Regeln für Stadt und Land Wird die Pandemie in den Metropolen entschieden?

Je mehr Menschen sich auf einem Fleck befinden, wie in einer Großstadt, desto leichter hat es das Coronavirus. Dementsprechend hat Peter Tschentscher, Hamburgs Erster Bürgermeister, diese Woche im ZDF gesagt, die Pandemie werde in den Metropolen entschieden. Es kommt aber auch auf das Verhalten jedes Einzelnen an. Egal, ob Stadt- oder Landbewohner.

Ein Automat für Corona-Schutzmasken steht auf einem Bahnsteig an der U-Bahn-Station Turmstraße im Stadtteil Moabit
Volle Züge und überfüllte Plätze sind in Großstädten nicht selten. Bildrechte: dpa

Auf die Frage, ob sich Dresdner, Leipzigerinnen oder Hallenser in größerer Gefahr befinden, sich mit Covid-19 anzustecken, als Menschen auf dem Land, antwortet der Jenaer Epidemiologe André Scherag mit einem ganz eindeutigen Jein. Dem Professor zufolge stellen Großstädte natürlich einen Hub dar, in dem sehr viele Menschen zusammenkommen inklusive der Möglichkeit, ein Superspreader-Event zu kreieren.

Geringe Unterschiede zwischen Stadt und Land

Dazu komme, dass sich das Virus schnell in der Fläche verteile, wenn sich viele Personen durch diese Großstädte bewegten, erklärt Scherag. Das habe aber nicht per se etwas mit dem Typ der Stadt zu tun, wie lokale Ausbrüche in den vergangen Monaten bewiesen hätten, betont der Epidemiologe Scherag: "Sie bräuchten nur eine größere, private Veranstaltung, wo vielleicht eine Person, die gerade aus dem Urlaub gekommen ist, das Ganze reinträgt."

Das zeigt auch die Internetseite "Corona Regional", die das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung aufgesetzt hat. Man kann dort ablesen, wie viele Infektionen seit Beginn der Pandemie pro 100.000 Einwohner jeweils vor Ort gemeldet wurden. Allzu stark unterscheidet sich die Lage in ländlichen Gebieten und Großstädten beim Blick auf die relativen Zahlen nicht.

Bereitschaft, sich an Regeln zu halten, entscheidend

Und weil das so sei, wiege man sich zum Beispiel in Thüringen auch nicht in Sicherheit, bestätigt Gesundheitsministerin Heike Werner. Auch in Thüringen gebe es Infektionsherde, etwa in Pflegeheimen oder nach privaten Feiern. Insofern müsse man dort genauso aufpassen, betont Werner: "Deswegen glaube ich nicht, dass das in den großen Städten entschieden wird, sondern wir alle gemeinsam können entscheiden, ob es zu einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen kommt oder nicht."

Das sieht auch eine Großstädterin mit Verantwortung für den Bereich Infektionsschutz so. Laut der Dresdner Bürgermeisterin für Gesundheit, Kristin Klaudia Kaufmann, sind die Herausforderungen in einer Großstadt mit stark frequentierten Bussen und Bahnen punktuell größer. Aus ihrer Sicht hängt die Verbreitung des Virus trotzdem nicht in erster Linie von der Größe einer Stadt ab, "sondern wirklich auch von dem Bewusstsein der Einzelnen, was Corona bedeutet und bedeuten kann und inwieweit man bereit ist, sich an die Regeln zu halten."

Folgerichtig müssen die Regeln überall gleich sein, sagt der Epidemiologe André Scherag. Also sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Die Regeln könne man dann natürlich in Abhängigkeit des jeweiligen Infektionsgeschehens vor Ort anwenden, sagt Scherag.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 09. Oktober 2020 | 06:21 Uhr

87 Kommentare

Erichs Rache vor 14 Wochen

@Peter

Hier "blüht" nur Ihre Phantasie!
Bodo Ramelow rechnete mit 60.000 Infizierten auf rd. 2 Millionen Einwohner Thüringens; das wären dann nach pessimistischer Schätzung rd. 2,5 Millionen Infizierte auf rd 83 Millionen Einwohner Deutschlands gewesen. WIE diese hohe Infizierten-Zahl hätte passieren sollen ist mir bis heute noch ein Rätsel! Es sei denn, man veranstaltet Ringelpiez mit Anfassen.

Wieviel NICHTahnung darf man als "Politiker" eigentlich haben???

Peter vor 14 Wochen

pepe79, mehr als 50% der invasiv beatmeten Corona-Patienten und 25% der auf Intensivstationen behandelten Corona-Patienten (Quelle: DIVI Intensivregister) sterben leider nach wie vor.
Wir sind leider weit davon ertfernt, den schwer erkrankten Patienten wirklich zu helfen.
Die Zahlen sind eindeutig: Mehr Infektionen bedeutet mehr Patienten mit schweren Verläufen, bedeutet mehr Tote. Leider.
Und nun stellt sich die Frage: Wo und wie beginnen wir, die Zahl der Toten zu begrenzen.

pepe79 vor 14 Wochen

Die Sterblichkeiten beziehen sicv vorallem auf die Zahlen vom Frühjahr wo es die meisten Toten gab. Daher ist die Rechnung verzerrt. Es gilt zu vetücksichtigen das ca 1/3 der Toten infolge eines Embolischen Ereignisse (Lungenembolie usw...) gestorben sind. Daraus wurde gelernt und die Menschen werden eher Blutverdünnt ("Thrombosespritzen" ) als noch im Frühjahr. Inzwischen werden die Erkrankten deutlich eher entdeckt und auch die schwereren Verläufe. Mit den früheren Therapiebeginnen sinkt die Sterblichkeit ebenfalls
All das wird leider immer vrgessen.Genauso wie im Sommer schon bekannz war dass es die meisten Neuinfektionen im privaten Umfeld gibt. Wenn wundert dann jetzt der Anstieg im privaten Bereich wo sich das Leben von drau§en nach innen verlagert? Daher hat die Maske im öffentlichen Bereich auch nur einen geringen Zusatznutzen.