Busbahnhof in Bautzen
Busbahnhof in Bautzen Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Sächsische Verkehrspolitik Lösung im Streit um Bildungsticket in Sicht

Ein Bildungsticket für Sachsen – das haben CDU und SPD vor vier Jahren in den Koalitionsvertrag geschrieben. Zuletzt war es aus Sicht von Verkehrsminister Martin Dulig an den Landräten gescheitert, die kein akzeptables Angebot unterbreitet hatten. Er drohte mit der Ankündigung, eine Landesverkehrsgesellschaft zu gründen. Nun lenken die Landräte ein.

von Ine Dippmann, MDR AKTUELL Landeskorrespondentin Sachsen

Busbahnhof in Bautzen
Busbahnhof in Bautzen Bildrechte: MDR/Madeleine Arndt

Statt eines Azubi- oder Bildungstickets soll in Sachsen im August kommenden Jahres ein Junge-Leute-Ticket eingeführt werden. Darauf haben sich am Mittwoch die Geschäftsführer der Verkehrsverbünde mit den Landräten geeinigt, die zum Teil auch die Vorsitzenden der Verkehrsverbünde in Sachsen sind.

Das Junge-Leute-Ticket

Laut Michael Harig, Landrat in Bautzen, hätte sich ein Azubi-Ticket, wie es die Handwerkskammer wollte, auf Auszubildende im Sinne des Wortes beschränkt. Davon wären diejenigen, die in den Pflegeberufen private Schulen nutzen, ebenso ausgeschlossen gewesen wie Studenten.

Und deswegen haben wir gesagt, wir machen ein Junge-Leute-Ticket. Vom 14. bis zum 26. Geburtstag – egal, was die Leute beruflich machen.

Michael Harig, Landrat Bautzen

Pauschalticket im Nahverkehr

Damit folgen die Landräte einer Forderung aus der CDU-Fraktion. Der Verkehrsverbund Mittelsachsen hat dieses Pauschalangebot schon in diesem Jahr eingeführt. Nach diesem Modell können Jugendliche für 48 Euro pro Monat in einem Verkehrsverbund Tag und Nacht Zug und Bus fahren.

Für fünf Euro zusätzlich können sie einen weiteren Verkehrsverbund nutzen, erklärt Harig. Das würde auch gemacht, um zu merken, wo die Nutzer hinfahren, sagt Harig. Denn man müsse den Verkehrsunternehmen einen Ausgleich für die vergünstigten Tickets zahlen. Und dafür muss man eben wissen, die Angebote welches Verbundes überhaupt genutzt werden.

Ticket für alle Verkehrsverbünde

Auch in ein weiteres Streitthema kommt Bewegung: bei der Einführung eines Sachsentarifs, also einem Ticket, das in allen Verkehrsverbünden gilt.  Wie das funktionieren kann, soll ein eigens dafür zu gründendes Kompetenzzentrum erarbeiten. Dabei soll der VVO, der Verkehrsverbund Oberelbe, die Führung übernehmen, sagt Landrat Harig.

Da der Fahrgast für die verschiedenen Verkehrsverbünde manchmal zwei oder drei Fahrscheine kaufen muss, um von A nach B zu kommen, soll er es in Zukunft leichter haben, indem er elektronische Möglichkeiten des Vertriebs nutzen kann.

Damit hätte der Fahrgast überhaupt kein Problem mehr damit, Verbundgrenzen zu überschreiten.

Michael Harig, Landrat Bautzen

Ungewissheit bleibt

Solch eine Lösung hatten die Landräte in früheren Diskussionsrunden aber schon zum Ende dieses Jahres in Aussicht gestellt. Jetzt heißt es, man könne nicht versprechen, dass das innerhalb eines Jahres gelingt. Es gebe da sehr viel zu bedenken und dazu brauche es auch den Freistaat.

Das gilt auch für das Thema Plus-Busse. Die sollen auf dem Land für eine regelmäßige Verkehrsanbindung sorgen und sind direkt mit dem Zug und dem Regionalverkehr verknüpft. Im Mitteldeutschen Verkehrsverbund gibt es diese Plus-Busse jetzt schon seit fünf Jahren.

Ab dem kommenden Jahr wollen die Landräte nun ein sachsenweites Plus-Bus-Netz einführen. Derzeit werde bei den Verkehrsverbünden noch abgefragt, wie teuer das wäre.

Keine Lösung für alle

In den nächsten Wochen wollen die Landräte ihre Ideen mit dem Verkehrsminister diskutieren. Schon jetzt ist absehbar, dass nicht alle mit der Lösung zufrieden sein werden. Die Handwerkskammer etwa hatte darauf gedrängt, dass ein günstiges Ticket für junge Leute nicht erst im August, sondern schon im März nächsten Jahres eingeführt wird.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 13. Dezember 2018 | 06:11 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018, 05:00 Uhr

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