Breitband-Ausbau Wo nur die Spinnen sicheres Netz haben

Schnelles Internet – darüber verfügen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen nur rund die Hälfte der Haushalte im ländlichen Raum. Besonders in der Corona-Pandemie mit Homeoffice und -schooling sorgt das für Probleme.

Computer-Nutzer 2012 in einer Wohnung, Internetverbindung über W-Lan-Router
Hoffen auf Anschluss: Frauensee in Thüringen gilt in Sachen Internetverbindung als "weißer Fleck". Bildrechte: imago/Jochen Tack

Arbeiten im Home-Office, Lernen zu Hause oder auch einfach mal einen Film streamen – ohne schnelles Internet geht das nicht. Doch in vielen Teilen von Mitteldeutschland steht das nicht zur Verfügung – dabei war es schon seit Jahren angekündigt. In der derzeitigen Corona-Pandemie ist es nun für  viele Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen besonders schwer, damit zu leben, digital abgeschnitten zu sein.

"Ich stehe früher auf", sagt Toni Wohlfarth. Der Familienvater wohnt im Westen Thüringens. Doch da er in Frauensee derzeit im Home-Office sitzt, muss er sich das Internet mit seinem Sohn teilen. "Ich fange teilweise um 6 Uhr an, damit ich die erste Runde Arbeit hinter mir habe, wenn sich mein Sohn um 9 Uhr einloggen will." Nur auf diesem Weg gelangt er an die Schulaufgaben.

Arbeiten von zu Hause mit Ein-Megabit-Leitung

Homeschooling
Keine leichte Aufgabe: Lernen zu Hause kann für Kinder und Eltern anstrengend sein. Bildrechte: imago images / Ritzau Scanpix / Unger Anthon

Über Wochen saßen alle Schüler zu Hause – und haben nur über das Internet an der Schule teilnehmen können. Bis zu 50 Prozent aller Beschäftigten könnten während des Lockdowns von zu Hause gearbeitet haben. Zu dieser Einschätzung kommt der Digitalverband Bitkom. Eine Studie der Universität Mannheim geht von etwa 25 Prozent aus. Wie viele es genau waren, ist unklar. Fest steht, es betrifft viele Menschen. Einige mussten dies trotz der zusätzlichen Belastung durch die Betreuung der eigenen Kinder leisten. Da kann ein lahmer Internetanschluss schnell den letzten Nerv kosten.

"Eine absolute Katastrophe", sagt Philipp Ißbrücker, der seit zwei Monaten ebenfalls in Frauensee im Home-Office sitzt. Der Mediengestalter betreut den Online-Auftritt einer Stadtverwaltung.

Ich muss relativ schnell mit Bildern und Videos arbeiten und agieren. Das ist so nicht möglich.

Philipp Ißbrücker Mediengestalter im Home-Office

Nicht einmal ein Megabit hat er zur Verfügung, wie ein Geschwindigkeitstest zeigt. Um effektiv arbeiten zu können, bräuchte er eine Leitung mit mindestens 50 Mbit pro Sekunde – also sogenanntes schnelles Internet.

Seit 2009 versprochen: Schnelles Internet für alle

Der 600-Seelen-Ort Frauensee gilt sogar als "Weißer Fleck" – dort ist das Internet besonders langsam. Doch nicht nur dieser Ort in Mitteldeutschland hat Probleme mit dem Internetanschluss: So verfügten, laut dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Ende 2018 in Sachsen nur 47,6 Prozent der Haushalte im ländlichen Raum über ein schnelles Internet  in Sachsen-Anhalt 47,9 Prozent, in Thüringen 69,4 Prozent. Dazu muss angemerkt werden, dass etwa in Sachsen rund zwei Drittel aller Menschen im ländlichen Raum leben – also die Mehrheit.

Dabei hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits 2009 versprochen: "Unser Ziel: bis 2010 jedem Haushalt die technische Voraussetzung dafür zu schaffen, dass man solch einen Breitbandanschluss auch wirklich betreiben kann." Doch der Ausbau geht bis heute nur schleppend voran.

Videotelefonie nur ohne Video möglich

Ein Mitarbeiter der Deutschen Telekom mit Glasfaserkabeln
Die Telekom hat schon 2016 versprochen, für eine schnellere Leitung in Frauensee zu sorgen. Bildrechte: imago/bonn-sequenz

Also versuchen die Menschen in Frauensee eigene Lösungen zu finden. Geschäftsmann Tobias Rug hat fast 300 Euro in Technik investiert. Damit kann er das Signal eines fünf Kilometer entfernten Funkmasten abgreifen. "Bei gutem Wetter und entsprechender Windlage kriegen wir auch mal 20 Mbit. Aber die haben keine Konstanz."

Der Funkmast befindet sich auf dem Krayenberg. Er versorgt die Umgebung mit Handyempfang und mobilen Daten. Doch diese Funkzelle ist schnell überlastet. Für den technischen Vertriebsleiter einer großen Firma, der mit seinen Kunden täglich in Kontakt treten muss, ist das höchst ungünstig. An Videokonferenzen könne Tobias Rug nicht mit der Webcam teilnehmen. Der Ton sei immer wieder abgehackt. "In Zeiten von Corona merkt man schon, dass genau diese Lösung eben an ihre Grenzen kommt."

In dem Ort in West-Thüringen liefern für meisten Bewohner immer noch veraltete Kupferkabel die Internetdaten. Nach Recherchen von MDR exakt hat die Telekom bereits 2016 erklärt, hier für eine schnellere Leitung zu sorgen. Warum das bis heute nicht passiert ist: Das Unternehmen antwortet trotz mehrfacher Nachfrage nicht.

Doch damit geht immerhin das Versprechen des Karnevalsvereins in Erfüllung: "Seien sie sich sicher, bei uns haben nur die Spinnen Netz", heißt es in einem ironischen Film, der für "Entspannung in Frauensee" wirbt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 13. Mai 2020 | 20:15 Uhr

2 Kommentare

Leachim-21 vor 19 Wochen

wenn man hier lesen muss das seit 2009 schnelles Internet versprochen wurde , muss man sich Fragen warum nichts getan wird und wer dafür die Verantwortung trägt. denn wenn man sieht das die Oststaaten noch vor uns liegen und die Anbieter hier dort Tochtergesellschaften haben , kann man an der Aufrichtigkeit der Firmen zweifeln. auch beim Preis zeigt sich ein großer Widerspruch würde ich sagen. bis heute habe ich nur eine Firma gefunden die das was Sie anbietet auch liefert und zwar ohne Drosselung .

CrizzleMyNizzle vor 19 Wochen

"Wo nur die Spinnen sicheres Netz haben"
wunderbar! :)