus dem Jahr 1930. Bildrechte: imago/viennaslide

Der soziale Wohnungsbau hat in der Stadt eine lange Tradition und begann nach dem Ersten Weltkrieg. Damals kamen viele Kriegsflüchtlinge in die Stadt, die Wohnungssituation war teilweise verheerend. Der sozialdemokratische Bürgermeister legte deshalb ein Wohnbauprogramm auf. Die Zeit wird als "Rotes Wien" bezeichnet.

Bis 1934 entstanden über 60.000 Gemeindebauten, die sich bis heute im Besitz der Stadt befinden. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die österreichische Hauptstadt ihrer früheren Wohnungspolitik treu und schuf weitere Gemeindebauten.

Laut Michael Ludwig lebten im Jahr 2017 rund 60 Prozent der Wiener in einer geförderten oder Gemeindewohnung. Ludwig war von 2007 bis 2018 amtsführender Stadtrat für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung. Inzwischen ist er Bürgermeister der Stadt. Rund 220.000 Gemeindebauwohnungen - also Wohnungen, die der Stadt direkt gehören - gibt es in Wien.

Zu den kommunalen Wohnungen, in den rund ein Viertel der Bevölkerung lebt, kommen laut Ludwig weitere rund 200.000 dauerhaft sozial gebundene Wohnungen von gemeinnützigen Wohnbauvereinigungen.

Hohe Einkommensgrenze

Sozial gebundene Wohnungen werden mit Geld aus der Wohnbauförderung errichtet. Mit ihnen darf laut Ludwig 35 Jahre keine Rendite erzielt werden, danach blieben sie zudem dauerhaft sozial gebunden. In Deutschland fallen viele Wohnungen hingegen nach einer gewissen Laufzeit aus der sozialen Bindung heraus.

Viele Befürworter der Gemeindewohnungen betonen vor allem, dass es keine oder kaum soziale Segregation durch den geförderten Wohnraum gibt. Die Wohnungen sind über die Stadt verteilt, zudem sind mehr Menschen berechtigt, in den Wohnungen zu leben.

Eine Wohnhausanlage in Wien, 2015
In Wien errichtete die Stadt seit dem Ersten Weltkrieg rund 220.000 kommunale Wohnungen. Bildrechte: imago/McPHOTO

Nach Angaben der Stadt Wien liegt die Einkommensgrenze zur Erlangung einer geförderten Miet- und Genossenschaftswohnung derzeit bei einer Netto-Jahreseinkommensgrenze von 46.450 Euro für eine Person. Bei zwei Personen darf das Einkommen insgesamt 69.220 Euro betragen, bei drei Personen 78.330 Euro.

Förderung mit Millionen

Doch die Wiener Wohnungspolitik hat auch ihren Preis: Knapp 530 Millionen Euro investierte die Stadt im Jahr 2017 in Wohnbauförderung – knapp vier Prozent des städtischen Haushalts. Gut 292 Millionen Euro flossen davon in die Wohnbauförderung, knapp 165 Millionen in die Wohnhaussanierung und rund 71 Millionen in "Landes-Wohnbau-Sonderprogramm".

Nach Angaben von Michael Ludwig kommen allerdings jedes Jahr noch rund 150 Millionen Euro Förderung aus dem Bundeshaushalt dazu. Außerdem gebe es durch gewährte Darlehen Rückflüsse.

Nach einer mehrjährigen Pause begann die Stadt 2015 wieder damit, neue Gemeindewohnungen zu erreichten – denn auch in Wien wächst die Bevölkerung stetig. Pro Jahr entstehen inzwischen deshalb wieder tausende neue Wohnungen. Noch gibt es städtische Grundstücke, auf denen diese kostengünstig errichtet werden können.

Und die Wohnungspolitik wird immer wieder nachjustiert: Im September 2018 entschied die Stadt, dass bei künftigen Bauprojekten nur noch ein Drittel der Wohnnutzfläche frei finanziert werden darf, zwei Drittel der Fläche bleiben geförderten Wohnungen vorbehalten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. April 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. April 2019, 17:53 Uhr