Internationale Tageszeitungen an einem Kiosk
Kommentare der nternationalen Presse zum Ausgang der Europawahl. Bildrechte: IMAGO

Medienschau Internationale Pressestimmen zur Europawahl

Im Europaparlament werden sich Konservative und Sozialdemokraten an eine neue Normalität gewöhnen müssen: Sie haben erstmals seit Jahrzehnten keine Mehrheit mehr. Die großen Gewinner der Europawahl waren Grüne und Liberale am einen, Rechtspopulisten und Nationalisten am anderen Ende. Kommentare der internationale Medien zum Wahlausgang.

Internationale Tageszeitungen an einem Kiosk
Kommentare der nternationalen Presse zum Ausgang der Europawahl. Bildrechte: IMAGO

Die Zeitung Verdens Gang aus Norwegen schreibt: "Das neue Kräfteverhältnis gibt dem EU-Parlament eine neue Dynamik, die dafür sorgen wird, dass es stärker einem normalen Parlament - mit der Notwendigkeit von Kompromissen - ähnelt. Dank dieses Wahlergebnisses kann das neue EU-Parlament eine neue Glaubwürdigkeit und Legitimität bekommen."

Die dänische Tageszeitung Politiken blickt auf die Konservativen und Sozialdemokraten: "Deren Rückgang bedeutet, dass sie sich die Macht nicht länger aufteilen können. Sie sind nun gezwungen, der grünen Bewegung zuzuhören, die zu erfassen sie bislang zu langsam waren."

La Repubblica aus Italien meint: "Von den Souveränisten zum Referendum gegen die EU aufgerufen, haben die Europäer - außer in Italien und in Frankreich - die Geister zurückgewiesen, die sich bedrohlich auf dem Kontinent ausgebreitet haben. Ein Trend zur Wahlabstinenz hat sich umgekehrt. Mehr als die Hälfte der 430 Millionen Wahlberechtigten ist an die Urnen gegangen. Viele Junge waren darunter. Wenn Europa heute gerettet ist, ist das auch und vor allem deren Verdienst."

Die US-amerikanische Washington Post analysiert: "Der größte Quell des Zuspruchs für Rechtsaußen schien Italien zu sein, wo die Lega-Partei des Innenministers Matteo Salvini auf den ersten Platz sprang, und das nach einem Jahr, in dem er mit der Abschiebung von Migranten und einer Schwächung der EU im ganzen Land eine scharfe Wahlkampagne geführt hatte. Aber sein Plan für einen europaweiten Durchmarsch europaskeptischer Verbündeter muss nun etwas zurückgefahren werden. Viele seiner potenziellen Partner heimsten nur kleine Wahlgewinne ein, wenn überhaupt."

In der Zeitung El Mundo aus Spanien heißt es: "Dennoch sind der Sieg der extremen Rechten von Marine Le Pen in Frankreich, das großartige Ergebnis von Salvini in Italien oder die Tatsache, dass sich die Brexit-Partei von Nigel Farage in Großbritannien durchgesetzt hat, ernsthafte Warnungen: Die Anführer der Union müssen nun ihre Führungsrolle unter Beweis stellen und endlich das Steuer eines Schiffes in die Hand nehmen, das schon viel zu lange nicht mehr auf Kurs ist."

Abschließend heißt es beim Nachrichtensender CNN aus den USA: "Europas Wähler haben gesprochen, aber nicht mit einheitlicher Stimme. Die Wahlbeteiligung von EU-weit 50,95 Prozent war die höchste seit 1994. Aber die einzige klare Botschaft für Brüssel ist, dass Europa sich reformieren muss, wenn es überleben will. Wie genau jene Reform aussieht, ist die nächste große anstehende Schlacht."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2019 | 12:35 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2019, 11:28 Uhr