Ein Wegweise des Gruenen Band.
Bildrechte: imago/Eckehard Schulz

Deutsch-deutsche Grenze Grünes Band oder Flickenteppich?

Der Streit ums Erinnern

Die frühere deutsch-deutsche Grenze ist heute ein ökologisches Juwel. Doch um das Grüne Band gibt es Querelen und Widerstände. "exakt - Die Story" analysiert im MDR-Fernsehen den komplexen Streit und beleuchtet in einer Chronologie die Ereignisse und Diskussionen um Sachsen-Anhalts vielleicht erstes Nationales Naturmonument.

Ein Wegweise des Gruenen Band.
Bildrechte: imago/Eckehard Schulz

Sie war eine der am besten bewachten Grenzen der Welt mit Sicherheitszäunen, Selbstschussanlagen und Minenfeldern. Mindestens 684 Menschen verloren bei Fluchtaktionen aus der DDR ihr Leben an der deutsch-deutschen Grenze. Gleichzeitig jedoch verwandelte sich die historische Nahtstelle zwischen Ost und West in 40 Jahren deutscher Teilung in ein ökologisches Juwel, ein Biotop-System von 1.400 Kilometern Länge. "Ein solches Biotop auf der Länge, das gibt es in Deutschland kein zweites Mal", so Kai Frobel, Initiator des Grünen Bandes.

Behördenwirrwarr und Bürokratie

Deutschlandkarte mit Verlauf des Grünen Bandes
In Sachsen-Anhalt klaffen die meisten Lücken des Grünen Bandes. Bildrechte: BUND

Nach dem Mauerfall 1989 hätte der Todesstreifen zum längsten Naturschutzgebiet Deutschlands werden können. Doch Behördenwirrwarr und Bürokratie verhinderten zunächst das einzigartige Öko-Projekt. Stattdessen entstanden Gewerbegebiete, Straßen und Ackerflächen. Die größten Lücken im Grünen Band klaffen in Sachsen-Anhalt. Das soll sich seit 2016 ändern. Im aktuellen Koalitionsvertrag des Landes steht die Ausweisung des Grünen Bandes als Nationales Naturmonument festgeschrieben. Doch das trifft auf scharfen Widerstand der Anrainer.

"Man kann alles machen. Man hat ja früher eine Grenze auch gebaut und gesagt: Hier will ich lang und hier wird eine Grenze gezogen. Und wenn wir das heute machen wollen, müsste man das wieder so machen und müsste die Leute enteignen. Nur damit man das Grüne Band hier vervollständigen kann. Also, für mich ist das sinnlos", meint Landwirt Reinhold Freudenberg aus Lüttgenrode im Harz.

Ökologisches Juwel Das Grüne Band - Impressionen

Das Grüne Band, das sich an der ehemaligen innerdeutschen Grenze entlang zieht, ist ein Ort des Erinnerns. Im besonderen ist er aber auch ein Lebensraum für gefährdete Pflanzen und Tiere.

Alter Grenzturm hinter einer Wiese
Der einstige Todesstreifen ist seit vielen Jahren ein Ort für seltene Tierarten. Bildrechte: BUND
Alter Grenzturm hinter einer Wiese
Der einstige Todesstreifen ist seit vielen Jahren ein Ort für seltene Tierarten. Bildrechte: BUND
Braunkehlchen auf einen Grenzpfosten der DDR
Das stark gefährdete Braunkehlchen findet hier einen Lebensraum. Bildrechte: Thomas Stephan
früherer Grenzverlauf von oben
Deutlich erkennbar ist noch der einstige Verlauf der innerdeutschen Grenze. Bildrechte: BUND/Klaus Leindorf
Ausschnitt Grünes Band und Felder von oben
Wie eine grüne Lebensader zieht sich das 1.400 Kilometer lange Band durch Deutschland. Bildrechte: BUND/Klaus Leindorf
Ausschnitt Grünes Band von oben
Besonders aus der Luft erkennt man noch die Spuren der Vergangenheit. Bildrechte: BUND/Klaus Leindof
ehemalige Grenzanlage
Mindestens 684 Menschen verloren bei Fluchtaktionen aus der DDR ihr Leben an der deutsch-deutschen Grenze. Bildrechte: Kai Frobel
Teil der Grenzanalge von 1989
Ein Ausschnitt der Grenzanlage von 1989 Bildrechte: Lothar Engler
Kai Frobel und Hubert Weiger an früherer Grenzmakierung
"Ein solches Biotop auf der Länge, das gibt es in Deutschland kein zweites Mal", sagt Kai Frobel (rechts), einer der Initiatoren des Grünen Bandes. Hier zusammen mit Hubert Weiger an einem früheren Grenzposten. Bildrechte: BUND
Ausschnitt Grünes Band von oben
Nach dem Mauerfall 1989 hätte der Todesstreifen zum längsten Naturschutzgebiet Deutschlands werden können. Bildrechte: BUND/Klaus Leindorf
Weg durch ein Waldgebiet
Doch Behördenwirrwarr und Bürokratie verhinderten zunächst das einzigartige Öko-Projekt. Bildrechte: MDR/Simank-Film
Teil der Grenzanalge von 1988
Die größten Lücken im Grünen Band klaffen in Sachsen-Anhalt. Bildrechte: Lothar Engler
Weg durch ein Waldgebiet
Längst ist das Grüne Band auch ein Ort des Erinnerns. Bildrechte: MDR/Simank-Film
Weg durch ein Waldgebiet
Doch 30 Jahre nach dem Mauerfall werden viele Lücken und Fragen weiter bestehen bleiben und die Diskussionen um Naturschutz und Erinnerungskultur vermutlich erst richtig beginnen. Bildrechte: MDR/Simank-Film
ehemalige Grenze bei Hötensleben von oben
In Hötensleben im Landkreis Börde steht ein Denkmal, das an die Deutsche Teilung erinnert.

Dieses Thema im Programm:
Exakt - Die Story | 18.09.2019 | 20:45 Uhr
Quelle: MDR/ahr
Bildrechte: MDR/Simank-Film
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Landtag hat Gesetzesentwurf verabschiedet

Im Sommer 2019 drohte an dieser Frage gar die schwarz-rot-grüne Koalition im Magdeburger Landtag zu scheitern. Land- und Forstwirte sowie Privateigentümer sehen sich bereits enteignet, anderen kommen Erinnerungskultur und Natur zu kurz. Mittlerweile hat der Landtag einen Gesetzesentwurf verabschiedet und hofft, den ehemaligen Grenzstreifen bis zum 9. November 2019, dem 30. Jahrestag des Mauerfalls, als Nationales Naturmonument doch noch auszuweisen. Damit jedoch werden viele Lücken und Fragen auch weiter bestehen bleiben und die Diskussionen um Naturschutz und Erinnerungskultur vermutlich erst richtig beginnen.

"Dann geht es erst richtig los. Dann nehmen wir uns fünf Jahre Zeit, um Pläne zu machen zur Entwicklung des Naturschutzes und der Erinnerungskultur. Und dann nach fünf Jahren hoffen wir, das Grüne Band gut für den Naturschutz und die Erinnerungskultur entwickelt zu haben", meint Claudia Dalbert, Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt.

Die Reportage analysiert die Querelen, Widerstände und die Komplexität im Streit ums Grüne Band und zeichnet eine Chronologie nach, die die Ereignisse und Diskussionen um Sachsen-Anhalts vielleicht erstes Nationales Naturmonument beleuchtet.

Ein Film von Peter Simank.

Quelle: MDR/ahr

Grenzanlagen im Gegenlicht + Video
Grenzanlagen im Gegenlicht Bildrechte: MDR/Kai Frobel
MDR FERNSEHEN Mi, 18.09.2019 21:45 22:15

Exakt - Die Story Grünes Band oder Flickenteppich?

Grünes Band oder Flickenteppich?

Der Streit ums richtige Erinnern

Film von Peter Simank

  • Stereo
  • 16:9 Format
  • HD-Qualität
  • Untertitel
  • VideoOnDemand

Exakt - Die Story

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2019, 16:21 Uhr