Therapieberufe Therapeuten beklagen unzureichenden Schutz in Corona-Krise

Fast zwei Drittel der Therapeuten fühlen sich laut einer Befragung für ihre Arbeit in der Corona-Krise unzureichend geschützt. Dabei fehle es in den Praxen vor allem an Atemschutzmasken oder Desinfektionsmitteln.

Fast zwei Drittel der Therapeuten in Deutschland fühlen sich für ihre Arbeit in der Corona-Krise unzureichend geschützt. Das hat eine Online-Befragung der "TAL gGmbH" ergeben, ein gemeinnütziges Unternehmen, das Analysen und Befragungen im Gesundheitswesen durchführt. Laut der Umfrage fehlt es in den Praxen von Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten vor allem an Material wie Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel oder an notwendigen Informationen.

Symbolfoto zum Thema Corona-Pandemie, Covid-19 - Eine Frau traegt eine FFP2 Atemschutzmaske.
Die Therapeuten beklagen, dass es ihnen an Material zum Schutz fehle. Bildrechte: dpa

So fühle sich zwar über die Hälfte der Therapeuten hinreichend informiert, doch könnten die Schutzmaßnahmen ohne entsprechende Materialien nicht eingehalten werden. 16 Prozent gaben an, nicht genügend über die Notwendigkeit von Schutznahmen oder deren konkrete Umsetzung zu wissen. Um Informationen zum Patienten- und Eigenschutz zu erhalten, suchten viele der Therapeuten Kontakt zu den Gesundheitsämtern. Dabei stellen sie in der Befragung den Ämtern ein schlechtes Zeugnis aus. Fast ein Drittel bezeichnet die Zusammenarbeit mit den Gesundheitsbehörden als mangelhaft. Neun Prozent ist eine Kontaktaufnahme gar nicht gelungen.

Physiotherapeuten als systemrelevant eingestuft

Volker Brünger, Geschäftsführender Gesellschafter der "TAL gGmbH", der selbst Physiotherapeut und Gesundheitsökonom ist, sagt dazu: "Die Therapieberufe werden in der Versorgung nicht mitgedacht. Sie werden zwar pauschal bei den versorgungsrelevanten Berufen benannt, dann aber in den Organisationsstrukturen vergessen. Dieses Problem ziehe sich wie ein roter Faden angefangen vom Bundesministerium für Gesundheit über sämtliche Strukturen der Selbstverwaltung und die Landesbehörden bis hin zu den regionalen Gesundheitsbehörden. Das betrifft in der Krise auch finanzielle Hilfen."

Wenn Therapeuten aus finanzieller Not auf Schutzmaßnahmen verzichten müssen, dann führt das unser gesamtes Krisenmanagement ad absurdum.

Volker Brünger Physiotherapeut und Gesundheitsökonom

Die Therapeuten können und müssen ihrer Arbeit nach wie vor nachgehen, da diese als systemrelevant eingestuft worden sind. An der Online-Befragung nahmen in drei Wochen über 6.000 Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten teil.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR exakt | 01. April 2020 | 20:15 Uhr