Ein Praxisschild an einem Zaun. Das Wort "geschlossen" ist darüber geklebt.
Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung werden 2030 bundesweit allein mehr als 10.000 Hausärzte fehlen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Medizinische Versorgung Land sucht Arzt

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rechnet in den nächsten zehn Jahren damit, dass Tausende Hausärzte fehlen werden – vor allem im Osten. Denn viele Mediziner sind dann im Ruhestand. Welche Dimensionen hat der Ärztemangel wirklich? Welche Maßnahmen helfen langfristig? "exakt – Die Story" fragt nach.

Ein Praxisschild an einem Zaun. Das Wort "geschlossen" ist darüber geklebt.
Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung werden 2030 bundesweit allein mehr als 10.000 Hausärzte fehlen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Einmal im Monat sammelt André Gröpler in Loburg im Osten von Sachsen-Anhalt Senioren ein und bringt sie mit dem Taxi über die Landesgrenze – ins brandenburgische Belzig. Denn dort bekommen sie einen Termin beim Augenarzt – zu Hause nicht. Gröpler macht das schon seit Jahren. Die Hauptgründe: Ärztemangel und der demografische Wandel.

Patienten sind älter und brauchen öfter Termine

Rein zahlenmäßig gibt es heute in Deutschland etwa 100.000 Ärzte mehr als vor gut 20 Jahren. "Die Zahl der Patienten pro Arzt hat sich kaum geändert", weiß Ulf Zitterbart, Vorsitzender des Hausärzteverbandes in Thüringen. "Doch die Patienten sind im Schnitt älter und brauchen öfter einen Termin."

Ein Mann geht an einem Plakat mit der Aufschrift "Kommt ein Mann zum Arzt. Keiner da." vorbei.
Was sich wie ein Scherz liest, ist heute schon mancherorts Realität. Bildrechte: dpa

Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung werden 2030 bundesweit allein mehr als 10.000 Hausärzte fehlen. Schlimm sieht es vor allem im Osten aus: Fast jeder dritte Hausarzt ist älter als 60 Jahre, besonders auf dem Land. Dass demnächst eine ganze Generation in den Ruhestand geht, ist schon lange bekannt.

Seit Jahren versuchen die Länder gegenzusteuern: mit Stipendien, Förderpaketen oder Stiftungen, die junge Ärzte aufs Land locken sollen. Diese Maßnahmen sind nicht völlig wirkungslos, aber: "Die jungen Mediziner schauen auch auf das Drumherum. Gibt es Kindergartenplätze, findet mein Partner eine Arbeit?", erklärt Stefan Etgeton, Gesundheitsexperte bei der Bertelsmann-Stiftung.

Den Ärztemangel verwalten Nachfolgersuche, Kampagne für Jungärzte, Videosprechstunde

Günther Biesold
Dr. Günther Biesold praktiziert seit 40 Jahren als Allgemeinmediziner in der ostsächsischen Gemeinde Schmölln-Putzkau. Der 71-Jährige ist mit Leib und Seele Landarzt. Bildrechte: MDR/Heiko Kunzmann
Günther Biesold
Dr. Günther Biesold praktiziert seit 40 Jahren als Allgemeinmediziner in der ostsächsischen Gemeinde Schmölln-Putzkau. Der 71-Jährige ist mit Leib und Seele Landarzt. Bildrechte: MDR/Heiko Kunzmann
Günther Biesold (links) und Alexander Thomas.
Seinen Praxisnachfolger hat Landarzt Günther Biesold (links) frühzeitig gesucht: Alexander Thomas wird die übernehmen. Bildrechte: MDR/Heiko Kunzmann
Hans-Joachim Tauch
Hans-Joachim Tauch ist Koordinator beim Ärzte-Netz Ostsachsen: Ein Netzwerk, das beispielsweise per Imagekampagne versucht, junge Mediziner auf's Land zu holen. Bildrechte: MDR/Heiko Kunzmann
Ingrid Grüßner
Ingrid Grüßner bekommt ein Stipendium, da sie sich verpflichtet hat, nach dem Studium in einer ländlichen Praxis zu arbeiten. Sie hat bereits in einer Praxis in Oschersleben begonnen. Bildrechte: MDR/KarinRoxer
Arzt arbeitet an einem Computer.
Moderne Technologien als Hilfe gegen den Ärztemangel: Der Altenburger Rheumatologe Thomas Kupka ist einer der wenigen Ärzte, die Videosprechstunden anbieten. Bildrechte: MDR/Heiko Kunzmann
Kameramann filmt einen Arzt, der am Computer arbeitet.
Dreharbeiten zur Landarztreportage: Kameramann Enrico Bormann filmt beim Altenburger Rheumatologen Thomas Kupka eine Videosprechstunde. Bildrechte: MDR/Heiko Kunzmann
Alle (6) Bilder anzeigen

Wem nützt Telemedizin, wenn kein Internet da ist?

Ein Arzt sitzt 2013 in seiner Praxis an einem Computer.
Telemedizin könnte mancherorts Abhilfe schaffen. Bildrechte: dpa

An den Unikliniken Magdeburg und Halle gibt es jetzt Klassen für angehende Allgemeinmediziner. Ärzteverbände und Kassenärztliche Vereinigung hoffen, dass mehr junge Mediziner dort bleiben, wo sie studieren. Ein weiterer Baustein ist ein Stipendium für diejenigen, die nach dem Studium in einer ländlichen Praxis arbeiten.

Ingrid Grüßner hat das getan und in einer Praxis in Oschersleben begonnen. Dort gibt es auch noch drei mobile Praxis-Assistentinnen, die den Ärzten manchen Weg übers Land abnehmen. Und dann gibt es da ja noch das Zauberwort Telemedizin. Doch was nützt die in der Altmark, wo man mancherorts kaum seine E-Mails losschicken kann?

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt – Die Story | 06. November 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. November 2019, 17:43 Uhr