Bauernproteste Wer hinter "Land schafft Verbindung" steckt

In vielen deutschen Städten demonstrierten am Donnerstag wieder Landwirte. Sie wollten sich gegen den Vorwurf zur Wehr setzen, dass die Bauern am Artensterben Schuld seien. Aufgerufen dazu hatte die Bewegung "Land schafft Verbindung", die aus einer Facebook-Gruppe hervorgegangen ist.

Landwirte stehen mit ihren Traktoren bei einer Demo vor der Staatskanzlei in Magdeburg.
Am Donnerstag demonstrierten auch in Magdeburg Bauern gegen den Vorwurf, dass sie am Artensterben Schuld seien. Bildrechte: MDR/Stefan Bauerschäfer

Die Landwirte in Deutschland sind wütend – das ist keine neue Entwicklung. Der Frust gärt schon lange. Viele fühlen sich und ihre Interessen vom Deutschen Bauernverband nicht mehr vertreten und von der Politik schikaniert.

Für die niedersächsische Landwirtin Maike Schulz-Broers lief das Fass Anfang Oktober 2019 über, als Julia Klöckner ein Interview zur Nitrat-Richtlinie gegeben hatte. Damals habe Klöckner gesagt, wenn die Landwirte nicht mitspielten, dann würde sie etwaige Strafzahlungen von der Altersvorsorge der Bauern bezahlen.

Schulz-Broers gründete die Facebook-Gruppe "Land schafft Verbindung" (LsV). Nach eigenen Angaben wuchs die Gruppe innerhalb weniger Stunden auf mehrere Tausend Mitglieder.

Trotz Demos wenig Erfolg

Aktuell sind es über 31.000 Mitglieder. Die Gruppe begann, bundesweit Traktorendemos zu organisieren. Und sie wurden gehört: Nach den Demos kam die Teilnahme an Expertengesprächen mit Politikern und Co. Doch der Dialog stellte sich als frustrierend heraus, wie Schulz-Broers berichtet.

Seit Oktober versuche man, einen Dialog zu führen, organisiere die Demonstration und habe versucht ins Gespräch zu kommen. "Wir haben in unterschiedlichsten Konstellationen mit diesen Menschen gesprochen." Dennoch werde "durchgedrückt", beklagt die Landwirtin.

Klage gegen Bundesumweltministerin Schulze

Die Bewegung "Land schafft Verbindung" greift mittlerweile auch zu schärferen Maßnahmen. Zum Beispiel wurde Bundesumweltministerin Svenja Schulze mehrmals angezeigt. Maike Schulz-Broers hat ihre Anzeige in sozialen Netzwerken geteilt, damit andere diese als Vorlage nutzen können.

Anlass für die Klage war eine Pressekonferenz der Ministerin zum "Bericht zur Lage der Natur": "Da hat sie ganz klar gesagt, an dem schlechten Zustand unserer Natur ist die konventionelle Landwirtschaft schuld." Das sei eine Falschaussage. Schulz-Broers äußert auch Zweifel, ob das Artensterben wirklich so dramatisch sei, wie Svenja Schulze es darstellt: "Sie erzählt, 193 Tiere sind ganz schwer vom Aussterben bedroht." Sie erzähle aber nicht, dass 155 Arten neu entdeckt worden seien.

Auch heftige Kritik am Nabu

Und auch gegen den Naturschutzbund Deutschland schießt die Bewegung heftig, etwa wird den Naturschützern Tierquälerei vorgeworfen.

Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger hat Verständnis für die Sorgen der Landwirte. Die Angriffe durch "Land schafft Verbindung" irritieren ihn allerdings und die Kritik am Nabu kann er nicht verstehen: Der Nabu stelle auf der einen Seite klare Forderungen und stelle "auf der anderen Seite stets das Gespräch. Von daher ist die Harschheit des Tons schon ein bisschen überraschend."

Mehr Gespräche mit Umweltministerium gewünscht

Das Bundesumweltministerium teilt auf Anfrage von MDR AKTUELL mit, dass man die heutige Demonstration weder vom Stil noch vom Inhalt her teile. Die Bundesumweltministerin habe aber mit Vertretern der Bewegung mehrere Gespräche geführt.

Doch eben die scheinen "Land schafft Verbindung" nicht ausführlich genug gewesen zu sein. Maike Schulz-Broers wünscht sich umfangreichere Gespräche mit Ergebnissen, die für alle befriedigend seien.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 28. Mai 2020 | 16:52 Uhr

5 Kommentare

Lost Hope vor 5 Wochen

Ich will:
- wieder Regenwürmer, Maikäfer, Schmetterlinge
- gesunden einheimischen nicht ge- und verpanschten gesunden Bienenhonig
- gesunde frische nicht ge- und verpanschten Milch
- Glyposat und andere gesundheitsschädigende Chemische Mittel und Gifte einsetzende Naturschädlnge bestraft

wo geht es hin vor 5 Wochen

Ach Peterle: hier geht es um Landwirtschaft und nicht um Weinberge. Und dass das Schweinehochhaus nichts mit "Landwirtschaft" im eigentlichem Sinne, sondern nur was mit Tierquälerei zu tun hat, braucht man wohl nicht näher zu erörtern. Mir geht es um die klassischen Bauern, die tagein - tagaus auf den Feldern ihrem mühevollen Job nachgehen, damit auch Sie am WE oder gerade jetzt zu Pfingsten auf Ihrer Tafel nichts vermissen. Sie lassen es sich schmecken und der Bauer ist zur gleichen Zeit auf dem Feld oder im Stall. Wohl bekomm`s. Ich habe auch nicht behauptet, dass alles Gold ist was glänzt - aber wenn völlig ahnungslose Politiker den Fachleuten von Feld oder Stall erklären wollen, wie sie ihren Job RICHTIG zu machen hätten, kann ich nur das Praktikum empfehlen. Das sieht man auch deutlich bei Ihrem Nachgeplapper von der angeblichen Nitratbelastung. Mittlerweile gibt es Studien, die diesen Humbug widerlegen. Übrigens: Sie müssen nur die Augen auf machen, dann können Sie auch sehen...

Ulf vor 5 Wochen

Generell müssen Umweltschützer und Landwirte miteinander reden. Da muss sachlich diskutiert werden. Wenn man nun seitens der Bewegung "Land schafft Verbindung" mit Anzeigen operiert und von angeblichen Falschaussagen der Ministerin herumfaselt, trägt das nicht zu einer konstruktiven Atmosphäre für eine sachliche Diskussion bei. Vielmehr sollten die Landwirte ihre eigenen Anliegen - nämlich die Sorge um das Überleben der landwirtschaftlichen Betriebe angesichts vielfach unfairer Marktmechanismen - in den Vordergrund stellen. Letztlich können auch die Landwirte davon profitieren, wenn die Umweltleistungen, welche viele Landwirte z.B. auf Grenzertragsstandorten erbringen, honoriert werden. Und für die ganze Gesellschaft ist es im Hinblick auf das Trinkwasser gut, wenn die Nitratbelastung in besonders belasteten Gebieten zurück geht.