Ultraschallaufnahmen von Babys in der 12., 21. und 22. Schwangerschaftswoche liegen in der Geburtsklinik vom Krankenhaus St.Elisabeth und St. Barbara nebeneinander.
Forscher der Leopoldina fordern eine "zeitgemäße Gesetzgebung" der Fortpflanzungsmedizin. Bildrechte: dpa

Embryonenschutzgesetz Wissenschaftler wollen Fortpflanzungsmedizin reformieren

28 Jahre ist das Embryonenschutzgesetz alt. Seitdem hat sich vieles verändert – und das Gesetz müsse dringend reformiert werden, fordern Wissenschaftler der Leopoldina. Sie dringen auf eine "zeitgemäße Gesetzgebung".

Ultraschallaufnahmen von Babys in der 12., 21. und 22. Schwangerschaftswoche liegen in der Geburtsklinik vom Krankenhaus St.Elisabeth und St. Barbara nebeneinander.
Forscher der Leopoldina fordern eine "zeitgemäße Gesetzgebung" der Fortpflanzungsmedizin. Bildrechte: dpa

Am 1. Januar 1991 trat in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft: das Embryonenschutzgesetz. Damit wollte der Gesetzgeber auf damals noch recht neue Fortpflanzungsmethoden reagieren – und stellte einige davon unter Strafe. Verboten ist seitdem etwa die Eizellenspende. Wer sich nicht daran hält, riskiert hierzulande eine Geld- oder Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren.

Aus Sicht einiger Forscher ist das knapp 30 Jahre alte Gesetz dringend reformbedürftig. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Nationalen Akademie der Wissenschaften Lepoldina in Halle und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften beschäftigt sich deshalb schon seit Jahren mit dem Thema. Am Dienstag nun soll eine Stellungnahme ("Fortpflanzungsmedizin in Deutschland – für eine zeitgemäße Gesetzgebung") der beteiligten Forscher publiziert werden.

Ruf nach Fortpflanzungsmedizingesetz

Eizelle mit Spermium
Samenspenden sind in Deutschland erlaubt. Bildrechte: Colourbox.de

Bereits vor zwei Jahren hatte eine Arbeitsgruppe der Wissenschaftsakademie ein "Fortpflanzungsmedizingesetz" gefordert. Eine rechtliche Regelung sei "dringend reformbedürftig", hielten die Forscher in einem Arbeitspapier fest. "Das Embryonenschutzgesetz von 1990 erfasst die neuesten technischen Entwicklungen nicht, ist in manchen Bereichen unstimmig und lückenhaft, setzt die betroffenen Frauen, Paare und Kinder unnötigen gesundheitlichen Risiken aus, erschwert paradoxerweise die Durchsetzung von Kinderrechten und erzeugt Gerechtigkeitsprobleme und Rechtsunsicherheit für die betroffenen Paare und die behandelnden Ärztinnen und Ärzte", heißt es darin.

Zudem enthalte das Gesetz nur strafrechtliche Verbote und erlaube keine angemessene Reaktion auf die medizinische Entwicklung und den gesellschaftlichen Wandel, und es werde der Komplexität der Materie nicht gerecht.

Eizellspende nicht erlaubt

Umstritten sind vor allem die Punkte Eizellspende, Leihmutterschaft und Embryonenspende. Der Leopoldina zufolge werden in Deutschland jedes Jahr inzwischen mehr als 100.000 künstliche Befruchtungen durchgeführt.

Anders als eine Samenspende ist in der Bundesrepublik eine Eizellspende bisher nicht erlaubt. Die Leopoldina bezeichnet das als "Ungleichbehandlung der Geschlechter". Heterosexuelle Paare könnten eine Samenspende in Anspruch nehmen, wenn der Mann keine fruchtbaren Samen mehr habe. Frauen ohne eigene fruchtbare Eizellen hätten derzeit hingegen keine Möglichkeit, schwanger zu werden.

Embryonenspende in Tschechien

Rechtlich weitgehend ungeregelt ist in Deutschland die Embryonenspende. Wenn ein Paar weder eigene Eizellen, noch eigene Samenzellen zur Verfügung, kann somit eine trotzdem eine Schwangerschaft entstehen. Eindeutig verboten ist in Deutschland nach Angaben der Leopoldina "die gezielte Herstellung von Embryonen zum Zweck einer Spende". Überzählige Embryonen aus einer künstlichen Befruchtung könnten durch eine Embryonenspende hingegen genutzt werden.

Viele Frauen gehen für eine Embryonenspende ins Ausland, etwa nach Tschechien. Deshalb sei es auch in Deutschland Zeit für ein Fortpflanzungsgesetz, sagte Prof. Wolfgang Würfel vor Kurzem im Interview mit MDR Heute im Osten. Er leitet das "Kinderwunsch Centrum München". Es werde mit der Zeit schwer vermittelbar, warum in Deutschland neben der Samenspende nicht auch die Eizellenspende erlaubt sei. Das Embryonenschutzgesetz sei bei seiner Beschließung ein "sehr defensives Gesetz" gewesen. Eine Revision sei dringend erforderlich.

Umstrittene Leihmutterschaften

Besonders umstritten ist das Konzept der Leihmutterschaft: Dabei trägt eine Frau für ein Paar ein Kind aus – oft gegen Bezahlung. Nach deutschem Recht ist die Mutter immer die Frau, die das Kind zur Welt gebracht hat. Leihmutterschaft ist hingegen verboten. Deutsche, die das Konzept einer Leihmutterschaft nutzen wollen, gehen dafür ins Ausland. Ziel vieler Paare ist etwa Kalifornien in den USA, wo es spezielle Vermittlungs-Agenturen gibt. Aber auch andere Länder wie die Ukraine oder Indien sind beliebt.

In Deutschland und auch im Deutschen Ethikrat sei Leihmutterschaft sehr umstritten, sagte Dagmar Coester-Waltjen kürzlich der Nachrichtenagentur epd. Sie ist Rechtswissenschaftlerin und Mitglied des Ethikrats, der sich mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Themen befasst. "Es gibt die Meinung, die Leihmutterschaft verletze die Würde der Frau oder des Kindes", sagt Coester-Waltjen . Tatsächlich gebe es bei einer kommerziellen Herangehensweise Fälle, in denen die Frau aus wirtschaftlichen Gründen zur Leihmutterschaft gezwungen werde.

Die soziale Ungleichheit zwischen den Wunscheltern und der Leihmutter thematisiert auch die Leopoldina. Bei einer Legalisierung müssten deshalb eine ganze Reihe Fragen geklärt werden, etwa, was passiere, wenn eine Leihmutter das Kind nach der Geburt doch nicht abgeben wolle.

Für Coester-Waltjen ist entscheidend, dass das Kind erfahren kann, wo es herkommt. Das sei bei einer transparenten Leihmutterschaft durchaus möglich. Die Leihmutter dürfe aber nicht gezwungen werden, das Kind abzugeben.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 13. April 2019 | 18:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Juni 2019, 05:00 Uhr

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5 Kommentare

05.06.2019 11:58 Martina 5

Eizellspende, Leihmutterschaft ist geniale Methoden zur Bekämpfung von Unfruchtbarkeit. Warum, wenn Eltern, die Natürliche Weise nicht ein Kind haben können, können sie nicht die Vorteile der Fortpflanzungsmedizin Methoden nehmen? Warum verbietet das deutsche Recht es? Ich kenne ein wunderbares Beispiel, als eine Frau ihre Eizellen hatte, aber sie konnte das Kind einfach nicht auszutragen. Nach vielen fehlgeschlagenen Schwangerschaftsversuchen wandten sich die Wunscheltern an den Leihmutterschaftsservice. Als Ergebnis erhielten sie ihr genetischverwandtes Kind. So hat dieses Kind eine andere Frau getragen und gebar, aber genetisch Leihmutter und Kind sind nicht verbunden. Ukraine ist es Land wo reproduktive Medizin auf dem Höhepunkt der Popularität, Land, die Hunderte von deutschen Familien glücklich machen. Leihmutterschaft, Eizellspende, und sogar Mitochondrien-Spende bietet Ukrainische Kiwu-Klinik Das ist unsere Zukunft.

04.06.2019 20:45 Vanessa 4

Ich stimme zu, das Embryonenschutzgesetz müsse dringend reformiert werden. Unser Leben braucht diese Reformierung. Viele kinderlose Leute suchen eine Hilfe im Ausland, weil zum Beispiel Eizellspende und Leihmutterschaft in Deutschland verboten sind. Deshalb ist die ukrainische Kinderwunschklinik von Biotexcom beliebt, die gute Programme mit niedrigen Preisen den Wunscheltern vorschlägt. Ich denke, die Regierung des Landes muss die Wünsche der unfruchtbaren Menschen in Anspruch nehmen.

04.06.2019 16:08 Wikreuz 3

Ich habe 2 kleine Enkelinen......… Nach mehrfacher vergeblicher künstlicher Befruchtung in Deutschland erfolgte in Prag die Wiederholung mit einer in Deutschland verbotenen Methode...…. Nur gut , dass die Produkte dieser Methode nicht in Deutschland bestraft werden!

04.06.2019 14:41 Sabrina 2

Sowohl bei einer Eizell- als auch bei einer Embryonen"spende" muss davon ausgegangen werden, dass diese Fremdeiweiße vom Immunsystem erkannt und zerstört werden.
Das ist ein entscheidender Unterschied zur Befruchtung mit männlichen Spermien.
Diese Forderungen haben nichts mit Ethik, Moral oder wissenschaftlicher Seriösität zu tun. Es geht nur um Geschäftemacherei.
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Wenn man in diesem Land mehr Geburten haben will, dann ist es ethischer und moralischer, aufzuhören, den Frauen die Arschkarte zu zeigen, sobald diese Kinder haben.
Wir brauchen eine menschenwürdige finanzielle Absicherung der Frauen, die Kinder haben. Wenn bei der Rente ein Kind mit einem Beitragspunkt, also dem Adäquat für ein jährliches Durchschnittseinkommen, anerkennt. dann darf man das auch schon während der Zeit des Kinder-Aufziehens machen, den Frauen dann auch ein entsprechendes Gehalt zahlen, von dem sie dann auch ihre Rentenbeiträge abführen können.

04.06.2019 10:33 Blumenfreund 1

„zeitgemäße Gesetzgebung„ ... und das in diesen Zeiten?
Das kann ja nichts Gutes sein !!