Verschärfungen wegen Corona Ausgangsbeschränkung: Leere Straßen, verschlossene Läden in Leipzig

Bund und Länder verschärfen die Schutzmaßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Sachsen legt noch eine härtere Gangart ein. Seit der Nacht zu Montag gelten Ausgangsbeschränkungen. So dürfen die Menschen vorerst nur noch allein, in Begleitung des Partners oder mit Angehörigen des eigenen Haushalts das Haus verlassen. Die Maßnahmen treffen mehrheitlich auf Verständnis.

Leipzig - leere Innenstadt
Zum Start in die neue Woche waren nur vereinzelt Menschen auf den Plätzen in Leipzig zu sehen. Auch der Gang auf den Wochenmarkt ist in Sachsen ab sofort nicht mehr erlaubt (Archivbild). Bildrechte: MDR/Moritz Arand

So still ist es in der Leipziger Innenstadt an einem Montag sonst nie. Kaum Passanten, ab und zu das Piepsen der parkenden Lieferwagen und das Rauschen des Windes, keine Straßenmusiker, vereinzelt ein paar Berufstätige, die für ihre Mittagspause nach draußen kommen.

Leipzig steht still

Fast alle sind allein unterwegs – eine junge Frau zum Beispiel, die einen Kinderwagen vor sich herschiebt. Sie erzählt angesichts der neuen Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie, dass sie ihre Mitmenschen schützen will. "Wir haben uns tatsächlich schon vorher an die Ausgangssperre gehalten. Wenn sich alle dran halten, umso schneller haben wir es geschafft. Ich denke da auch an meine Freunde, die selbständig sind. Ich will, dass die schnell wieder zur Arbeit können."

Absperrlinien auf dem Fußboden in einer Drogerie
Einkaufen in Zeiten von Corona: Um die Ansteckungsgefahr für Kunden und Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten, zeigen Klebebänder am Boden an, wo die Kunden stehen sollen. Bildrechte: MDR/Kalina Bunk

Auch die Karl-Liebknecht-Straße, die Hauptverbindung in die südlichen Stadtteile, wirkt nach den neuen Ausgangsbeschränkungen leer gefegt. Die Läden geschlossen, keine Autoschlangen an den Ampeln. Vor einer Drogerie stehen verstreut ein paar Menschen und warten, dass der Security-Mitarbeiter sie mit dem nächsten Schub hineinlässt.

Eine Frau trägt ihren zweijährigen Sohn auf der Schulter. Auch sie hat Verständnis für die Regeln: "Jeder selbst möchte für sich Gesundheit, jeder wünscht sich Gesundheit – nicht nur einmal im Jahr zum Geburtstag."

Ich finde die Maßnahmen gut, weil man doch schon sehr oft in den Nachrichten gehört hat, dass sich viele Gruppen da nicht dran gehalten haben. Ich finde es verantwortungslos, wenn man so lapidar damit umgeht.

Passantin in Leipzig

Familien dürfen maximal zu fünft auf die Straße

Die Kundin selbst arbeitet als Erzieherin und wechselt sich mit ihrem Mann bei der Betreuung des Sohnes ab, sagt sie. Eine andere Frau kommt mit vier Kindern vorbei. "Es sind alles meine Kinder. Ich hatte schon befürchtet, dass mich jemand anspricht und fragt, ob ich mit so vielen Kindern unterwegs sein kann. Die gehören alle zu mir. Wir sind auf dem Weg zum Fockeberg und machen das schon die ganze letzte Woche so, dass wir am Vormittag im Wald unterwegs sind, denn die Kinder müssen einfach an die frische Luft, und wir dann nachmittags was für die Schule machen."

Ein paar Meter weiter klebt am Schaufenster einer Buchhandlung ein Zettel, der erklärt, warum das Geschäft zu bleibt. Hinter der Scheibe liegen Reiseführer für Polen, Israel, Frankreich aus – und ein Buch mit dem Titel "Fernweh". Ein skurriles Bild in diesen Zeiten, in denen die Grenzen weitestgehend geschlossen sind.

Zwang zum Daheimbleiben umstritten

Ein junger Mann schlendert über die Straße. Er findet die massive Einschränkung der Grundrechte bedenklich – zumal die Regierung kaum abgewartet habe, was die ersten Maßnahmen bewirkten, meint er. "Ich finde, dass das ein arger Eingriff in die Verfassung ist. Also so richtig heiß finde ich das nicht."

In den Parks sind vereinzelt Jogger unterwegs. Eine Mitarbeiterin der Bundesbank führt ihren Hund Gassi. Sie ist sich unsicher, wie sie die neuen Maßnahmen bewerten soll, sagt sie – solange viele Menschen weiterhin mit Kollegen und Kunden Kontakt hätten. Prinzipiell hält sie es aber für richtig, erstmal auf Abstand zu gehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. März 2020 | 17:24 Uhr