Schule in der Corona-Krise Wie der Bund Computer für Schüler mit 150 Euro fördern will

Nicht alle Kinder haben einen Zugang zum "digitalen Klassenzimmer", manchen fehlt schlichtweg die Technik. Der Bund will daran etwas ändern und hat einen Zuschuss beschlossen. Bedürftige Schüler sollen bis zu 150 Euro für den Kauf eines Tablets, Laptops oder Computers erhalten. Dafür will der Bund 500 Millionen Euro bereitstellen.

Homeschooling
Die nötigen technischen Voraussetzungen für das Homeschooling, wie PC oder Tablet, können sich nicht alle leisten (Symbolbild). Bildrechte: imago images / Ritzau Scanpix / Unger Anthon

Eine schöne Idee und ein Schritt in die richtige Richtung sei dieser Zuschuss, findet Daniela Bose vom Sozialwerk Kinder- und Jugendhilfe des Paritätischen in Halle. Aber 150 Euro Zuschuss bleiben ein Zuschuss – und gerade bei bedürftigen Familien sei jede Ausgabe eine Herausforderung.

Daniela Bose erklärt, wie viele Familien derzeit in finanzielle Not kommen: Etwa, weil die Kinder sonst in der Schule kostenloses Mittagessen hätten. "Jetzt sind die Kinder zu Hause." Da entstünde ein zusätzlicher finanzieller Bedarf. Dass dann noch etwas für die Neuanschaffung von Technik übrig sei, sagt Bose, "das kann ich mir nur sehr schwer vorstellen".

Zumal das digitale Klassenzimmer auch einen Internetvertrag mit ausreichend großem Datenvolumen verlangt oder das Ausdrucken von Arbeitsblättern – alles zusätzliche Belastungen für die betroffenen Familien.

Arme Kinder sind benachteiligt

Allein in Halle sind ein Drittel der Kinder arm, weiß Daniela Bose: "Unverschuldet kommen die in eine Notlage, müssen sich vor den Lehrern rechtfertigen: 'Ich konnte meine Aufgaben nicht machen während der Zeit, weil ich den Zugang nicht hatte.' Und das ist eigentlich alles andere als integrativ."

Das verstärkt die Schranken, die wir sowieso in der Gesellschaft haben noch mal immens.

Daniela Bose Sozialwerk Kinder- und Jugendhilfe des Paritätischen in Halle

Diese soziale Spanne war auch im Bildungsausschuss des Bundestags ein großes Thema. Der Vorsitzende und SPD-Politiker Ernst Dieter Rossmann begrüßt das beschlossene "Sofortausstattungsprogramm". Denn auch, wenn 150 Euro Zuschuss pro Kind erst einmal nicht so viel klinge, sei der Schirm mit 500 Millionen Euro reichlich bemessen. Bei 500 Millionen Euro könnten 3,3 Millionen Betroffene davon profitieren. Er ergänzt, dass 2,5 Millionen Kinder durch das Bildungsteilhabepaket Leistungen erhielten, der Technik-Zuschuss würde so über die "unmittelbar Sozialbedürftigen" hinaus reichen.

Die Details müssen nun erst einmal besprochen werden, sagt Dieter Rossmann, denn Bildung ist Ländersache. Bleibt trotzdem die Frage, was diejenigen tun, die sich auch mit Zuschuss ein Tablet oder Ähnliches nicht leisten können. Denn im Schnitt kostet ein handelsübliches Tablet 330 Euro.

Lehrerverband will Ausrüstung über die Schulen verteilen

Marco Tullner, CDU – Bildungsminister von Sachsen-Anhalt
Marco Tullner, Bildungsminister von Sachsen-Anhalt, zeigt sich offen gegenüber den Forderungen des Lehrerverbandes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Lehrerverband plädiert dafür, dass das Geld gleich an die Schulen geht. Die könnten Geräte anschaffen und den Schülern als Leihgabe überlassen. Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner zeigt sich offen: "Wir haben dazu heute bereits erste Gespräche geführt und gehen davon aus, dass das Geld schnell und unbürokratisch an die Schulen oder Schülerinnen und Schüler kommt."

Unbürokratisch ist das Stichwort für Daniela Bose vom Paritätischen. Ihre Erfahrung zeigt: Kompliziert formulierte und aufwendige Anträge schrecken gerade die ab, die es am nötigsten haben. Der Zuschuss sollte also einfach zu beantragen sein. Das werde allerdings noch ein wenig dauern, schätzt der Bildungsausschuss-Vorsitzende Rossmann.

Man werde das in den Fachkreisen der Regierungsfraktionen und im Ausschuss sicherlich auch noch einmal diskutieren. Man wird sich bestimmt zwei Monate nehmen müssen, damit die 500 Millionen Euro zielgenau bei den Kindern und Jugendlichen, die das brauchen, ankomme, erklärt Rossmann. Er halte das für aushaltbar. Daniela Bose vom Paritätischen in Halle hofft dagegen, dass die Hilfen schneller bei den Bedürftigen ankommen. Details wird wohl erst die nächste Kultusministerkonferenz am 29. April bringen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. April 2020 | 05:00 Uhr

19 Kommentare

part vor 5 Wochen

Ja fast wie der kommunalen Förderung von Projekten und Infrastrukturmaßnahmen, die Gemeindschaft ist pleite oder so gut wie und soll nun noch einen Eigenanteil erbringen. Statt bedingungslosen Grundeinkommen wird die Bürokratie weiter gefüttert und so getan als ob man handeln würde. Von was sollen sich Alleinerziehende, prekär Beschäftigte und andere untere Einkommensgruppen denn den Eigenanteil leisten, wenn in einem so reichen Land die Umverteilung von Vermöger verquer läuft?

Lost Hope vor 5 Wochen

für komplette Ostangleichung bei Löhnen und Renten, damit unsere Jugend keinen Grund mehr zum Pendeln hat
Deutschland zahlt ja angeblich sogar Kindergeld nach Rumänien

Kritiker vor 5 Wochen

+...SCHULE IN DER CORONA-KRISE / Wie der Bund Computer für Schüler mit 150 Euro fördern will...+
Als Sachwerte oder als Finanzunterstützung? Bei letzteren bleibt am Ende nur die Frage: Wird wirklich ein Computer von diesem Geld angeschafft? In vielen Familien gibt es mehr finanzielle Engpässe als das es sich Politiker vorstellen können. Woran das liegt muss wohl nicht näher "beleuchtet werden" (Nur mal am Einkommen der einzelnen Menschen bewertbar)