Bundesagentur für Arbeit Datenhändler missbrauchen Online-Jobbörse

Die Online-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit wird für den illegalen Handel mit Daten von Jobsuchenden missbraucht. Nach SWR-Recherchen werden fiktive Jobangebote gemacht und die Daten der Bewerber weiterverkauft.

Die Online-Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit wird in großem Stil für den illegalen Handel mit Daten von Jobsuchenden missbraucht. Nach SWR-Recherchen werden dabei fiktive Jobangebote gemacht und die Daten von Bewerbern dann weiterverkauft.

Ein Mann aus Berlin und zumindest ein weiterer Verdächtiger boten demnach in vielen gefragten Berufen deutschlandweit täglich bis zu 3.000 Stellen an. Die Bewerber werden aufgefordert, Lebenslauf und Zeugnisse an eine E-Mail-Adresse zu schicken.

Auf SWR-Nachfragen per Mail gab es eine standardisierte Antwort mit Bitte um Erlaubnis, die Bewerbung an "interessierte Geschäftspartner" des Hauses weiterzuleiten.

Reporter decken Datenhandel auf

Die Reporter verschickten an diese Firmen Test-Bewerbungen. Daraufhin meldet sich eine Zeitarbeitsfirma, bei der sie sich gar nicht beworben hatten. Die Zeitarbeitsfirma erklärte, die Bewerber-Daten von einem Vertragspartner erhalten zu haben – eine der Firmen des Verdächtigen aus Berlin.

Außerdem gaben sich die SWR-Reporter als Unternehmer aus, die Bewerber-Daten kaufen wollten. Der Verdächtige bot ihnen telefonisch vollständige Bewerbungsmappen zum Kauf an – etwa für rund drei Euro je Datensatz oder eine "Flatrate" für monatlich 3.000 bis 5.000 Bewerberdaten.

Die Journalisten schlossen einen Vertrag ab und erhielten danach mehrmals täglich vollständige Bewerbungsunterlagen mit Lebenslauf, Schul- und Arbeitszeugnissen. Kontaktierte Bewerber gaben an, sie seien darüber nicht informiert worden.

Datenschützer sieht Straftat

Dieser Datenhandel verstößt gegen die Nutzungsbedingungen der Jobbörse. Die BA weist darauf hin, dass das Aufbauen sogenannter "Bewerberpools" verboten sei. Zu jedem Jobangebot müsse es auch eine Stelle geben.

Der baden-württembergische Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Stefan Brink, sieht einen klaren Verstoß gegen Datenschutzgesetze. Die Weitergabe und der Verkauf von Bewerbungsunterlagen seien streng verboten. Vor einer Weitergabe der Daten müssten die Bewerber informiert werden und ihre Zustimmung erteilen.

Hier reden wir nicht mehr nur von Bußgeldern, die in so einem Fall bis zu 20 Millionen Euro betragen können, sondern von Straftaten.

Verdächtiger bestreitet Vorwürfe – BA sieht keinen Handlungsbedarf

Der Hauptverdächtige aus Berlin stritt auf Nachfrage alle Vorwürfe ab. Die Bundesagentur für Arbeit teilte schriftlich mit, ihr lägen keine Hinweise über Missbrauch durch Datenhändler vor. Angesichtes der vielen Stellenangebote könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Stellenangebote gefälscht seien.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Jessica Tatti betont, dass es bereits seit zehn Jahren Hinweise zu Datenmissbrauch bei der Jobbörse der Arbeitsagentur gebe. Auf eine kleine Anfrage antwortete die Bundesregierung damals: Die BA sehe keine Verbesserungspotentiale.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 02. Mai 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2019, 17:41 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

04.05.2019 14:38 Kritischer Bürger 4

@Thomas T. 3: +....Im Übrigen erfolgt der allergrößte Teil der Kontaktaufnahmen sowieso anonymisiert. Das kann jeder Bewerber so festlegen. Da kann der Arbeitgeber noch gar nichts abgreifen....+
In so weit richtig nur vergessen Sie das dann ein anonymisiertes Schreiben (Bewerbung, Lebenslauf usw.) schon von vorn herein klar stellt: An Herrn/Frau Anonym wird keine Arbeitsstelle vermittelt. Somit erledigt sich das Abgreifen für ArbG von selbst! Lassen Sie sich dies von jemanden schreiben, der wie ich lange mit ArbL und deren Eigeninitiative zwecks Vermittlung, wie Hilfestellung zu tun hatte.

04.05.2019 11:43 Thomas T. 3

Was ist passiert?
Jemand hat vorsätzlich gegen die Nutzungsbedingungen der Jobbörse verstoßen. Damit könnte er kriminell gehandelt haben. Das kann natürlich auch in jedem anderen Jobportal passieren - und passiert vermutlich auch. Kein Betreiber kann garantieren, dass inserierte Stellen auch tatsächlich existieren. Wie naiv ist das denn?
Im Übrigen erfolgt der allergrößte Teil der Kontaktaufnahmen sowieso anonymisiert. Das kann jeder Bewerber so festlegen. Da kann der Arbeitgeber noch gar nichts abgreifen.

02.05.2019 19:34 Kritischer Bürger 2

+...Angesichtes der vielen Stellenangebote könne jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Stellenangebote gefälscht seien....+
Haben wir immer noch den 1.April?? Ich dachte nicht! Hier sollten rechtliche Fragen, glaubwürdige Angebote usw. in eine Hand liegen und NUR DIE STELLENANGEBOTE AUSSCHLIESSLICH ÜBER JOBAGENTUREN GEHEN!! Jedes Unternehmen, jeder ArbG hat sich mit seinem Stellenangebot an entsprechende Jobcenter zu richten und diese können bei erfolgreichen Vermittlungen entsprechende Provisionen einfordern! Es gibt doch so etwas wie einen Wettbewerb. Mit solcher Handhabung würde niemand einen solchen Betrug zum eigenen Vorteil überhaupt in die Überlegung kommen. AUCH die Bürger als Bewerber würden so sicherlich besser geschützt,das ihre Daten nicht weiter verkäuflich sein würden, ohne das diese Mitmenschen etwas als finanziellen Anteil vom Verkauf ihrer Daten hätten. Wer kann schon Privatwirtschaft grundlegend überprüfen in dieser heutigen dt. Gesellschaft?

02.05.2019 18:41 Querdenker 1

siehe „tagesschau Bundesagentur für Arbeit Wie Datenhändler die Jobbörse missbrauchen“

Zitat Arbeitsmarktexperte Sell: „Die Bundesagentur sieht natürlich überhaupt nicht genau hin, wer von den Arbeitgebern oder sogenannten Arbeitgebern dort Stellenangebote einstellt. Da zählt das Gesetz der großen Zahlen. Die Bundesagentur hat erstmal ein Interesse daran, dass möglichst viele Stellenangebote dort eingestellt werden."

Kreative Statistik vom Arbeitsamt + angeblich offene Stellen, die sich mutmaßlich als Kriminelle entpuppen. Parteien, die dafür mit verantwortlich sind, am besten abwählen.

siehe „welt Identitätsdiebstahl: Jobbörse der Arbeitsagentur eine Plattform für Betrüger?“

Zitat: „Öffentlich wurde die Masche bereits 2009. Ein Berliner Personalberatungsunternehmen hatte 2.500 fiktive Stellenangebote auf die Jobplattform der Bundesagentur gestellt, um so an die Daten möglicher Bewerber zu gelangen.“

Beim Arbeitsamt trifft man auf Fakezahlen und Fakejobs.