Boris Johnson (M), verlässt sein Büro in Westminster.
Der frühere britische Außenminister Boris Johnson hat das Rennen um die May-Nachfolge für sich entschieden. Bildrechte: dpa

Neuer britischer Premier Johnson-Wahl: Deutsche Wirtschaft warnt vor Chaos

Die Meinungen über die Wahl des früheren Außenministers Boris Johnson zum Parteivorsitzenden der britischen Konservativen und neuen Premierminister des Landes gehen weit auseinander. Während vor allem Donald Trump jubelt, befürchtet die deutsche Wirtschaft einen Chaos-Brexit.

Boris Johnson (M), verlässt sein Büro in Westminster.
Der frühere britische Außenminister Boris Johnson hat das Rennen um die May-Nachfolge für sich entschieden. Bildrechte: dpa

Nach der Wahl des Brexit-Hardliners Boris Johnson zum neuen Parteichef der britischen Konservativen gehen die Reaktionen weit auseinander. Die künftige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hofft auf eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem designierten britischen Premierminister. "Wir müssen viele verschiedene und schwierige Probleme zusammen angehen", betonte die CDU-Politikerin am Dienstag in Paris mit Blick auf den Brexit-Kurs des neuen Tory-Vorsitzenden. Hinsichtlich dieser "anspruchsvollen Zeiten" hoffe sie "auf eine gute Arbeitsbeziehung" mit Johnson.

FDP-Chef Lindner hält Johnson für unberechenbar

Auch FDP-Chef Christian Lindner zeigt sich beunruhigt: "Ich glaube, dass Herr Johnson im Vergleich zu Herrn Trump noch einmal unberechenbarer sein wird", sagte FDP-Chef Christian Lindner am Dienstag in Berlin mit Bezug auf US-Präsident Donald Trump. "Wir müssen uns als Europäerinnen und Europäer auf unruhige Zeiten einstellen, was die europäische Integration angeht", warnte Lindner und erklärte, er befürchte, dass Johnson nicht wisse, was genau er mit seiner neu gewonnenen Macht anfangen solle.

BDI-Geschäfstführer: "Gute Vorbereitung Gebot der Stunde"

Für die deutsche Wirtschaft ist mit Boris Johnson die Gefahr eines ungeregelten EU-Ausstiegs der Briten gestiegen. "Bei einem harten Brexit drohen überall an den Grenzen zu Großbritannien Kontrollen, den Warenfluss zu stoppen", sagte der Präsident des Großhandelsverbands BGA, Holger Bingmann. Das würde Chaos verursachen. Die Unternehmen sollten sich darauf einstellen: "Eine gute Vorbereitung bleibt das Gebot der Stunde", sagte der Hauptgeschäftsführer des deutschen Industrieverbands BDI, Joachim Lang.

Glückwünsche von Verbündeten und Gegnern

Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Wahlergebnisses gratulierte US-Präsident Donald Trump am Dienstag Johnson zu seinem neuen Posten. "Er wird großartig sein!", schrieb Trump auf Twitter. Mitten in der Tankerkrise mit dem Iran übermittelte auch der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif dem künftigen britischen Premier seine Glückwünsche. "Ich gratuliere meinem früheren Gegenüber Boris Johnson, dass er Premierminister des Vereinigten Königreiches geworden ist", schrieb Sarif ebenfalls auf Twitter.

Aus Deutschland kamen zunächst Glückwünsche der AfD-Bundestagsfraktion. Sie sei zuversichtlich, dass es Johnson als Premierminister gelingen könne, "die nun schon Jahre andauernde Hängepartie um den Brexit zu beenden und für klare Verhältnisse zu sorgen", erklärte die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel.

Juncker will "bestmögliche" Zusammenarbeit

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat seine Bereitschaft erklärt, mit Johnson "auf bestmögliche Weise" zusammenzuarbeiten. Brexit-Chefunterhändler Michel Barnier erklärte, er freue sich darauf, "konstruktiv" mit dem künftigen britischen Premierminister zusammenzuarbeiten. Er erklärte, man wolle die Ratifizierung des Austrittsabkommens erleichtern und einen geregelten Brexit gewährleisten. Die von Johnson geforderte Neuverhandlung des Austrittsabkommens lehnte Barnier aber ab.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. Juli 2019 | 16:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2019, 20:56 Uhr