Elektrifizierung Schnelle Bahnverbindung nach Polen nicht in Sicht

Wenn man mit dem Zug von Dresden nach Breslau fahren möchte, dauert das über vier Stunden, obwohl Breslau nur etwa 250 Kilometer entfernt ist. Eine schnelle durchgehende ICE-Verbindung: Fehlanzeige. Seit mehr als 15 Jahren ringen Politiker, Verkehrsverbünde und Initiativen um die Elektrifizierung der Bahnverbindung von Dresden über Görlitz nach Breslau. Am Mittwoch findet der mittlerweile vierte deutsch-polnische Bahngipfel in Breslau statt. Eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

von Christine Reißing, Landeskorrespondentin Sachsen MDR AKTUELL

Wer von Dresden nach Breslau fahren will, der muss kurz hinter der Grenze umsteigen. Ab dort fahren die polnischen Schnellzüge, die im deutschen Teil fehlten, sagt Anja Schmotz vom Fahrgastverband Pro Bahn. Sie hat die Initiative Deutsch-polnischer Schienenpersonenverkehr gegründet.

Nach ihren Worten wird Polen voraussichtlich bis zum Ende diesen Jahres die Elektrifizierung bis Zgorzelec, bis zur Staatsgrenze, fertiggestellen. Dann gebe es an der deutsch-polnischen Grenze eine Schnittstelle, an der auf der deutschen Seite "einfach oben nix mehr weitergeht". Ab da könne nur noch mit den alten Fahrzeugen gefahren werden, erklärt Schmotz.

Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn aus Dresden kennt das Problem. Bei der Elektrifizierung schiebe Sachsen nur den schwarzen Peter hin und her, sagt er.

Als Beispiel nennt Kühn den Ausbau der Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Stettin. Dort habe sich das Land Brandenburg engagiert und einen Teil der Infrastruktur finanziert. Der Grünen-Politiker fragt sich, wer schuld daran ist, dass das in Sachsen nicht auch gelingt.

Bund soll Verantwortung übernehmen

Hartmut Mangold von der SPD, Staatssekretär im sächsischen Verkehrsministerium, sieht das anders. 10 der über 500 nötigen Millionen Euro habe der Freistaat schon in die Planung investiert. Rechtlich aber sei der Bund zuständig.

Genauso wenig, wie wir statt des Bundes eine Autobahn bauen können, können wir nicht statt des Bundes eine Bahnstrecke bauen oder ertüchtigen.

Hartmut Mangold, Staatssekretär im sächsischen Verkehrsministerium

Diese Entscheidung müsse vom Bund mitgetragen und dann auch realisiert werden. Bisher habe der Bund alle Anträge abgelehnt, erklärt Mangold. Die Elektrifizierung sei unwirtschaftlich, so das Argument.

Gerade neu beantragt habe der Freistaat allerdings, dass das Projekt in eine Liste im sogenannten Strukturstärkungsgesetz aufgenommen wird. Dort sollen Infrastrukturprojekte für die Lausitz durch den Bund in einem Gesetz festgeschrieben werden.

Zumindest Görlitz soll angeschlossen werden

Das Gesetz soll Nachteile der Regionen ausgleichen, die aus der Braunkohle aussteigen. Das alles hätte schneller gehen können, meint Anja Schmotz von der Bahninitiative.

Wenn es Sachsen wirklich wichtig ist, dass der Bahnhof Görlitz seine Rolle als Tor nach Polen spielen kann, dann sollte Sachsen nicht länger auf den Bund warten.

Anja Schmotz, Fahrgastverband "Pro Bahn"

Wenn es nach Schmotz geht, soll das Land Sachsen wenigstens die Teilelektrifizierung des Bahnhofs Görlitz mit polnischem Bahnstrom finanzieren.

Auch die Oppositionsfraktionen Linke und AfD im Landtag meinen, Sachsen habe bei der Elektrifizierung zu wenig Druck gemacht.

Mangold optimistisch

Die CDU bestreitet das, und Staatssekretär Mangold von der SPD beteuert, Sachsen wolle die Elektrifizierung. Aus Berlin habe es positive Signale gegeben, dass das Projekt in das Strukturstärkungsgesetz übernommen werde.

Falls sich das bewahrheite, da ist sich Mangold sicher, werde die Elektrifizierung stattfinden und der Bund sie auch finanzieren. Beschlossen haben Deutschland und Polen die Elektrifizierung schon 2003.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Mai 2019 | 06:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2019, 05:00 Uhr

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10 Kommentare

09.05.2019 09:28 Bahninteressierter 10

Warum keine bimodalen Fahrzeuge ?
Die fahren überall, unter Fahrdraht elektrisch und bei abweichenden Stromsystemen oder auf fahrdrahtlosen Strecken mit Diesel.
Die Bahnindustrie bietet Loks und Triebwagen dieser Art an.

09.05.2019 09:17 sletrabf 9

Ich finde es erstmal schade, dass die Elektrifizierung Dresden-Görlitz nicht wirtschaftlich sein soll. Leider scheint die Untersuchung diesbzgl. nicht öffentlich zu sein - ich hätte gern die Annahmen sowie die Argumente dafür und dagegen gewusst. Auf der A4 kann man täglich beobachten, dass die Relation nachgefragt ist, und wenn mehr Züge fahren, kann es sich auch schneller rechnen.
@8:Ein Ausbau ist vielleicht nicht hinreichend, aber notwendig für besseren Fernverkehr ;)
@1: Ist die Strecke Dresden-Görlitz etwa kein sächsisches Projekt? Darüberhinaus muss man das autoaffine Bundesverkehrsministerium ja offensichtlich zum Jagen tragen. Ich sehe in der Finanzierung daher kein Problem.

08.05.2019 14:18 GEWY38 8

Was den Bahnverkehr betrifft, ist Sachsen der letzte Husten. Was in Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt selbstverständlich ist, ist in Sachsen Utopie. Der Biedenkopfsche Schlendrian der mit dem verscherbeln der ICE Trasse München - Berlin an MP Vogel Thüringen begonnen wurde, hat sich bis heute fortgesetzt. Nach Tillich den letzten Erfüllungsgehilfen von Biedenkopf hatte man ja mit Kretschmer auf Besserung gehofft. Weit gefehlt. Es geht im alten Trott weiter. Genau wie in Ostsachsen ist in SW Sachsen nicht mit Fernverkehr der DB zu rechnen, obwohl dort alles dafür, was das Netz betrifft von Dresden bis Hof ausgebaut ist. Dort kann kein IC fahren weil man angeblich keine Möglichkeit hat, auf den Streckenabschnitt die Toiletten des IC zu reinigen. Und liebe Ostsachsen, wenn die DB Netz die Strecke ausgebaut hat, ist es noch lange nicht gesagt das die DB Fernverkehr die Strecke auch befährt. Das sind selbständige Unternehmen unter dem Dach der DB und da macht jeder was er will.

08.05.2019 13:02 Auswanderer 7

Das ist doch ein Schauspiel, sagenhaft. Genau wie das fehlende 2. Gleis von Berlin zumindest nach Cottbus/Forst, evtl. auch nach GR. Wie lange wird da gelabert??? Jeder weiß um die unhaltbaren Zustände, und? Es wird ein sinnloser Stuttgart 21 nicht fertig, ein Flughafen schon gar nicht. Und dann redet man was von "Strukturwandel". Einfach sinnlos! Letztens von Sachsen über CB nach B auf der Autobahn gefahren, ein Desaster diese Strecke. HILFEEE NEE, ein komplettes Staatsversagen. Bahn? Sinnvoll Fehlanzeige. Autobahn? Neu und total im Eimer und dazu auch noch überlastet.

Dieser Staat steht vor dem völligigen Kollaps, wer das immer noch nicht sehen KANN, dem ist nicht zu helfen.

08.05.2019 10:20 Anton 6

Wenn Bundesregierung sowieso so ungerne in Bahn investiert... Vielleicht besser dann auf Schienen gar verzichten und das ganze Geld in Autobahn investieren?

08.05.2019 09:52 Karol sagt: Polen wil langfristig aus d. EU raus! 5

Also warum noch investieren? Die Deutschen sollen gefälligst ihr Geld an der Grenze abgeben und in Deutschland bleiben.
Wie GB haben die noch ihr eigenes Geld und bleiben nur noch so lange in d. EU wie sie Geld aus Brüssel bekommen.

08.05.2019 08:30 na so was 4

Wenn es nicht so ernst und traurig wäre, müsste man über diese Misswirtschaft nur entsetzt den Kopf schütteln. Da schießt der Freistaat Sachsen dem Bund einfach mal so 10 Millionen Euro zu, obwohl er gar nicht zuständig ist. Staatssekretär Mangold (SPD), mit welchem Recht werfen Sie einfach mal so diesen Betrag der Bundesregierung zu und bestehlen damit die sächs. Steuerzahler ? "Wie die Faust aufs Auge" passt da diese Meldung in der SZ vom 08.05.2019, "Diätenerhöhung für Sachsens Abgeordnete vier Wochen vor der Landtagswahl am 01.09.2019. (die zehnte in Folge, die automatisch erfolgt) Ebenfalls erhöht sich die Aufwandspauschale (kann bis 4 295 Euro / Monat sein, natürlich steuerfrei)" Nach der Fertigstellung der Bahnstrecke Dresden nach Berlin und die Fahrtdauer, die vor dem 2.Weltkrieg unter 100 min. lag, zu fragen, getraue ich mir schon gar nicht mehr. Aber auf den Mars fliegen wollen. ...

08.05.2019 08:19 Anton 3

Fehlende Stromleitung ist kein Grund für fehlende Zugverbindung: man könnte Dieselzug einsetzen. Oder auch neumodische Wasserstoffzug, welche jetzt in Sachsen-Anhalt getestet wird. Hauptsache man will das, dann kommt auch die Lösung.

08.05.2019 08:05 andreas 2

Bleibt nur die Erinnerung ... dass man zu DDR-Zeiten von Leipzig direkt nach Kraków mit dem Zug fahren konnte.
In Polen wird zumindest viel gebaut, Schienen und Bahnhöfe angepasst. Dort findet man auch weniger Dreck und Müll ... und der Tourist wird feststellen, dass man bei den günstigen Preisen in der PKP&Co auf das Auto gut verzichten kann.

... und auch vor dem 2. Weltkrieg war man von Berlin aus schneller in Stettin mit dem Zug. Traurig!

08.05.2019 05:36 Auf zum letzten Gefecht! 1

"Hartmut Mangold von der SPD, Staatssekretär im sächsischen Verkehrsministerium, sieht das anders. 10 der über 500 nötigen Millionen Euro habe der Freistaat schon in die Planung investiert. Rechtlich aber sei der Bund zuständig."

die Bahn gehört zu 100 Prozent dem Bund, warum verplempert der Freistaat unsere Steuergelder?

Ich fordere die 10 Mio sofort/unverzüglich aus Berlin zurück zu holen und in sächsische Projekte zu investieren!

Davon abgesehen, ist das rechtlich zulässig?