Mitteldeutschland Corona-Auflagen weiter gelockert – was darf ich, was ist geplant?

Nach wochenlangen erheblichen Einschränkungen wegen der Coronavirus-Pandemie gibt es nun immer mehr Lockerungen. Bund und Länder haben weitere Erleichterungen beschlossen. Die konkrete Umsetzung ist Ländersache, teils entscheiden die Kommunen. Wie die Situation in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen derzeit ist und was sich weiter ändern soll, lesen Sie in unserem Überblick.

Mann steht im Abendlicht auf einer Palme am Strand.
  • Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen lockern nach und nach ihre Corona-Beschränkungen. So entfällt etwa in Sachsen ab dem 21. Mai die Quarantäne-Pflicht bei Einreisen außerhalb Europas.
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Die Lage in Sachsen

  • Seit dem 18. Mai dürfen sich wieder Angehörige von zwei Haushalten treffen – also etwa zwei Familien, zwei Paare oder die Mitglieder aus zwei Wohngemeinschaften. Sie sollen weiterhin einen Abstand von 1,50 Metern zueinander einhalten.
  • Für alle weiteren Begegnungen gilt ebenfalls ein Mindestabstand von 1,50 Metern.
  • Wer innerhalb Europas nach Sachsen kommt, muss seit dem 21. Mai nicht mehr für 14 Tage in Quarantäne. Das gilt auch für Reiserückkehrer oder Einreisende aus Großbritannien, Nordirland, Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz. Wer von außerhalb Europas einreist, für den gilt weiter eine Quarantäne- und Melde-Pflicht. Die Person muss das Gesundheitsamt über die Einreise informieren und sich nach der Ankunft in häuslicher Quarantäne für zwei Wochen isolieren. Besuch ist in dieser Zeit nur sehr eingeschränkt erlaubt. Befreit von der Quarantäne-Pflicht sind alle, die nach Ankunft einen negativen Corona-Test vorweisen können. Ausnahmen gibt es auch für Menschen, die beruflich bedingt grenzüberschreitend reisen, etwa Saisonarbeitskräfte.
  • Tagesausflüge, Dauercamping sowie die Eigennutzung von Ferienwohnungen und Wohnmobilen sind erlaubt, Biergärten, Kneipen, Gaststätten, Ferienwohnungen und Hotels können am 15. Mai bei strengen Beschränkungen wieder öffnen. Anders als in anderen Bundesländern gilt in Sachsen die Reduzierung der Hotelkapazitäten auf 60 Prozent nicht. Campingplätze öffnen, allerdings ohne die Gemeinschaftsduschen.
  • Beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln muss weiterhin ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.
  • Kita-Kinder und Grundschüler in Sachsen werden seit 18. Mai wieder in ihren Einrichtungen betreut und unterrichtet. Allen Schülern der anderen Schularten soll laut Kultusministerium zumindest ein zeitweiser Präsenzunterricht ermöglicht werden.
  • Schulkinder dürfen sich mit bis zu drei Klassenkameraden in der elterlichen Wohnung treffen, um gemeinsam zu lernen. Das gilt auch für Treffen mit Kindern der eigenen festen Kita-Gruppe, damit Sorgeberechtigte sich die Kinderbetreuung teilen können. 
  • Seit dem 15. Mai dürfen alle gastronomischen Einrichtungen ohne Beschränkungen der Öffnungszeiten wieder öffnen. Bedingung ist die Erstellung eines Hygienekonzepts und die Einhaltung behördlicher Auflagen wie Mindestabstände zwischen den Tischen, keine Buffets und offene Speisen sowie Desinfektionsmittelspender auf den Toiletten.
  • Alle Geschäfte in Sachsen dürfen unter Auflagen wieder öffnen. Die bisherige Beschränkung auf eine Verkaufsfläche von 800 Quadratmetern entfällt nach einer Entscheidung des Sächsischen Oberlandesgerichts komplett. Allerdings gilt die Faustregel, dass nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter das jeweilige Geschäft betreten darf.
  • Schon seit dem 15. Mai können Theater, Opern, Kinos wieder öffnen sowie Konzerte stattfinden, wenn ein von der Kommune genehmigtes Hygienekonzept vorliegt. Gleiches gilt für Literaturhäuser, Kleinkunst-Spielstätten, Soziokultur und Gästeführungen.
  • Auch Fitnessstudios, Tanz- und Musikschulen, Fahr-, Flug- und Bootsschulen und Freibäder können wieder aufmachen. Spielbanken, Spielhallen, Wettannahmestellen sowie Freizeit- und Vergnügungsparks dürfen ebenfalls öffnen.
  • Beim Vereinssport will Sachsen ab 6. Juni alle EInschränkungen weitgehend lockern. Aktive in Mannschafts- und Kontaktsportarten könnten dann wieder regulär trainieren. Alle Sportstätten dürfen öffnen, auch Schwimmhallen. Wettkämpfe sind ebenfalls erlaubt, aber ohne Zuschauer. Hygienevorschriften sind einzuhalten.
  • Ab 6. Juni möchte Sachsen ebenfalls wieder Busreisen unter Auflagen ermöglichen.
  • Kinder dürfen wieder auf Spielplätze.
  • Kundgebungen nach dem Versammlungsrecht sollen nicht mehr auf eine bestimmte Anzahl von Teilnehmern begrenzt sein. Es gelten aber weiter Hygienevorschriften wie ein Mindestabstand und Maskenpflicht. Der Veranstalter muss die Einhaltung sicherstellen.
  • Gottesdienste, Eheschließungen, Trauerfeiern und Beerdigungen sind bei Einhaltung der Abstandsregeln erlaubt.
  • Zoos und Botanische Gärten sowie Museen, Bibliotheken und Ausstellungsräume dürfen öffnen.
  • Friseure, Kosmetik- und Fußpflegestudios sind unter strengen Auflagen wieder geöffnet. Kunden müssen sich aber auf einige Änderungen einstellen.
  • Angebote in der Kinder- und Jugendhilfe, Seniorentreffpunkte sowie Fachberatungen im sozialen und psychosozialen Bereich dürfen unter Hygienebestimmungen wieder stattfinden. Ferienlager oder andere Formen von Kinder- und Jugendurlaub sind jedoch noch nicht wieder möglich.
  • Es gilt weiter ein grundsätzliches Besuchsverbot für Krankenhäuser und Reha-Einrichtungen, doch Ausnahmen sind seit dem 12. Mai möglich.
  • Geschlossen bleiben weiterhin Saunen und Dampfbäder, Messeveranstaltungen, Spezialmärkte, Volksfeste, Jahrmärkte, Diskotheken, Clubs, Musikclubs, Prostitutionsstätten sowie die Vermittlung von Prostitution. 
  • Sachsen will sicherstellen, dass in Landkreisen oder kreisfreien Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen sofort wieder ein konsequentes Beschränkungskonzept umgesetzt wird.

Die aktuelle Schutz-Verordnung gilt bis 5. Juni. Die Quarantäne-Verordnung für Ein- und Rückreisende gilt bis 14. Juni.


Die Lage in Sachsen-Anhalt

  • In Sachsen-Anhalt ist zum 28. Mai die nunmehr sechste Landesverordnung zur Eindämmung der Corona-Epidemie in Kraft getreten. Sie sieht weitreichende Lockerungen vor: So dürfen sich wieder bis zu 10 Menschen gemeinsam treffen. Bislang waren es fünf gewesen. Auch sind nicht mehr nur größere Familientreffen mit Verwandten in gerader Linie – also zum Beispiel Kindern – erlaubt. Ab Donnerstag dürfen sich "nahe Verwandte" und deren Ehe- und Lebenspartner auch dann treffen, wenn die Gruppen größer als zehn Leute sind.
  • Generell bleibt es bei den Geboten zur Beschränkung von Kontakten, der Abstandsregel von 1,50 Metern und der Aufforderung zur strengen Einhaltung von Hygienemaßnahmen (Händewaschen, Nies-Etikette etc.)
  • Für Kliniken, Krankenhäusern und Pflegeheimen gilt kein generelles Besuchsverbot mehr. Allerdings ist pro Patient maximal ein Besucher am Tag erlaubt – und das auch nur für eine Stunde am Tag. Das gilt auch für Behinderten-Werkstätten oder Wohngemeinschaften. Einzelne Einrichtungen können aber am Besuchsverbot festhalten.
  • Bis einschließlich 31. August bleibt es bei einem Verbot von Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen.
  • Erlaubt sind ab 28. Mai Treffen aber auch Treffen von mehr als zehn Personen zu Familienfeiern wie Hochzeiten oder Geburtstagen. Insgesamt dürfen sich bei solchen privaten Feiern bis zu 20 Menschen treffen. Das gilt auch für Beerdigungen.
  • Kongresse, Fortbildungen, Seminare oder Informationsveranstaltungen sind mit bis zu 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erlaubt. Ab Juli sollen es bis zu 250 sein. Das gilt laut Verordnung auch für Treffen von Vereinen. Es gibt allerdings zwei Voraussetzungen: Die Veranstaltungen müssen geschäftliche, berufliche oder dienstliche Gründe haben und zugleich "fachkundig" organisiert sein. Das bedeutet, dass der Veranstalter ein Hygienekonzept aufgesetzt hat, wie die geltenden Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.
  • Versammlungen und Kundgebungen nach dem Versammlungsgesetz sind unter Einhaltung strenger Hygienevorschriften erlaubt.
  • In Freizeitbereich dürfen Theater und Kinos seit 28. Mai wieder öffnen, auch der Besuch in Kneipen oder Spielhallen ist erlaubt. Öffnen dürfen unter anderem ebenfalls: Schwimmbäder, Saunen, Fitness- und Sportstudios, Indoor-Spielplätze, Tanz- und Ballettschulen, Freizeitparks, Volkshochschulen und Jugend- und Familienbildungsstätten.
  • Touristen aus anderen Bundesländern dürfen wieder für Ausflüge und Übernachtungen nach Sachsen-Anhalt reisen. Ferienhäuser und Ferienwohnungen durften bereits seit 15. Mai an Einheimische angeboten werden.
  • Schulen, Kindergärten und Horte sollen am Dienstag nach Pfingsten – also ab 2. Juni – wieder öffnen. Alle Schülerinnen und Schüler sollen wieder regelmäßig in die Schule gehen. Die Klassen werden aber in zwei Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd zu Hause und in der Schule lernen. So sollen Abstände gewährleistet werden.
  • Geschäfte dürfen öffnen, unabhängig von der Verkaufsfläche, wenn sie die Schutzstandards (etwa Zugangsbeschränkungen und Einlasskontrollen) einhalten.
  • Die Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln besteht weiter, bei Kindern erst ab sechs Jahren.
  • Friseursalons, Kosmetik-, Fußpflegestudios, Massagestudios, Solarien, Sonnenstudios, Piercing- und Tattoostudios dürfen unter strengen Auflagen öffnen. Das heißt: Mundschutzpflicht für Anbieter und Kunden.
  • Sport im Freien ist möglich. Gruppen bis fünf Personen dürfen trainieren, wenn dabei das Abstandsgebot eingehalten werden kann. Wettkämpfe und Zuschauer sind nicht erlaubt.
  • Spielplätze dürfen öffnen, wenn die Landkreise dies im Einzelfall oder per Allgemeinverfügung erlauben.
  • Clubs, Discotheken und Bordelle dürfen nicht öffnen.


Die Lage in Thüringen

  • Seit dem 13. Mai dürfen im öffentlichen wie auch privaten Raum sowohl Kontakte mit den Angehörigen des eigenen Haushalts als auch den Angehörigen eines anderen Haushalts stattfinden.
  • Im öffentlichen Raum gilt ein Abstandsgebot von 1,50 Metern.
  • Versammlungen und Veranstaltungen sind wieder erlaubt – seit dem 13. Mai, fallen die bisherigen Beschränkungen der Teilnehmerzahl weg.
  • Gaststätten und Kneipen können seit 15. Mai wieder öffnen. Betreiber müssen dafür ein Hygiene- und Schutzkonzept entsprechend den Landesvorgaben vorlegen.
  • Auch das Gastgewerbe kann seit 15. Mai wieder öffnen. Die Landesregierung hat es Landkreisen und kreisfreien Städten allerdings freigestellt, selbstständig zu entscheiden, ob sie Gaststätten und Hotels schon vorher öffnen wollen.
  • Für Großveranstaltungen gilt eine Obergrenze von 1.000 Teilnehmern – zunächst bis zum 31. August.
  • Theater- und Orchesteraufführungen soll es bis zum 31. August im Innenbereich nicht geben.
  • Geburtsvorbereitungskurse und Tagesgruppen für Kinder und Jugendliche mit sozialem Unterstützungsbedarf sind erlaubt.
  • Seit dem 27. April dürfen Zoos, Botanische Gärten, Museen und Galerien wieder öffnen. Welche Einrichtungen wann genau wieder Besucher empfangen, erfahren Sie hier.
  • Schwimmbäder, Fitnessstudios und andere Sport- und Freizeiteinrichtungen dürfen ab dem 1. Juni wieder öffnen. Diskotheken, Kinos, Saunas und Bordelle sollen frühestens ab dem 5. Juni wieder öffnen.
  • Seit dem 4. Mai sind die Abschlussklassen der Haupt- und Realschulen zurück an ihren Schulen, ebenso die zehnten Klassen. Außerdem begann an einigen Thüringer Hochschulen und Universitäten das Sommersemester.
  • In den Schulen sollen wieder mehr als zehn Schüler in einem Raum unterrichtet werden können. Voraussetzung ist aber, dass die Räume groß genug sind und die Abstände von 1,50 Metern untereinander eingehalten werden können.
  • Ab dem 2. Juni sollen alle Schüler in Thüringen wieder an einem Präsenzunterricht teilnehmen dürfen.
  • Schüler müssen in Pausen und Bussen Masken tragen.
  • Seit dem 18. Mai gilt ein eingeschränkter Regelbetrieb in allen Kitas. Kommunen und Träger können frei entscheiden, wie schnell Hygienekonzepte umgesetzt und der eingeschränkte Regelbetrieb umgesetzt werden können. Gruppen sollen verkleinert werden und in einer Art Schichtbetrieb betreut werden. Genaue Konzepte sollen Träger und Kommunen selbst erarbeiten und umsetzen.
  • Friseure haben wieder geöffnet. Bei Geschäften wird die Beschränkung der Ladenfläche auf 800 qm aufgehoben.
  • Die Thüringer dürfen wieder Individualsport im Freien treiben. Dazu gehören unter anderem Rudern, Segeln, Tennis, Leichtathletik und Reiten. Voraussetzung ist, dass sich die Sporttreibenden in Gemeinschaftsräumen oder in Sanitäranlagen nicht begegnen.
  • Wer in Geschäften oder im Nahverkehr keine Maske trägt, muss seit dem 13. Mai mit einem Bußgeld von 50 Euro rechnen. 
  • Die strikten Schutzmaßnahmen für Pflegebedürftige und Behinderte werden schrittweise gelockert. Seit 13. Mai werden in Pflegeeinrichtungen und besonderen Wohnformen für Menschen mit Behinderungen Besuche für eine fest definierte Person erlaubt, täglich maximal zwei Stunden.  
  • Das Betretungsverbot in Werkstätten für Menschen mit Behinderung, Arbeitsbereichen von Tagesstätten sowie in Frühförderstellen wird aufgehoben.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Mai 2020 | 15:00 Uhr