Explosionen am Hafen Noch mehr als 60 Vermisste in Beirut

Die Bilanz der Explosionen in Libanons Hauptstadt ist verheerend: 154 Tote, rund 5.000 Verletzte, bis zu 250.000 Obdachlose. Weiterhin werden mehr als 60 Menschen vermisst. Für Sonntag ist eine Geberkonferenz geplant.

Zwei Frauen mit Besen gehen im Stadtviertel Gemmayzeh an einem historischen Gebäude vorbei, das durch die Explosion im Hafen beschädigt wurde.
Das Stadtviertel Gemmayzeh ist ein beliebtes Ausgehviertel mit teuren Bars und Clubs - durch die Nähe zum Hafen wurde es mit am stärksten beschädigt. Bildrechte: dpa

In der libanesischen Hauptstadt Beirut werden vier Tage nach den verheerenden Explosionen weiterhin mehr als 60 Menschen vermisst. Das teilte das Gesundheitsministerium des Landes mit. Die Bergungsarbeiten gingen auch am Samstag weiter, unterstützt von Teams unter anderem aus Deutschland.

Am Dienstag waren am Hafen von Beirut 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert. Das hochexplosive Material war dort jahrelang ungesichert gelagert worden. Große Teile des Hafens und der umliegenden Viertel wurden zerstört und beschädigt. 154 Menschen kamen ums Leben, mehr als 5.000 wurden verletzt. Bis zu 250.000 Menschen sind obdachlos, weil ihre Häuser und Wohnungen zerstört wurden.

Am Freitag wurden im Zusammenhang mit den Explosionen 16 Hafen-Mitarbeiter festgenommen. Die Katastrophe hat aber auch erneut die Kritik an der politischen Führung verschärft.

Maas kündigt Hilfe von zehn Millionen Euro an

Bundesaußenminister Heiko Maas kündigte ein deutsches Soforthilfepaket im Umfang von zehn Millionen Euro für den Libanon angekündigt. Maas sagte der "Bild am Sonntag", die Menschen in Beirut bräuchten unsere Hilfe.

Auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld ist am Samstag zudem ein Airbus gestartet, um 43 Tonnen Hilfsgüter des Deutschen Roten Kreuzes nach Beirut zu fliegen. Nach Angaben des DRK umfasst die Lieferung Verbands-Materialien, Decken und Werkzeuge für den Bau von Notunterkünften. Auch Covid-19-Schutzausstattungen wie Masken und Schutzanzüge seien dabei.

Internationale Geberkonferenz am Sonntag

Für Sonntagnachmittag ist eine internationale Geberkonferenz geplant. Nach Angaben der französischen Regierung nehmen an der Videokonferenz die Uno, die EU sowie die USA teil. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich am Donnerstag vor Ort ein Bild von der Katastrophe gemacht.

In ungewöhnlich deutlichen Worten kritisierte er dabei auch die politische Führung des Libanon. Wenn keine Reformen vorgenommen würden, werde der Libanon weiter versinken, sagte er bei einem Treffen mit dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun. Es brauche einen entschiedenen Kampf gegen Korruption und eine transparente Aufklärung, wie es zu den Explosionen kommen konnte.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. August 2020 | 10:00 Uhr

9 Kommentare

winfried vor 24 Wochen

>>ca. 150 Tote ... mehr als 4.000 Verletzte ... bis zu 300.000 obdachlos<<
Da passt die Größenordnung "Maas kündigt Hilfe von zehn Millionen Euro an".

winfried vor 24 Wochen

Danke für Stellungnahme.
Der MDR und Sie bestätigen, dass über die privaten, halbstaatlichen und staatlichen akut-Maßnahmen, keine weiteren extra-"Töpfe" bekannt sind.

Les joueurs d echecs vor 24 Wochen

Online-Spenden für die Not- und Katastrophenhilfe. Aktion Deutschland Hilft ist das starke Bündnis von 23 deutschen Hilfsorganisationen. Dank Ihnen können wir weltweit das Leid von Familien in Not lindern und gemeinsam Leben retten. Herzlichen Dank für Ihre Spende!
@winfried statt zu palavern fordere ich dich auf zu Helfen. MDR zensiert zwar heute wieder genzwertig, berichtet sonst aber zeitnah