Arbeitslos Gegen Bürokratie: Arbeit vermitteln in Corona-Zeiten

Ein Arbeitsvermittler hat eine Idee, wie in den Zeiten des Coronavirus mit Kontaktbeschränkungen, Arbeit weiter vermittelt werden kann. Viele finden diese Idee gut, doch dann kommt die Bürokratie ins Spiel.

Das Logo der Bundesagentur für Arbeit leuchtet über einem Büro
Bildrechte: dpa

Millionen Menschen sind seit Beginn der Corona-Krise in Kurzarbeit geraten, immer mehr Menschen sind Arbeitslos oder werden es gerade. Doch wie sollen sie wieder in Lohn und Brot kommen? Die Jobcenter sind seit über zwei Monaten für persönliche Beratungen geschlossen – auch eine Folge des Lockdowns.

Eine Idee, die helfen könnte dieses Problem zu lösen: Beratung per Telefon via Internet oder per Telefon. Lars Naundorf ist seit 18 Jahren Arbeitsvermittler und schult sonst Arbeitssuchende in Seminaren – er wollte seinen Plan direkt umsetzen. Viele Menschen wollten direkt mitmachen.

"Ich habe unzählige Bewerbungen bekommen", sagt Naundorf. Doch die Behörde habe ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht und gesagt: "Wir  können uns nicht vorstellen können, dass jemand der auf der Couch sitzt, wieder in Arbeit kommt."

Treffen mit Arbeitssuchenden auf der Straße

Das "Couch-Argument" gegen seine telefonische Schulung wird dem Arbeitsvermittler von der Stelle genannt, die Naundorf um die Genehmigung seiner Geschäftsidee gebeten hat. Zuständig dafür ist die ICG Zertifizierung GmbH. Diese hatte an Naundorf geschrieben: "Die Maßnahme muss an zertifizierten Standorten durchgeführt werden. Die Räume, welche dafür genutzt werden, müssen in ihrer Größe den Anforderungen einer Einzelmaßnahme entsprechen."

Lars Naundorf erstaunt diese Begründung. Denn schließlich hat in den Zeiten von Corona sogar die Politik zeitweise aus dem Home-Office und damit "von der Couch" gearbeitet.

Arbeitslosenzahlen deutlich gestiegen

Da die Erlaubnis fehlt, trifft sich Naundorf momentan mit seinen Klienten auf der Straße. In der Innenstadt von Leipzig hat er sich mit einem Mann verabredet, der früher als Security-Mann gearbeitet hat und derzeit keinen Job hat.

"Was wollen Sie arbeiten", fragt Naundorf. "Mir ist das egal, ich will nicht zu Hause sitzen", antwortet Omar Abbas. Er würde am liebsten eine Ausbildung zum Automechaniker beginnen. Omar Abbas gehört zu den ersten Arbeitslosen aufgrund der Corona-Krise.

Seit April steigen bundesweit die Zahlen. Am Mittwochmorgen hat die Bundesagentur für Arbeit die Bilanz für Mai bekannt gegeben. Im letzten Monat verloren danach wieder 169.000 Menschen ihre Arbeit. In Sachsen stieg die Zahl der Arbeitslosen um 6.100, in Sachsen-Anhalt um 3.700 und in Thüringen um 3.000. Der Regionalchef für Thüringen und Sachsen-Anhalt, Markus Behrens, sagte, man liege deutlich über dem Niveau des Vorjahres.

Jobcenter befürwortet Konzept per Telefon

Ausgerechnet in solchen Zeiten spricht die Zertifizierungsstelle Lars Naundorf ab, dass seine Beratung gebraucht wird: "Die Notwendigkeit dieser Maßnahme in Bezug auf den regionalen Arbeitsmarkt ist nicht nachvollziehbar beschrieben. Der Nachweis für den regionalen Bedarf an dieser Maßnahme liegt nicht vor", heißt es im Schreiben an Naundorf.

"Das ist so paradox", kommentiert Naundorf. "Wir haben dieses Konzept auch einigen Agenturen und Jobcentern angeboten. Die haben gesagt: 'Das ist eine klasse Idee. Es würde uns so helfen, weil wir Personal aus der Arbeitsvermittlung abziehen mussten, um das Kurzarbeitergeld abzurechnen.'"

Trotzdem will Lars Nauendorf gegen die Ablehnung der Zertifizierungsstelle weiterkämpfen. "Wir haben Väter, die Angst haben, ihre Familien nicht weiter versorgen zu können. Wir haben die Behörde vor Ort, die sagt: ja, wir brauchen das. Und dann ist da eine übergeordnete Bürokratie, die das alles zunichte macht."

 

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 03. Juni 2020 | 20:15 Uhr

1 Kommentar

ElBuffo vor 25 Wochen

Das wird so die Klientel sein, die dagegen ist, dass Schulen wieder in den Normalbetrieb gehen. Im Büro nichts machen oder das am besten noch von zu Hause aus bei voller Löhnung. Da würde ich auch gerne die Nichtbetreuung der Kinder vorschieben, um weiter zu Hause bleiben zu können.