Reaktionen auf Wahlen "Deutschland ist gespalten"

Angesichts der Europawahl-Ergebnisse sieht Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff Deutschland gespalten. Die Thüringer Landeschefin der Linken, Hennig-Wellsow, zeigte sich enttäuscht. Die Grünen sehen den Osten als große Herausforderung.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff bezeichnet Deutschland angesichts der Europawahl als gespaltenes Land. Der CDU-Politiker sagte MDR AKTUELL, die Altersgruppen hätten sehr unterschiedlich gewählt. Außerdem gebe es große Unterschiede zwischen den Großstädten und dem ländlichen Raum. Haseloff verwies darauf, dass in Sachsen-Anhalt die Grünen im ländlichen Raum keine andere Rolle gespielt hätten, als bei der letzten Wahl.

Michael Kretschmer
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer. Bildrechte: dpa

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer bezeichnete das Europawahl-Ergebnis als einen Schlag für die Union. Der CDU-Politiker sagte in Dresden, seine Partei habe auf Fragen und Probleme, die mit Europa zu tun hätten, zu wenig Antworten gegeben.

Zugleich warnte er vor einer weiteren Spaltung der Gesellschaft. Die Themen, die in den alten Bundesländern für einen Höhenflug der Grünen gesorgt hätten, hätten im Osten zu großen Sorgen geführt.

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt, freut sich über den Wahlerfolg ihrer Partei bei der Europawahl. Sie sieht aber viel Nachholbedarf im Osten Deutschlands, vor allem im Vergleich mit der AfD.

Wir haben in Ostdeutschland deutlich zugelegt, aber das lässt uns jetzt nicht jubeln und rumhüpfen, wenn wir uns die Ergebnisse der AfD anschauen.

Katrin Göring-Eckardt Die Grünen

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD, Carsten Schneider, bezeichnete das Abschneiden seiner Partei als unerwartet heftig. Er habe mit Verlusten gerechnet, aber dieses Ergebnis sei ein "sehr herber Schlag".

Schneider sprach auch von der gesellschaftlichen Spaltung. Diese zeige sich auch in den Unterschieden zwischen Ost und West. Auf der einen Seite gebe es einen Hype der Grünen in den Westmileus und in den Städten. Auf dem Land im Osten sei degegen die AfD extrem stark.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, sieht den Aufschwung der Grünen vor allem als Ergebnis der Hysterie um den Klimawandel. Die Wissenschaft sei keineswegs einig, sagte Baumann MDR AKTUELL, ob der Mensch dafür verantwortlich sei. Auch bleibe fragwürdig, ob von Deutschland aus die Erderwärmung überhaupt beeinflusst werden könne, wenn in Indien und China Hunderte neue Kraftwerke ans Netz gingen.

Die geringe Zahl junger AfD-Wähler erklärt Baumann mit einer links-grünen Zeitgeistwelle - auch bei Lehrern in den Schulen und Hochschulen oder bei Kirchenfunktionären. Diese beeinflussten die Jugendlichen und hetzten gegen die AfD.

Die Landeschefin der Linken in Thüringen, Susanne Hennig-Wellsow, sieht Fehler im Wahlkampf der eigenen Partei. Dass es die Linke nicht geschafft habe, sich als pro-europäische Partei darzustellen, habe an einem Kommunikationsdefizit gelegen.

Die ThüringerInnen haben sich zu fast 50 Prozent für konservative oder extrem rechte Parteien entschieden.

Susanne Hennig-Wellsow Die Linke

FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg betrachtet das europaweite Abschneiden der Liberalen positiver als das in Deutschland. Im Europaparlament bildeten die Liberalen auch nach der Wahl den drittstärksten Block. Nun wolle man Reformen anschieben, insbesondere in Bezug auf eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 27. Mai 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Mai 2019, 16:08 Uhr

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30 Kommentare

29.05.2019 15:41 DerIch 30

Zuletzt nach der jüngsten BT-Wahl hies es von den Parteien: wir habe verstanden.

Was sie glauben verstanden zu haben, wurde in Politik umgesetzt.

Das Ergebnis ihres 'Verstehens' haben sie sowohl auf Kommunaler als auch auf EU-Ebene erhalten.

Bei Wahlen beurteilt der Bürger die erbrachte Leistung der Parteien / Politiker sowie das erwartete Potential für die zukünftige Leistung, also - liebe Politiker - sucht die 'Schuld' nicht bei den Bürgern, sondern bei eurer Leistung.

Nicht der Wähler / Bürger spaltet, sondern die Folgen des politisch Umgesetzten!

29.05.2019 11:04 NRW-18 29

In meinem Bekannten- und Kollegenkreis ist niemand, der die Grünen wählt.
Allerdings sind dort viele Leute, die sich nicht mehr hinter vorgehaltener Hand, sondern öffentlich äußern, dass sie AfD gewählt haben und das finde ich gut so. Das ist Demokratie und Meinungsfreiheit. Diese AfD-Wähler sind keineswegs dumm, abgehängt oder rechts-radikal, sondern hellwache, kritische Menschen.
Die Grünen sind eine Klientelpartei für Lehrer, Künstler, Studienabbrecher, Studenten, die noch nie earbeitet haben, Märchenbuch-Autoren und Islamwissenschaftler, nicht aber für Menschen, die mit ihren Händen Geld verdienen und vielfach dafür pendeln müssen.
Der Klima-Hype wird bis zur nächsten gemeinsamen deutschen Wahl kein Thema mehr sein und die Leute werden erkannt haben, wofür Grüne wirklich stehen.
Insgesamt hoffe ich, dass auch der Westen aufwacht und von Sachsen lernt.

28.05.2019 18:53 Eulenspiegel 28

Hallo W. Merseburger 27
Also zuerst ein mal in die Zukunft sehen kann natürlich auch ich nicht.
Aber in der Tat CDU und SPD haben durch diese Wahl eine kräftigen Arschtritt bekommen. Und es wurde ja auch schon die Frage gestellt: Wird der nächste Bundeskanzler ein Grüner? So läuft nun mal Demokratie.

28.05.2019 15:11 W. Merseburger 27

An Eulenspiegel @ 26,
sie werfen da eine ineressante Frage bezüglich des Wahlergebnisses fder AfD auf, verschweigen aber einen weiteren völlig unerwarteten Effekt. Die von ihnen genannten jungen Wähler haben die beiden großen Volksparteien noch wesentlich deutlicher durch Nichtwahl abgestaft und die Partei der Grünen gewählt. Ich habe die konkreten Zahlen nicht im Kopf, erinnere mich aber, dass bei ARD in manchen Wahlkreisen Ergebnisse für CDU und auch SPD von weit unter 10% von obiger Altersgruppe genannt wurden. Würden sie nun daraus schlussfolgern, dass bei der nächsten Bundestagswahl beide Parteien unter die 5% Hürde fallen könnten?

28.05.2019 12:49 Eulensoiegel 26

Wie ich die Dinge sehe:
Wir hatten am Sonntag die zweite bundesweite Wahl nach 2015. Den Jahr in dem so viele Kriegsflüchtlinge nach Deutschland kamen und der AfD so ein großen Aufschwung brachte. Und im Bezug zu dieser ersten bundesweiten Wahl nach 2015 hat das Wahlergebnis der AfD um 1,6 % abgenommen. Dabei ist dann noch ein anderer Aspekt interessant. Wie ich sehen konnte haben nur noch 5 % der 18 – 25 Jährigen die AfD gewählt.
Daraus ergibt sich dann für mich die Frage:
Wird die AfD bei der nächsten Bundestagswahlen noch zweistellig sein oder schon einstellig?

27.05.2019 19:12 na dann 25

hoffen wir fest, dass die CDU nicht jetzt wieder dem Klimathema und den GRÜNE (n) hinterher hechelt.
Das ad hoc Klimathema ist zu kurz gesprungen. Aber die Fähigkeit zu antizipieren entwickelt sich wohl erst im Erwachsenenalter.
Alle nur noch zu Fuß oder auf dem Elektro-Tretroller zum Jobcenter, weil die Wirtschaft wegbricht. In der übrigen Zeit kann "man" sich dann auf die Wiese legen und dem Drehen der 10000 Windräder zusehen, die gerade wieder einige Insekten und Vögel ausgeknockt haben.Strom ist kaum noch bezahlbar und ein Feuerstellenbetrieb wegen des CO2 Ausstoßes verboten. Bleibt nur, das Bärenfell überzustreifen und in eine Höhle ziehen. Tolle Zukunftsvision .
Augenmaß ist gefragt. Aber wer hat das noch?

27.05.2019 19:05 nasowasaberauch 24

Den grünen Hype sehe ich als Modeerscheinung und Mischung aus einer euphorischen, kompromisslosen Jugend und der satten Gesellschaft, die in Ermangelung echter Probleme sich welche erschaffen hat. Wer grün wählt der wählt auch die Illusion, dass wir in Deutschland allein das Klima signifikant ändern können. Habeck weiß es und hat auch Respekt vor dem Wählerauftag. Der grüne 20%-Tiger wird nach seinem Sprung als Bettvorleger aufkommen, wenn die Partei die hohen Erwartungen nicht erfüllt. Mittelfristig eine meßbare Klimaverbesserungen bei gleichzeitig sozialer Verträglichkeit ist der Spagat oder man wird entzaubert, weil es eine teure Illusion geblieben ist.

27.05.2019 17:56 W. Merseburger 23

Die Wahlen sind Geschichte. Die relativ hohe Wahlbeteiligung hat ein deutlich besseres politisches Meinungsbild ergeben. Wenn oben Regierungschefs im Raum Mittel- und Ostdeutschland ihre Meinung kund tun zusammen mit anderen Politikern, haben wir das zu akzeptieren und auch zu würdigen. Völlig unverständlich ist jedoch, dass die größte Kanzlerin der jüngeren Geschichte die Arroganz aufbringt, kein Wort über dieses bedeutungsvolles Ereignis der Wahl zum EU-Parlament bis jetzt an die Öffentlichkeit zu verlieren. Ich vermute, es ist Angela Merkel eigentlich egal. Aber das ist leider ein ernstes Problem.

27.05.2019 16:55 Mane 22

Den Demonstranten ist Klimawandel wichtiger als Arbeitsplätze.Hoffe bloß das es alle Grünen trifft!

27.05.2019 16:15 Carolus Nappus 21

Die Linken-Chefin aus Thüringen muss wohl vielmehr froh sein, dass nicht noch mehr verstanden haben, was die Linke unter proeuropäisch versteht. Mit zusätzlichen Transfers aus Deutschland, einer Vergemeinschaftlichung von Budgets und Schulden würde diese Partei kaleren Kurs unter die 5%-Hürde nehmen.
Die alte Tante SPD unter Andrea "ab morgen kriegen sie in die Fresse" Nahles ist ganz gehörig auf selbige geflogen. Ich befürchte nur, dass man dort zur selben Ursachendefinition wie bei der Linken kommt: Das Programm ist ganz super toll, aber die Wähler sind zu doof. Da müssen dringend noch mehr Gelder für Kommunikation in eigener Sache äh gegen rechts her.
Der CDU hat es immerhin schonmal zum Erkennen der Lage gereicht. Mal sehen, ob es auch zu einer Ursachenanalyse und entsprechenden Schlußfolgerungen führt.