Kaltes Wasser gegen Corona? Kaum warmes Wasser in Sachsens Schulen

Der Schulbetrieb steht und fällt während der Corona-Pandemie damit, ob die Hygieneregeln eingehalten werden können. Priorität hat dabei das regelmäßige Händewaschen. Aber an vielen Schulen in Sachsen kommt nur kaltes Wasser aus der Leitung. Ist das ein Problem?

Waschbecken in einem Klassenzimmer
Mit Seife hilft auch Kaltwasser gegen Coronaviren. Bildrechte: dpa

Der Gedanke liegt nah: Warmes Wasser hilft beim Händewaschen besser gegen Viren. Wenn man Wasser keimfrei machen will, kocht man es ja schließlich auch ab. Etwas in der Art hat wohl auch die Mutter eines Chemnitzer Grundschulkindes gedacht, die sich an MDR AKTUELL gewandt hat. Ihr Sohn hatte ihr erzählt, dass in seiner Schule nur kaltes Wasser aus der Leitung komme. Die Mutter ist der Sache nachgegangen und schnell stellte sich heraus, dass das in allen Chemnitzer Schulen so ist.

Warmwasser ist kein Schul-Standard

Mit Ausnahme der Grundschulen ist warmes Wasser auch in Dresdner Bildungseinrichtungen Mangelware. Für die Bereitstellung von Warmwasser gebe es keine gesetzliche Grundlage, teilte die Stadtverwaltung MDR AKTUELL schriftlich mit. Das sei keine Ausnahme, stellt Uschi Kruse, Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW in Sachsen, fest. Es sei nicht außergewöhnlich, dass es an Schulen nur kaltes Wasser gebe. Das dürfe an vielen Schulen in Sachsen Standard sein.

Einen genauen Überblick habe keiner, sagt Kruse: "Aber ich gehe davon aus, dass die Schulträger das gemacht haben, was grundsätzlich geregelt ist, nämlich, dass es Wasserhähne gibt. Der Einbau von zusätzlichen Boilern etc. würde natürlich auch eine ganze Menge Geld kosten." Verwunderlich sei das also nicht, folgert Kruse.

Seife ist wichtiger als heißes Wasser

Es verwundert aber ebenso wenig, dass sich Eltern deswegen Sorgen machen. Diese Sorgen sind aber unbegründet. Die Corona-Erreger sind zwar nicht hitzestabil. Um sie abzutöten, müsste das Wasser aber so heiß sein, dass auch wir uns die Hände verbrühen würden. Die Temperatur des Wassers ist also nicht entscheidend.

In der ersten Ausgabe seines Corona-Kompasses bei MDR Aktuell hat der Virologe Alexander Kekulé erklärt, dass Händewaschen mit Seife reiche. Denn die Viren trügen eine Art Fetthülle. Das könne man sich so ähnlich vorstellen wie Fettbläschen, die manchmal im Spülwasser sind. "Und wenn man da ein bisschen Spülmittel dazu gibt, dann verschwinden die schlagartig. Und so platzen auch diese Viruspartikel schlagartig, sobald sie irgendwie mit einem Spülmittel in Kontakt kommen", betonte Kekulé.

Wasserhähne an Schulen kaum ausreichend

Die Schülerinnen und Schüler können sich also bedenkenlos auch mit kaltem Wasser die Hände waschen. In den Sommermonaten ist das vielleicht sogar eine willkommene Erfrischung. Im Winter könnte es aber zu einem Problem werden, sagt die GEW-Landeschefin Uschi Kruse: "Die Frage, 'Ist das warmes oder kaltes Wasser?', wird sich dann stellen. Momentan habe ich den Eindruck, dass an den Schulen die Situation gut bewältigt wird, dass relative Ruhe eingekehrt ist." Aber man habe den Eindruck, es könne die Ruhe vor dem Sturm sein. Ganz klar sei, dass man Kinder viel besser dazu anhalten könne, sich regelmäßig die Hände zu waschen, wenn warmes Wasser aus dem Hahn laufe, sagt Kruse.

Aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW sei letztlich aber gar nicht so wichtig, wie warm oder kalt das Wasser aus den Hähnen kommt. Viel wichtiger seien die Wasserhähne selbst. Davon gebe es an den Schulen nämlich viel zu wenige, sagt Kruse. Die Anzahl sei für den Normalzustand ausgelegt. In Pandemiezeiten müssten aber alle Kinder regelmäßig Hände waschen – und dafür reichten die Kapazitäten nicht aus.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. September 2020 | 05:00 Uhr

4 Kommentare

Arbeitende Rentnerin vor 9 Wochen

Natürlich kostet warmes Wasser Geld, bei uns wurde auch aus diesem Grund vor Jahren schon die Warmwasserleitung gekappt, Wiedereinrichtung geht nicht so schnell. Da werden sich die Kinder, zumindest die aufgeweckten, so ihre Gedanken machen, sie werden belehrt, auch in Grippezeiten wäre Hygiene nicht falsch, Geld kann man natürlich nur einmal ausgeben, entweder für das Wichtigste, was wir haben oder für andere.

Horst1 vor 9 Wochen

für unsere Schulen und andere heruntergekommene Einrichtungen hat das angebliche reiche Deutschland kein Geld übrig? An anderer Stelle wird das Geld mit vollen Händen herausgeworfen und trotz heroischer Schulden wird weiter Geld in Größenordnungen gedruckt!

mensrea vor 9 Wochen

Und das ist einer der Gründe, warum viele Menschen skeptischen waren und es auch noch sind, als esum die Hygienekonzepte in den Schulen ging. Hochfliegende Pläne, die aber oft durch die Infratsruktur konterkariert werden. Fenster, die sich nicht öffnen lassen oder laut Schuldordnung geschlossen bleiben müssen. Räume, in denen kein Platz ist. Klassen, die man immer noch auf 28 Kinder aufstockt (siehe Klassenräume). Unsere Schulen sind (selbst wenn das Gebäude neu ist) in so einem schlechten Gesamtzustand, dass ich nur hoffe, dass aus der Coronapandemie die Erkenntnis hervor geht, Bildung muss ohne Wenn und Aber besser finanziert werden. Eigentlich sogar noch vor der Polizei oder dem Straßenbau, wenn die Kassen knapp sind.