Studie Väter übernehmen in Corona-Krise zunehmend Familienarbeit

Mütter arbeiten häufiger in der kritischen Infrastruktur als Väter - gerade dort verdienen sie aber auch deutlich weniger. Eine Studie legt umfassende Zahlen zu den Herausforderungen für Eltern in der Corona-Krise vor.

Eltern und Kinder stehen mit Schildern mit der Aufschrift „Kinder sind eure Zukunft“ und „Ich habe ein Recht auf Bildung - immer!“ auf dem Gänsemarkt.
Rund die Hälfte aller Eltern von kleinen Kindern haben die Zeit des Corona-Lockdowns als sehr belastend empfunden. Bildrechte: dpa

In der Corona-Krise zeichnet sich bislang keine pauschale Re-Traditionalisierung der Aufgabenverteilung in Familien ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden. Demnach haben Mütter auch in der Corona-Krise im Schnitt die meiste Familien- und Hausarbeit geleistet. Die Väter holten aber insbesondere während des Lockdowns teils deutlich auf. So leisteten Väter in Kurzarbeit während dieser Phase täglich 8,1 Stunden Familienarbeit. Insgesamt stieg der Schnitt bei Vätern von 3,3 Stunden täglich im Jahr 2018 auf 5,6 Stunden bis zum April 2020, bei Müttern von 6,6 auf 7,9 Stunden pro Tag.

Systemrelevant, weiblich, geringes Einkommen

Insbesondere Familien mit kleinen Kindern mussten der Studie zufolge angesichts der coronabedingten Einschränkungen viel improvisieren. Von den Eltern mit mindestens einem Kind unter drei Jahren waren lediglich 8,4 Prozent beide Elternteile bzw. das alleinerziehende Elternteil in einem sogenannten systemrelevanten Beruf tätig. Damit hatte diese Gruppe besonders selten Anspruch auf Notbetreuung. Zugleich waren aber Kitas länger geschlossen als Schulen.

Ein Pfleger hält Hand einer Seniorin 3 min
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MDR AKTUELL Do 02.04.2020 11:52Uhr 03:10 min

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Eltern mit kleinen Kindern mussten daher besonders häufig für längere Zeit die Betreuung vollständig selbst leisten oder andere private Lösungen finden. War dagegen ein Elternteil in einem systemrelevanten Bereich wie etwa Gesundheit, Verkehr oder Ernährung beschäftigt, kamen andere, finanzielle Herausforderungen auf die Familien zu. So übernahm häufig der Partner mit einem Beruf außerhalb der kritischen Infrastruktur die Kinderbetreuung. Oft war dies jedoch der Vater und derjenige mit dem höheren Einkommen.

Es ist bemerkenswert, dass Menschen in vielen systemrelevanten Berufen relativ wenig verdienen. Und davon sind Frauen in besonderer Weise betroffen.

Dr. Inga Laß BiB

Insgesamt 52 Prozent der erwerbstätigen Mütter waren in systemrelevanten Berufen tätig. Von diesen verdienten jedoch rund 36 Prozent weniger als 1.100 Euro netto im Monat. Bei nur zehn Prozent lag das Monatseinkommen bei mindestens 2.600 Euro. Von den Vätern waren 34 Prozent in systemrelevanten Berufen tätig. Dort verdiente jedoch die größte Gruppe von knapp 36 Prozent zwischen 1.700 und 2.600 Euro monatlich. Bei gut zehn Prozent lag das Monatseinkommen sogar bei mindestens 5.000 Euro.

Starker Anstieg bei Homeoffice

In anderen Berufszweigen wurde die Arbeit in erheblichem Umfang in die heimischen vier Wände verlegt. Noch im Jahr 2018 gaben nur 5,3 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland an, mindestens die Hälfte der Arbeitstage im Homeoffice zu arbeiten, weitere 6,7 Prozent nutzten dies in geringerem Umfang. Damit lag Deutschland im europäischen Mittelfeld, während Beschäftigte in den Niederlanden und in Skandinavien deutlich häufiger das Homeoffice nutzen. Während der Krise hat sich jedoch in Deutschland die Zahl der hauptsächlich im Homeoffice Tätigen mehr als vervierfacht - auf 23 Prozent aller Beschäftigten. Nach eigener Einschätzung der Beschäftigten halten sogar etwa 42 Prozent gelegentliches Arbeiten von zuhause für möglich.

Es ist davon auszugehen, dass die Erfahrungen während des Lockdowns langfristig zu einer neuen Balance von An- und Abwesenheit am Arbeitsplatz führen werden.

Prof. Dr. Norbert f. Schneider Direktor des BiB

BiB-Direktor Norbert F. Schneider betonte zugleich, flächendeckende Bereitstellung des Breitbandinternets sei Voraussetzung, damit auch Menschen in ländlichen Gebieten das Homeoffice nutzen können. Auch müssten gute Rahmenbedingungen für ein Arbeiten von zuhause gegeben sein. Aus dem Recht auf Homeoffice dürfe keine Pflicht werden.

Alleinerziehende besonders belastet

Die Lockdown-Phase hat der Studie zufolge Eltern deutlich stärker belastet als kinderlose Erwachsene. Fast die Hälfte der befragten Eltern gab an, diese Phase als sehr belastend empfunden zu haben - Frauen insgesamt häufiger als Männer. Unter den alleinerziehenden Müttern gaben sogar 60 Prozent eine hohe Gesamtbelastung an.

Mit Blick auf die weitere Entwicklung der Pandemie empfehlen die Forscherinnen und Forscher, insbesondere die Situation von Eltern mit kleinen Kindern stärker in den Blick zu nehmen. Als einen Lösungsweg sehen sie mehr Flexibilität durch mehr Arbeit im Homeoffice. Aber auch die Betreuung durch Schulen und Kitas brauche bei einer möglichen zweiten Welle eine höhere Priorität.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 15. Juli 2020 | 17:00 Uhr

2 Kommentare

Atheist vor 27 Wochen

Was heißt hier alte Rollenbilder?
Mein Vater hat schon in den 50zigern Jahren die Vaterrolle übernommen und meine Mutter 8 Stunden täglich gearbeitet.
Tut doch nicht immer so als wären wir alle im Hausfrauenzeitalter des Westen aufgewachsen und Gleichberechtigung wäre Neuland für uns!

Anhaltiner vor 27 Wochen

Atheist sie haben aber auch so etwas von Recht.