Angst vor Ansteckung Rassismus aus Angst vor dem Virus?

Studierenden aus Japan bleibt ein RB-Leipzig-Spiel trotz Karten verwehrt, chinesische Musikstudenten sollen die Aufnahmeprüfung verschieben: Aus Angst vor dem Corona-Virus kommt es auch offebar auch zu Diskriminierungen.

Zuschauer in einem Stadion
Die hier so friedlich wirkende Red-Bull-Arena in Leipzig wurde am 1. März zur Kulisse eines Diskriminierungsfalls - aus Angst vor Corona. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Worte "Love, Peace and Rasenball" zierten die Ränge des Leipziger Stadions, in dem RB Leipzig am 1. März auf Leverkusen traf. Doch für eine Gruppe Studierender aus Japan sollte die Partie vorbei sein, bevor sie begonnen hatte. Einige von ihnen waren schon am Eingang abgewiesen worden. Andere wurden kurz nach Betreten des Stadions wieder der Plätze verwiesen. Aus Angst vor Corona.

Wegen seiner Nationalität unter Generalverdacht

Studentinnen
"Das war schon ein bisschen traurig", sagen uns zwei der vom Rauswurf aus dem Stadion betroffene Studierenden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Studierenden waren Teilnehmer eines Intensivkurses über Sportmotorik und Trainingswissenschaft. Der Besuch im Stadion war Teil des Kurses, den Christian Hartmann als Dozent mit betreut. Er wurde so auch Zeuge der unschönen Szene. Ein Mitarbeiter der Securityfirma habe ihm mitgeteilt, dass die ganze Gruppe das Stadion verlassen solle.

Christian Hartmann, Dozent für Sportmotorik
Christian Hartmann, Dozent für Sportmotorik, wurde als Betreuer der Gruppe Zeuge des Vorfalls. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es wurde Bezug genommen auf eine Anweisung. Gesagt wurde nicht, von wem", erinnert sich Sportdozent Hartmann. Es sei ausdrücklich hingewiesen worden auf eine Gefährdungslage im Zuge des Coronavirus. Hartmann habe dem Mann entgegnet, dass das Spiel nicht abgesagt worden sei. Doch die Gruppe musste die Sportveranstaltung verlassen. (Anmerkung der Redaktion: RB Leipzig hat sich später für den Vorfall bei den Studierenden aus Japan entschuldigt und sie zu einem Auswärtsspiel nach Wolfsburg mitgenommen.)

Diskriminierung - aus "Angst vor Ansteckung"

Tenor Juntao Ye
"Allen Bewerbern aus der Volksrepublik China" sei die Teilnahme an der Aufnahmeprüfung verwehrt worden, sagt Tenor Juntao Ye. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Juntao Ye bekam die derzeitige "Coronaangst" zu spüren und wurde wegen seiner Nationalität diskriminiert. Der 26-jährige Chinese durfte nicht wie geplant am 13. Februar an der Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin teilnehmen. Per Mail sei ihm abgesagt worden. "Alle Bewerber aus der Volksrepublik China" seien in der gleichen Form informiert worden, dass sie nicht zur Aufnahmeprüfung gehen könnten, sagt er MDR-exakt. "Die Hochschule möchte allen Bewerber*innen die Möglichkeit geben, an den Zugangsprüfungen ohne Angst vor Ansteckung teilzunehmen", heißt es in der besagten Ankündigung der Hochschule.

Tenor Juntao Ye, der an der Hochschule Hans Eisler sein Gesangsstudium fortsetzen wollte, kann das nicht nachvollziehen. Schon fast zwei Jahre lebe er in Berlin, erklärt er MDR-exakt. In Italien sei er nicht gewesen. Juntao Ye hatte deswegen auch Widerspruch gegen die Absage eingelegt. Die Hochschule erklärte ihm daraufhin, er könne die Prüfung im Juni nachholen.

Sarah Wedl-Wilson, Rektorin der Hochschule Hanns Eisler
Sarah Wedl-Wilson, Rektorin der Hochschule Hanns Eisler, erklärt, als kleine Hochschule fehlten ihr Möglichkeiten zur genaueren Überprüfung. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Sarah Wedl-Wilson, Rektorin der Hochschule Hanns Eisler, verteidigt die Generalabsage für Studierende aus China gegenüber MDR-exakt. "Wir sind eine kleine Hochschule, wir haben nicht die Möglichkeit die Dinge so grundlegend zu überprüfen, wie das vielleicht an anderen Orten möglich wäre", sagt sie. Man ermögliche es den Bewerbern aus der Volksrepublik China, später zu kommen. Und man schütze damit zugleich auch "diejenigen, die hierher angereist sind aus anderen Ländern".  Man wolle diesen so die Sicherheit geben, „dass sie sich hier nicht anstecken“.

Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes spricht von mehreren Vorfällen

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin erfasst seit einigen Wochen vermehrt Vorfälle, bei denen Menschen mit asiatischem Aussehen diskriminiert werden.

Bernhard Franke, Leiter Antidiskriminierungsstelle des Bundes
Bernhard Franke, Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, verzeichnet vermehrt Diskriminierungsvorfälle aufgrund der Corona-Angst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Mann mit chinesischer Herkunft sei in einer Arztpraxis abgewiesen worden, obwohl er nicht wegen des Verdachts auf Corona in der Praxis war und auch keine dem neuen Virus ähnlichen Symptome aufwies, sagt  Bernhard Franke, der Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, gegenüber MDR-exakt. "Wir hatten eine chinesische Studentin, der wurde eine Absage bei einer Wohnungsbewerbung gegeben -  mit der lapidaren Begründung: 'Ich will kein Corona in meinem Haus'", schildert Franke einen weiteren Diskriminierungs-Fall.

MDR-Schwerpunkt: Das neue Coronavirus
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 11. März 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. März 2020, 11:58 Uhr