Grenze Bundesrepublik - CSSR 1968
Ein Bild von 1968 vom Grenzstreifen zwischen der einstigen ČSSR und Westdeutschland. Bildrechte: dpa

Deutschland | Tschechien DDR-Grenztote - Ermittlungen gegen Ex-ČSSR-Funktionäre

Vor der Wende hatten DDR-Bürger versucht, über die tschechoslowakische Grenze in die Bundesrepublik zu flüchten. Jetzt werden die Verantwortlichen für vier Todesfälle gesucht - von einem deutsch-tschechischen Ermittlerteam.

Grenze Bundesrepublik - CSSR 1968
Ein Bild von 1968 vom Grenzstreifen zwischen der einstigen ČSSR und Westdeutschland. Bildrechte: dpa

Deutsche Behörden haben gegen einstige hochrangige Staatsfunktionäre der früheren Tschechoslowakei Ermittlungen wegen mutmaßlichen Mordes an DDR-Flüchtlingen aufgenommen. Zu den 41 Verdächtigen gehören neben früheren Mitgliedern des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei auch Ex-Grenzsoldaten aus der einstigen ČSSR. Das gab die Staatsanwaltschaft Weiden und das bayerische Landeskriminalamt am Freitag bekannt. Verhöre habe es aber noch keine gegeben.

Grenzüberschreitende Ermittlungen

Polizisten und Staatsanwälte aus beiden Ländern waren am Donnerstag zu einem ersten Treffen zusammengekommen. Sie sollen grenzüberschreitend ermitteln, ob frühere tschechoslowakische Grenzsoldaten und Entscheidungsträger bis hinauf auf die höchste politische Ebene wegen der Tötung von Flüchtlingen aus der DDR strafrechtlich belangt werden können. Das Team war mit Hilfe der europäischen Justizbehörde Eurojust ins Leben gerufen worden.

Mageburger unter Todesopfern

Ausstellungstafel über Hartmut Tautz mit einem Foto des jungen Mannes
Der Magdeburger Hartmut Tautz hätte von den Grenzern gerettet werden können. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ermittelt wird in vier konkreten Fällen zwischen 1967 und 1986: Tschechoslowakische Grenzsoldaten hatten hier drei DDR-Bürger auf ihrer Flucht nach Westdeutschland und Österreich erschossen. Der aus Magdeburg stammende Jugendliche Harmut Tautz war bei seiner Flucht 1986 von einem abgerichteten Wachhund getötet worden. Statt ihm zu helfen, hatten die Grenzer versucht, den Schwerverletzten zu verhören. Erst zwei Stunden später wurde der Abiturient in ein Krankenhaus gebracht, wo er wegen des hohen Blutverlustes starb.

Prager Organisation treibt Aufklärung voran

Für die Betroffenen und Hinterbliebenen setzt sich die in Prag ansässige Organisation "Plattform of European Memory and Conscience" ein. Sie hatte im vorigen Jahr beim Generalbundesanwalt in den vier Fällen Anzeige erstattet. Die Plattform bekommt Gelder von der EU und vereint mehrere Institutionen aus 13 EU-Ländern, die zu früheren Verbrechen totalitärer Regime forschen. Während des Kalten Krieges verlief zwischen der Tschechoslowakei und der Bundesrepublik sowie Österreich ein Teil des "Eisernen Vorhangs".

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Juli 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juli 2019, 19:46 Uhr

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15 Kommentare

28.07.2019 18:56 Jörg 15

Als ehemaliger grenzer kann man bloß sagen es war nun mal Gesetz und wer es nicht einhielt wurde bestraft und mal ganz ehrlich wenn man im Dunkeln einen anspricht bleib stehen und er macht es nicht sondern kommt auf einen zu weiß man nicht was er will und am Ende heißt es er oder ich und jeder hat da Angst um sein Leben und jeder der grenzverletzer wusste was Gesetz war egal in welchem Land man die Grenze überwindet.

28.07.2019 15:53 Fragender Rentner 14

Was an den Grenzen wurde möglicherweise auch noch geschossen und es drohten harte Strafen?

Genau das kam auch nie im Westfernsehen oder kamen die alle aus dem ARD?

28.07.2019 11:23 Carolus Nappus 13

@MaP: Und Straftäter sind natürlich sofort an Ort und Stelle ohne Gerichtsverhandlung hinzurichten. Ich frag mich nur, warum das dann nicht konsequenterweise bei allen Straftätern in der DDR oder in den sozialistischen Bruderländern gemacht wurde.
Und wieso sollte der Grenzübertritt eines Deutschen nach Deutschland illegal gewesen sein? Welcher Drittstatt grenzt denn an Deutschland? Oder soll das heißen, dass die im Auftrag der DDR an der Grenze umgebracht worden. So blöd ist doch kein Staat der Welt, dass er sich sowas von einem anderen Staat in Bezug auf dessen Staatsangehörige vorschreiben lässt.

28.07.2019 07:51 kleinerfrontkämpfer 12

Gab es doch auch den Fall das bei Schüssen an der bay.-tschech. Grenze die Kugel bis nach Bayern flogen und einen BGS-Mann töteten.

27.07.2019 13:59 GRUEN UNSERE ZUKUNFT 11

nach 30 Jahren leben vllt. manche Täter nicht mehr oder haben andere Identität. Wer weis genau ob heute verurteilt wird, was damals unter kommunistischer Diktatur gesetzlich Rechtens war.
Vllt. können ja noch paar vor UNO Gericht gestellt werden

27.07.2019 13:39 Schneemann - lieber "rechts" als käuflich 10

Wer solche Artikel wie diesen verstehen will, sollte Orwells "1984" lesen.

Es ist schon erschreckend.

27.07.2019 09:02 jürgen 9

Für die Aufarbeitung dieser Vorgänge ist einzig und allein die Tschechische Republik verantwortlich.Die BRD sollte erst einmal ihre eigene Rolle richtig aufarbeiten.Heuchelei ist hier fehl am Platz.

27.07.2019 08:52 MaP 8

Wieso hat man dafür über 30 Jahre gebraucht? Die meisten Hauptverantwortlichen für die politische Situation des kalten Krieges leben schon nicht mehr. Außerdem ist die damalige tschechoslowakische Grenze anders zu behandeln als die innerdeutsche Grenze. Jeder Grenzübertritt über einen Drittstaat wäre damals eine Straftat gewesen.

26.07.2019 23:49 Franko54 7

ich frage mich, von was man wieder ablenken will, wenn wieder eine Randerscheinung aus Zeiten des kalten
Krieges herhalten muss, die zudem völlig aus dem Zusammenhang gerissen wurde.

26.07.2019 23:34 part 6

@ 2, manche Täter und Mittäter werden gar nicht erst wegen Mordes angeklagt, weil sie zur zur Tatzeit Politiker waren und Angriffe auf zivile Ziele zuließen, so wie in Jugoslawien. Wenn aber wie hier bei diesem Fall unterlassen Hilfeleistung vorliegt, dann greift auch der Befehlsnotstand nicht mehr.