Ein lesbisches Paar nach ihrer Trauung
Ein lesbisches Paar nach der Trauung. Bildrechte: imago

Homoehe Ein Jahr Ehe für alle

Seit einem Jahr gibt es in Deutschland die Ehe für alle. Mindestens 10.000 schwule und lesbische Paare haben sich seitdem das Ja-Wort gegeben. In mehr als zwei Dritteln wurden die bestehenden eingetragenen Lebenspartnerschaften in Ehen umgewandelt.

Ein lesbisches Paar nach ihrer Trauung
Ein lesbisches Paar nach der Trauung. Bildrechte: imago

Am 30. Juni 2017 hat der Bundestag die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare beschlossen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hob vor der Abstimmung den Fraktionszwang auf - die Parlamentarier sollten nach ihrem Gewissen abstimmen können.

Eine Woche nach der Zustimmung des Bundestages stimmte auch der Bundesrat zu. Damit war die Ehe für alle durch. Drei Monate nach der Unterschrift des Bundespräsidenten trat das Gesetz in Kraft. Am 1. Oktober konnten die ersten schwulen und lesbischen Paare heiraten. Die Standesämter öffneten extra für diesen besondern Tag - der 1. Oktober war ein Sonntag.

Die Ehe für alle war ein wichtiger Schritt für ein gerechteres und offeneres Deutschland.

Markus Ulrich, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD)

Als erstes Land der Welt ermöglichten es 2001 die Niederlande gleichgeschlechtlichen Paaren, zu heiraten. Fast 20 weitere Staaten schlossen sich seitdem an, darunter Belgien, Spanien, Norwegen, Schweden, Portugal, Island, Dänemark, Frankreich, Luxemburg, Irland und Finnland. 

Mehr als 10.000 Paare getraut

Seit dem 1. Oktober 2017 gaben sich bundesweit mehr als 10.000 lesbische und schwule Paare das Ja-Wort. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Standesämtern. Zahlen des Statistischen Bundesamtes gibt es noch nicht. In mehr als zwei Dritteln der Ehen wurden die bestehenden eingetragenen Lebenspartnerschaften in Ehen umgewandelt.

Insgesamt liegt der Anteil der gleichgeschlechtlichen Hochzeiten an allen Eheschließungen in vielen großen Städten bei mehr als zehn Prozent. Umfragen ergaben, dass zum Beispiel in acht von zwölf Berliner Bezirken innerhalb eines Jahres fast 1.600 schwule und lesbische Paare getraut wurden.

In Köln heirateten innerhalb der vergangenen zwölf Monate über 1.000 Lesben und Schwule - das waren fast 20 Prozent aller Eheschließungen. In Leipzig waren es rund 19 Prozent. Auch in Sachsen-Anhalt war fast jedes zehnte Hochzeitspaar gleichgeschlechtlich. Sehr gering war das Interesse dagegen beispielsweise in Cottbus. Hier heirateten nur neun homosexuelle Paare.

Probleme bei Familienkonstellationen

Markus Ulrich LSVD-Pressesprecher
Markus Ulrich, LSVD-Pressesprecher Bildrechte: Christian Fiedler/LSVD

So kritisiert Markus Ulrich vom LSVD die nach wie vor bestehenden Hürden bei der Anerkennung von Familienkonstellationen - beispielsweise bei lesbischen Paaren, bei denen eine Partnerin ein Kind bekommt. Die Ehefrau muss in diesem Fall das Kind ihrer Partnerin adoptieren und ist nicht automatisch ein Elternteil, wie es in heterosexuellen Ehen der Fall ist.

Bis die Adoption durch ist, vergehen häufig mehrere Monate. Sollte in dieser Zeit das Kind beispielsweise krank werden, hat die nicht-leibliche Mutter keine Auskunftsrechte im Krankenhaus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Oktober 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2018, 12:31 Uhr