Kontakt-Nachverfolgung Bundeswehr unterstützt immer mehr Gesundheitsämter

Die Nachverfolgung von Infektionsketten gilt als Schlüssel im Kampf gegen Corona. Doch die Gesundheitsämter geraten zunehmend an die Belastungsgrenze. Immer öfter springt nun die Bundeswehr ein. Auch auf anderem Weg soll das Personal verstärkt werden, um einen Lockdown zu vermeiden.

Soldaten der Bundeswehr helfen der Region Hannover bei der Nachverfolgung von Infektionsketten von dem Coronavirus.
Soldaten der Bundeswehr helfen der Region Hannover bei der Nachverfolgung von Coronavirus-Infektionsketten. Bildrechte: dpa

Die Bundeswehr ist angesichts der verschärften Corona-Lage immer öfter zur Unterstützung lokaler Gesundheitsämter im Einsatz. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer erklärte am Sonntag, die Zahl der Amtshilfeanträge an die Bundeswehr nehme aktuell spürbar zu. Alle Kräfte sollten nun genutzt werden, um einen Lockdown zu vermeiden, sagte die CDU-Politikerin. Ähnlich hatte sich zuvor Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer geäußert.

Annegret Kramp-Karrenbauer
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Die Bundeswehr steht bereit, um in dieser kritischen Situation die Kommunen und Länder zu unterstützen.

Annegret Kramp-Karrenbauer Bundesverteidigungsministerin

Bis zu 5.000 Soldaten sofort abrufbar

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums leisten derzeit rund 1.550 Soldatinnen und Soldaten Amtshilfe gegen die Corona-Pandemie. Davon unterstützen gut 1.100 Bundeswehr-Angehörige insgesamt 98 Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Infektionsketten. 290 Soldatinnen und Soldaten sind im Zusammenhang mit Corona-Tests bei Reiserückkehrern im Einsatz. Hinzu kommt etwa Hilfe für regionale Führungsstäbe.

Die Bundeswehr hatte bereits 5.000 kurzfristig verfügbare Soldaten abbestellt. Weitere 10.000 sind binnen 30 Tagen zur Corona-Amtshilfe einsatzbereit.

Dedy: Fünfstelliger Personalbedarf realistisch

Kanzleramtsminister Helge Braun sagte der "Rheinischen Post", man schaue auch über die Bundeswehr hinaus, ob weitere Personalreserven in der Bundesregierung und nachgeordneten Behörden mobilisiert werden können. Zudem hoffe er, eine größere Zahl von Studierenden für die Aufgabe zu gewinnen.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, verwies auf einen immensen Personalbedarf, der mit den Infektionszahlen rasant steige. "Dass er fünfstellig sein kann, halten wir für realistisch", sagte er der "Rheinischen Post".

Helmut Dedy
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Je schneller die Kontaktnachverfolgung durch zusätzliches Personal verbessert wird, desto wirksamer trägt das zur Eindämmung der Pandemie bei.

Helmut Dedy Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer hatte der "Bild am Sonntag" gesagt, es sei mit einer Verdopplung der Neuinfektionen alle drei bis vier Tage zu rechnen. Wenn die Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Kontakten positiv getesteter Personen an ihre Grenzen kämen, könne man die Infektionsketten aber nicht mehr unterbrechen. Die Bundeswehr müsse daher stärker eingebunden werden und Beschäftigte aus den Landesministerien abgeordnet werden.

Lambrecht: Corona-Regeln müssen nachvollziehbar sein

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht forderte unterdessen mehr Augenmaß bei den Auflagen gegen die Coronavirus-Pandemie. Die SPD-Politikerin sagte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", bei allen Maßnahmen müsse stets darauf geachtet werden, dass sie für die Menschen nachvollziehbar seien. Nur so könne die hohe Zustimmung der Menschen erhalten werden. Zuletzt hatten mehrere Gerichte Beherbergungsverbote für Gäste aus innerdeutschen Corona-Hotspots gekippt.

Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach betonte, es hänge von der Bevölkerung ab, ob ein erneuter "Lockdown" abgewendet werden könne. Viele Auflagen ließen sich ohnehin schwer überprüfen, sagte er der "Funke Mediengruppe". Die Frage sei, ob es gelinge, einen ausreichend großen Teil der Bevölkerung davon zu überzeugen, zur Eindämmung der Corona-Pandemie die Kontakte einzuschränken.

Erst gestern hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel an die Bevölkerung appelliert, angesichts der stark steigenden Infektionszahlen Kontakte zu weit wie möglich zu reduzieren. Um eine unkontrollierte Ausbreitung zu verhindern, sollten die Menschen auf alle Reisen und Feiern verzichten, die nicht unbedingt notwendig seien.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Oktober 2020 | 08:30 Uhr

41 Kommentare

Dreibeiner vor 4 Tagen

Hoffentlich!
nach unserer Meinung längst überfällig! Das sinnfreie Leugnen der weltweiten Pandemie incl. rechtsextremen sturm auf Berliner Parlament sollten letzte Träumer wach rütteln, Toleranz muss Grenzen haben wenn Demokratie angegriffen wird.

Grosser Klaus vor 4 Tagen

Eine ganze Reihe an Menschen, da draußen und hier im Kommentarbereich, hat allen Anschein nach, überhaupt kein Problem damit, Ihre Grundrechte, demokratischen Prinzipien usw. aufzugeben.
Nun denn, wenn das dann weg ist, schauen wir mal wie es so ist, wenn diese Personen sich dann noch melden oder zu Wort kommen möchten, falls ihnen etwa nicht gefällt. Stopp, die Grundrechte sind ja weg, na sowas aber auch.

Ernst678 vor 4 Tagen

Ja mit den Fakten ist das so eine Sache. Wenn mir das Öffentlich-rechtliche und Regierungskreise Experten vorführen geht bei mir eine rote Lampe an, denken wird nur an den "Experten" Lauterbach. Ich bin gewohnt alles zu hinterfragen anstatt mir einfach reinzuziehen und zu glauben, es gibt genügend Informationsquellen die nicht in der Hauptströmung des Mainstream eifrig paddeln und nach Eigennutz stinken. Wie halten Sie es denn?