Ein Auto fährt mit einer 360 Grad Kamera auf dem Dach auf der Straße.
Mit 360-Grad-Kameras fahren Autos für Apple durch bundesdeutsche Städte. Bildrechte: imago images / ZUMA Press

Kamera-Autos unterwegs Widerspruch gegen Apple-Aufnahmen möglich

Seit Montag sind Kamera-Autos des US-Konzerns Apple auf deutschen Straßen unterwegs. Ähnlich Googles Streetview plant Apple ein "Look Around". Wie brisant sind die Aufnahmen? Und kann man sich gegen die Filmerei wehren?

von Stephan Zimmermann, MDR AKTUELL

Ein Auto fährt mit einer 360 Grad Kamera auf dem Dach auf der Straße.
Mit 360-Grad-Kameras fahren Autos für Apple durch bundesdeutsche Städte. Bildrechte: imago images / ZUMA Press

Apple plant ein Angebot mit dem Namen "Look around". Es entspricht dem "Street view" von Google. Dafür werden die Aufnahmen gebraucht, die jetzt in Deutschland gemacht werden. Wann sie tatsächlich im Internet stehen, ist noch offen. Möglicherweise geht es zunächst auch nur darum, Karten zu verbessern. Apple nennt beides als Begründung für seine Aktion.

Datenschützer rät zu Widerspruch

Mann mit Hemd hält einen Vortrag gestikuliert dabei mit seinen Armen und Händen.
Thüringens Datenschutzbeauftragter Lutz Hasse Bildrechte: MDR/Sascha Richter

Klar ist auf jeden Fall: Gesichter und Autokennzeichen werden unkenntlich gemacht. Für den Thüringer Datenschutzbeauftragten Lutz Hasse ist aber schon das Filmen von Häusern brisant genug:  Fassaden, Vorgärten, Autos - diese Daten könne man mit zusätzlichen Informationen bestimmten Personen zuschreiben, meint Hasse: "Und deswegen sollten die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv dagegen vorgehen."

Apple verspricht Schutz der Privatsphäre

Und Apple wehrt sich dagegen auch gar nicht. Im Gegenteil. Der Konzern informiert selbst ausführlich über die Aktion. Im Internet listet er zum Beispiel auf, in welchen Städten und Landkreisen wann gefilmt wird. Und Apple verspricht, die Privatsphäre zu schützen. Wer Fragen oder Anliegen habe, oder wer beantragen wolle, dass ein Gesicht, ein Fahrzeugkennzeichen oder das eigene Haus unkenntlich gemacht werde, solle sich an Apple wenden.

Hasse reicht Versprechen nicht aus

Das Versprechen ist auch gleich mit einer E-Mail-Adresse verbunden, an die man seine Einwände schicken kann. Für Thüringens obersten Datenschützer bleiben dennoch Fragen offen. Zum Beispiel: Was passiert mit den Aufnahmen, wenn jemand gegen die Veröffentlichung ist?

Wenn Daten verpixelt werden, sind die dann auch auf den Servern in den USA verpixelt oder wird nur eine Kopie verpixelt und die unverpixelten Daten sind irgendwo in den USA gespeichert?

Lutz Hasse, Datenschutzbeauftragter Thüringen

Und wer weiß, was dann damit passiert. Fakt ist allerdings: Apple muss sein Verfahren mit den deutschen Datenschützern absprechen. Federführend dabei ist der bayerische Landesbeauftragte. Und da werden laut Hasse auch verbindliche Vereinbarungen getroffen. Er bleibt trotzdem skeptisch:

Ich handle lieber nach dem Motto Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Aber leider können wir in den USA nicht kontrollieren.

Lutz Hasse, Datenschutzbeauftragter Thüringen

Datenschützer bietet Hilfe bei Widerspruch an

Bürgern, die sich gegen die Apple-Aufnahmen wehren wollen, bietet  der Thüringer Datenschutzbeauftragte auf jeden Fall Unterstützung an. So hat er einen Musterbrief für den Widerspruch ins Internet gestellt. Denn, so seine Überlegung, wenn man das auf dem Muster eines Datenschutzbeauftragten mache, wisse Apple auch gleich, die Datenschützer seien dran.

Bis jetzt sind die Reaktionen auf die Apple-Aktion aber noch relativ verhalten. Eine Protestwelle wie bei den Google-Aufnahmen vor zehn Jahren hat Lutz Hasse bis jetzt noch nicht beobachtet. Apple habe von vorne herein gesagt, man verpixele  Gesichter und Autokennzeichen. Das sei bei Google nicht so gewesen, da hätten die Datenschützer lange kämpfen müssen. Da hat Apple jetzt offenbar dazugelernt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2019 | 06:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2019, 05:00 Uhr