Exakt - Die Story | 10.07.2019 Flaute im Windpark – Energiewende in Gefahr

100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Quellen bis 2040 - dieses Ziel hat die rot-rot-grüne Landesregierung für Thüringen gesteckt. Dafür sollen künftig auf einem Prozent der Fläche des Freistaates Windräder stehen. Doch die Ziele des Landes für den Ausbau der Windenergie werden in den Regionen immer offener hinterfragt, abgelehnt und sabotiert.

Rund 840 Windräder drehen sich derzeit in Thüringen. 0,3 Prozent der Landesfläche beanspruchen diese Anlagen. Doch Projektierer und Investoren fragen: Wie soll es weitergehen? Neue Flächen werden häufig vor Gericht erstritten, weil die Behörden in den Kreisen häufig zögern, neue Anlagen zu genehmigen. Woher sollen neue Vorrangflächen kommen, wenn die neuen Regionalpläne immer wieder mit Wellen von Einsprüchen ausgebremst werden? Was passiert mit den rund 150 Thüringer Windrädern, die ab 2020 nicht mehr gefördert werden? Für den Erfolg der Energiewende müssen sie durch neue ersetzt werden, die mehr Strom erzeugen können. Doch wie soll das gelingen – bei den aktuellen Rahmenbedingungen?

exakt - die Story Flaute im Windpark

Aktivist vor Anti-Windkraft-Plakat
Tobias Gruber ist Sprecher der Bürgerinitiative "Unser Holzland - kein Windkraftland" und kämpft gegen Windräder im Wald, aber auch ganz grundsätzlich gegen die Energiewende. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Aktivist vor Anti-Windkraft-Plakat
Tobias Gruber ist Sprecher der Bürgerinitiative "Unser Holzland - kein Windkraftland" und kämpft gegen Windräder im Wald, aber auch ganz grundsätzlich gegen die Energiewende. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Menschenansammlung
Am 1. Mai 2019 trafen sich in Lippersdorf bei Hermsdorf ca. 100 Windkraftgegner, um gegen den weiteren Ausbau der Windenergie zu protestieren. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Windkraft-Gegner mit Plakaten
Auch der scheidende CDU-Landtagsabgeordnete Wolfgang Fiedler schloss sich am 1. Mai 2019 dem Protest der Windkraftgegner in Lippersdorf an. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Windräder hinter einer Kirche
Schon die ersten Windräder aus den 90er-Jahren haben vielerorts die Kirchtürme überragt - wie hier in Stobra im Weimarer Land. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Ein Forst-Mitarbeiter im Wald.
Geplante Windräder im Wald erhitzen die Gemüter: Sven Pasemann von Thüringen-Forst erklärt in einem Waldstück bei Milda, wie ein wegen Schädlingsbefall gerodetes Stück Wald für die Stromerzeugung genutzt werden könnte. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Menschen diskutieren an einem Tisch.
Kleines Dorf pro Windenergie: Der Bürgermeister von Neckeroda, Siegfried Hörcher, erklärt im Gespräch mit Bürgern und Experten der Servicestelle Wind der Thüringer Energie- und Greentec-Agentur, wie die Gemeinde vom Bau einiger Windräder hinter dem Dorf profitieren will. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Teile eines Windrades liegen auf einem Acker.
Das erste Windrad, dass 2019 in Thüringen ans Netz ging, steht im Windpark Pölzig II. Schon die Anlieferung der ca. 65 Meter langen Rotorblätter war eine Herausforderung. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Windräder in einem Rapsfeld
Viele Windräder aus den 90er-Jahren bekommen ab 2020 keine Einspeisevergütung mehr. Im Windpark Wetzdorf bei Bad Klosterlausnitz tragen Masten aus Stahlgitter die Rotoren. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Windräder auf einer bewaldeten Anhöhe
Seltener Anblick in der Nähe von Wormstedt: Windräder mit Zweiblattrotoren haben sich nicht durchgesetzt. Bildrechte: MDR/Loréne Gensel
Alle (9) Bilder anzeigen

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt - die Story | 10. Juli 2019 | 20:45 Uhr

Windräder auf einer bewaldeten Anhöhe
Bildrechte: MDR/Loréne Gensel

Die Gegner neuer Windräder organisieren und vernetzen sich immer besser: In 50 Bürgerinitiativen engagieren sie sich inzwischen. Was sind Ihre größten Sorgen und Bedenken? Warum protestieren sie nicht nur gegen Windräder vor der eigenen Haustür, sondern grundsätzlich gegen die Energiewende? Sie suchen immer wieder den offenen Streit mit Menschen, die sich für Windkraft engagieren. Etwa den Enthusiasten, die sich in Bürgerenergie-Projekten für Bürgerwindräder in der Hand von Einheimischen engagieren. Solche Projekte haben es besonders schwer. Warum gehört nur ein Bruchteil der Windräder, die sich in Thüringen drehen, wirklich Thüringern? Warum ist es so schwierig, die Gewinne aus der Windenergie vor Ort zu verteilen und möglichst viele davon profitieren zu lassen? Was kann die  Servicestelle Wind der Thüringer Energie- und Greentec-Agentur mit dem Siegel "Faire Windenergie" erreichen? Und warum ist es in der rot-rot-grünen Landesregierung so still geworden beim Thema Windenergie?

"Exakt - Die Story" nimmt die wachsenden gesellschaftlichen Konflikte rund um die Windenergie in den Blick und fragt nach, was deren Zuspitzung für die Energiewende in Thüringen bedeutet. Zu sehen am Mittwoch, 10. Juli um 20:45 Uhr im MDR FERNSEHEN.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt - Die Story | 10. Juli 2019 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Juli 2019, 16:46 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

30 Kommentare

12.07.2019 08:31 framo 30

Kleiner Hinweis: Herr Rechtsanwalt Prof. Maslaton ist zweifellos Windenergieexperte. Er ist aber auch Landesvorsitzender des Bundesverbandes Windenergie in Sachsen. So eine Art Dr. Peter (ehemalige Grünen-Parteichefin im Bund) für Sachsen. Also bezahlter Cheflobbyist der Windkraftanlagenbauer. Sein Urteil ist sicher fachlich fundiert, aber auch interessengeleitet. Darauf hinzuweisen wäre für die Zuschauer sicher hilfreich.

11.07.2019 19:41 YBrush 29

Wer immernoch behauptet, dass eine Windkraftanlage soundsoviel Haushalte mit Strom versorgt, der hat das System immer noch nicht verstanden. Schade das man solche Aussagen weiterhin über sich ergehen lassen muss.

EINE Windkraftanlage kann exakt NULL Haushalte mit Strom versorgen! Es sei denn die Bewohner des Haushaltes/der Haushalte kommen damit klar, dass es Tage/Wochen geben wird, in denen sie keinen Strom haben.

11.07.2019 17:13 Fragender Rentner 28

Heute Mittag kam beim ZDF auch der Bericht über die Windräder in Hessen und den Milan und bestimmt auch andere Vögel die betroffen sein werden.

Da kollidiert angeblich grüne Politik mit der grünen Politik wie sie sagten.

Windräder gegen den Wald.

11.07.2019 16:49 dienel,frank 27

Was nützt uns der Ausbau von Windkraft- und Photovoltaikanlagen für die Strom- bzw. Wärmegewinnung , wenn die gravierenden Baumängel bei sogenannten Modernisierungsvorhaben nicht fachgerecht beseitigt werden . Grüner Strom bzw. Wärme geht durch Schlupflöscher verloren und in Sicht keine CO 2 Senkung. Da nützt uns auch keine
CO 2-Steuer um mit dieser Steuer den Bürger zu zwingen im Interesse Klimaschutz umzudenken.
Seit 2005 sprechen wir in Sachsen vom Klimawandel , leider wurde bisher wenig getan seitens der Regierung.
Hinweise , dass Fördermittel und KfW-Kredite bei der Modernisierung von Wohnobjekten seitens der WBG Kontakt in den Sand gesetzt wurden , wurde einfach ignoriert. Jetzt haben wir den Salat und versuchen nunmehr krampfhaft aus diesem Dilemma heraus zu kommen.

11.07.2019 14:44 ING 26

Das entscheidende ist doch das Versäumnis aus der Politik mit der Bevölkerung zusammen an einem Strang zu ziehen. Stattdessen wird gefährliches Halbwissen gestreut und ideologische Unwahrheiten rausposaunt.
Mit etwa 2,8 % des weltweiten Co2 Ausstoßes wird man als Nation die Welt nicht retten können.
Und welche Nation geht aktuell unserem "Pioniereffekt" nach?!
Eine Energiewende funktioniert nur durch akribische Planung (Dezentralisierung, Sektorenkopplung, Power to Gas/Heat, Smart Grid, Speicher). Und eine solche Planung wird eben nicht von heute auf morgen gemacht.
Ein wilder Zubau von Windenergie alleine (mindestens noch das 3-fache der bestehenden peak Leistung für 80 % EE benötigt) wird die Problematik Energiewende nicht lösen. Es wird Zeit, dass Deutschland sich wieder auf seine Tugenden beruft und sich mit Sinn und Verstand in aller Breite mit Lösungen auseinandersetzt. Durch Tagträumerei wird am Ende keinem Geholfen sein.




11.07.2019 14:38 Knud Richter 25

100% erneuerbare Energie heißt Grundlastfähigkeit. Probieren Sie es, herunterladen der Windeinspeisung pro Jahr pro Stunde (netztransparenz.de) und verteilen dieser Zappelkurve auf den Durchschnittswert. Ergebnis für 2017, von erzeugten 107 TWh müssen ca. 34 TWh über Monate umverteilt werden, Puffergröße ca. 18 TWh. Die modernsten Li-Speicher erreichen 0,2 kWh/kg, macht ca. 90 Mill. Tonnen Speicher, Rohstoffe und Entsorgung???? Die Herstellung des Puffers (ca. 200kWh für 1 kWh Speicherkapazität) braucht diese 107 TWh über 35 Jahre!!! Pumpspeicherwerke schlagen ihren Speicher täglich um, die Pufferung von Windenergie hat nur 2 Umläufe im Jahr. Dadurch erreicht das notwendige Speichervolumen für 2017 das 500-fache der aktuellen Speicherkapazität unserer Pumpspeicherwerke. Der Gesamtaufwand des Systems Windkraft (Wartung, Ersatz, Speicherverluste) erfordert pro Jahr ein Mehrfaches der eingespeisten Leistung!!!

11.07.2019 14:32 D. K. 24

An Jena DG (22): Windräder sollten dort aufgestellt werden, wo der meiste Strom verbraucht wird, in die Städte - nach Erfurt oder Jena. Das hätte noch den Vorteil, dass die Köpfe mal gut belüftet würden und die Natur auf dem Land geschont wird. Aber dann nicht über Nimby beschweren!

11.07.2019 12:20 C.T. 23

Ökologie fängt schonmal damit an, dass die Energien dort erzeugt werden, wo sie verbraucht werden! Sollen die Bazis da unten ihre Almen damit zupflastern. Der Osten darf nicht zum Kraftwerk Deutschlands verkommen!

11.07.2019 08:06 Jena DG 22

Tobias Gruber benötige offensichtlich keinen Strom. Ach Ja Kohle und Atom gibt es ja auch noch, bauen wir lieber solche Kraftwerke im Holzland!? Er sollte aufhören den guten Fortschritt zu blockieren. Manchmal muss man sich leider für sein Thüringen schämen. Holzk....

10.07.2019 21:22 René Winkler 21

Vielleicht sollten Windräder auch in den Alpen und anderen Teilen Süddeutschlands stehen, dann wäre die Diskussion über Stromtrassen vom Tisch???!