Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Vor allem der hohe Energieverbrauch und CO2-Ausstoß belasten Deutschlands Ressourcen-Bilanz. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Erdüberlastungstag Deutsche leben ab Freitag auf Öko-Kredit

Deutschland hat seine natürlichen Ressourcen für dieses Jahr aufgebraucht. Seit dem 3. Mai leben die Bundesbürger ökologisch auf Pump - und damit auf Kosten künftiger Generationen und der Menschen in weniger industrialisierten Ländern.

Windenergieanlage neben Steinkohle-Kraftwerk und Hochspannungsleitungen
Vor allem der hohe Energieverbrauch und CO2-Ausstoß belasten Deutschlands Ressourcen-Bilanz. Bildrechte: imago/Jochen Tack

Deutschland hat bereits in den ersten vier Monaten so viele natürliche Ressourcen an Wasser, Flächen und Wäldern verbraucht, wie dem Land eigentlich für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen.

Darauf weisen die Umweltschutzorganisationen Germanwatch und BUND am nationalen sogenannten Erdüberlastungstag hin – der in diesem Jahr auf den 3. Mai fällt. Im Vorjahr hatte Deutschland sein Budget am 2. Mai erreicht,  2017 sogar bereits am 24. April.

Wäre der Ressourcenverbrauch der Weltbevölkerung so groß wie in Deutschland, dann hätte sie schon bis zu diesem Zeitpunkt die regenerierbaren Ressourcen verbraucht, die ihr für das gesamte Jahr zur Verfügung stehen.

Umweltorganisation Germanwatch

Die Umweltschützer mahnen, die Menschen hierzulande lebten für den Rest des Jahres auf Kosten kommender Generationen und der Menschen im Süden. Der globale Erdüberlastungstag wird Anfang August erwartet.

Deutschland auf Rang 8 der Ressourcensünder

Der BUND kritisiert, würden alle Staaten der Welt so wirtschaften wie Deutschland, und alle Menschen so leben, bräuchte die Menschheit drei Erden, um ihren Ressourcenbedarf zu decken, Als Gründe werden der hohe Energieverbrauch und CO2-Ausstoß im Verkehr und in der Massentierhaltung sowie die Verunreinigung von Böden, Luft und Grundwasser genannt.

Die BUND-Jugend kündigte weiteren Widerstand ihrer Generation gegen diese verschwenderische Politik an, so im Rahmen der Fridays-for-Future-Proteste.

Zum Vergleich: Gemessen an der absoluten Größe des Fußabdrucks liegt Deutschland auf Platz acht der größten Ressourcenverbraucher. Davor liegen China, die USA, Indien, Russland, Brasilien, Japan und Indonesien.

Leichte Verbesserung eher zufällig

Die Umweltschützer sehen auch in der Verschiebung des Erdüberlastungstags 2019 nach hinten im Vergleich zu den Vorjahren kein Zeichen der Besserung: Verantwortlich dafür seien lediglich geringe Schwankungen bei den CO2-Emissionen, etwa durch mildere Winter. Notwendig wäre ein stabiler Rückgang der Emissionen mit doppelter Geschwindigkeit, sagte Julia Otten von Germanwatch.

Sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Ressourcennutzung agiert die Bundesregierung, als ob es kein Morgen gäbe.

Kira Heinemann von der BUND-Jugend

Berechnet wird der Erdüberlastungstag vom Global Footprint Network. Seit Mitte der 1980er Jahre ist der jährliche Verbrauch natürlicher Ressourcen größer als die Regeneration in der Natur. 1987 lag der "Earth Overshoot Day" am 19. Dezember. Seither rutscht er im Kalender immer weiter nach vorne. 2018 lag er auf dem 2. August. In den letzten Jahren blieb der Termin ungefähr stabil.

Global Footprint Network

ist eine internationale Forschungsgruppe mit Sitz in Kalifornien. Der ökologische Fußabdruck wird errechnet aus der biologischen Kapazität der Erde Ressorcen aufzubauen - etwa Wälder, Wiesen und Gewässer - sowie Abfälle aufzunehmen, wie zum Beispiel CO2. Dagegengestellt wird der Verbrauch an Ressourcen wie Waldbestand, Ackerflächen und Trinkwasser.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 03. Mai 2019 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Mai 2019, 18:48 Uhr

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37 Kommentare

05.05.2019 19:41 Karsten Rottstädt 37

Öko - Kredit. Ich fasse es nicht.
Ich kann ja verstehen, wenn die Abiturienten in diesem Jahr gegen das Niveau des Mathe - Abiturs vorgehen. Wenn freitags gestreikt, statt gelernt wird, dann ist das eines der Ergebnisse. Und ich finde aber nicht lustig, wenn man mit solch unwissenschaftlicher Polemik nicht warten, bis diejenigen, die noch ein schwieriges Abitur schafften, gestorben sind. Also wartet mit dem Blödsinn noch fünfzig Jahre, dann bin ich im Paradies und dort gibt es dann solchen Verfall nicht.

05.05.2019 10:58 Peter W. 36

@11: "Aber ich bin in Deutschland und ich werde verbrauchen wie in Deutschland üblich ist." - Was für eine engstirnige Geisteshaltung! Na was meinen Sie, warum die Afrikaner alle zu uns wollen? Die einen wollen auch gern verbrauchen wie Sie, die anderen flüchten vor den Konsequenzen des Wirtschaftens großer Konzerne in Afrika, die Ihr "gewohntes Verbrauchen" ermöglichen. Aber wählen Sie ruhig weiter AfD, da sind Sie in guter ahnungsloser Gesellschaft!

05.05.2019 10:51 Peter W. 35

@17: "Ergänzen möchte ich noch, daß Deutschland nur ca. 2,5 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verursacht." - Wobei Deutschland nur 1,1 Prozent der Weltbevölkerung darstellt. Na, merken Sie was? Mit dem Finger immer nur auf andere zu zeigen und zu jammern, dass diese ja noch viel schlimmer sind, hat uns genau in den politischen Stillstand der letzten Jahre geführt, der uns offenen Auges in die wissenschaftlich nachgewiesenen ernsthaften Konsequenzen der menschgemachten Klimaveränderungen führt. Aber ich schätze ihn Ihrem Alter kümmert sie das wohl auch nicht mehr so - nach mir die Sintflut.

04.05.2019 23:00 Sabrina 34

@ 04.05.2019 00:58 Gerd Müller 12

Zitat:
"Diesel-Dreck-Schleuder abschaffen, am besten bis 2020 Autoindustrie zum Umtausch gegen eMobile gesetzlich verpflichten und wieder Autofreie Wochenenden bzw. Sonn- und Feiertage verordnen!"

Rein zufällig werden Sie an diesem autofreien Sonntag einen Ausflug auf einen entlegenen Mecklenburger See gemacht haben und Herzinfarkt bekommen.

Die nächste Notfallambulanz weit weg und das eigene Auto gleich ganz abgeschafft.

Dumm gelaufen !

Es kann Sie niemand in die Klinik fahren und der Krankenwagen kommt zu spät - dann sind Sie tot.

Ein überdurchschnittlich intelligenter fortschrittlicher Mensch weniger. Wie schade! Aber wer Pseudo-Okö-ja sagt mit eben auch zahlen - notfalls mit dem Leben.

04.05.2019 15:03 Eulenspiegel 1 33

Hallo Altmeister 50 31
Und sie glauben tatsächlich das dieses Waldsterben an uns allen vorbei gegangen ist ohne das irgendjemand ein Handschlag dafür getan hat?
Dann werde ich sie mal aufklären!
Also man stellte damals fest das gerade in industriefernen Regionen die Waldschäden drastisch zunahmen. Zuerst ein mal große Panik denn man kannte die Ursache nicht. Dann stellte man fest da ist ja viel zu viel Schwefel in der Luft. Aber wie kommt dieser Schwefel gerade in den Industriefernen Regionen in die Luft? Durch weitere Untersuchungen fand man heraus das eine kurzsichtige Umweltpolitik dazu geführt hat. Wir hatten vorher das Problem das in den Ballungszentren wo Verkehr, Kraftwerke und Industrie sehr geballt die Luft mit Abgasen belasteten. So das bei Inversionswetterlagen zu Smogalam kam und es Fahrverbote erlassen gab. Man glaubte damals die Ballungszentren entlasten zu können in dem man die Schornsteine höher bauen lies.

04.05.2019 14:15 MaP 32

26 Ureinwohner
Einsteins Spruch geht noch weiter:
"2 Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Obwohl...beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher..."

04.05.2019 12:18 Altmeister 50 31

Mein Vertrauen in solcherlei Aussagen von BUND und Germanwatch hat gelitten, seitdem angeblich wissenschaftliche Erkenntnisse gerne per Mehrheitsbeschluss statt per Einzelbeweis gewonnen werden. Ich habe ein Lebensalter erreicht, in dem schon diverse Weltuntergänge überraschend spurlos an mir vorübergegangen sind, von Waldsterben, Ozonloch, Y2K, Computercrash im Jahr 2000 und Maya-Kalender bis Peak Oil und anderen Quatschvorhersagen dieser selbst ernannten Weltenretter. Sie tun so, als könnte man evolutionäre Entwicklungen bei Wissenschaft/Technik und Errungenschaften im Sozial- und Wohlstandsbereich quasi per grünem Totalitarismus mit Auferlegung von Verzicht so regeln, dass gesellschaftliche Verwerfungen ausbleiben.
Dazu die unerträgliche Arroganz, die feste Überzeugung, als Einzige den Lauf der Welt verstanden und die richtigen Schlussfolgerungen gezogen zu haben, während alle anderen falsch liegen, egal ob im Inland oder im Ausland.

04.05.2019 11:25 Wo ist das Lobbyregister? 30

(Sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Ressourcennutzung agiert die Bundesregierung, als ob es kein Morgen gäbe. Kira Heinemann von der BUND-Jugend)

Das charakterisiert perfekt die Ära Schröder/Merkel. Mir wird schlecht, wenn ich die Folgen der grotesk verpassten und vergebenen politischen Möglichkeiten sehe und es mit dem vergleiche, was die Merkelei und ihre Lobbypolitik angerichtet hat - nicht nur in Schland, sondern auch in der Gesamt-EU, die durch diese Politik ständig kujoniert worden ist und noch wird.

Das ganze Ausmaß des Schadens geht über die meßbaren Sachverhalte weit hinaus, wie man an einigen Leserkommentaren hier exemplarisch ablesen kann.

04.05.2019 10:43 Max W. - "Unsere Werte"... 29

@04.05.2019 10:11 Fragender Rentner (Wichtig ist dass die Profite für einige Wenige weiter sprundeln.)

Sie fassen die Tätigkeit "Unserer Politiker" völlig richtig zusammen - und das ganze inkonsistente, inkohärente und reaktionäre AfD-Geschwätz in den hier nachzulesenden Kommentaren erklärt auch zwanglos, warum die Lobbyisten der GroKo damit kurzfristigen politischen Erfolg haben. Ein Grossteil der Kommentatoren hat offenbar nicht einmal verstanden, worum es tatsächlich geht.

Es war die "SPD", mit(!!!) den Grünen, die ab 1998 eine neoliberale Klientelpolitik in diesem Land eingeführt hat. Es war die "C"DU, der das bestens in den Lobbykram gepasst und die diese Politik in der GroKo vollkommen skrupellos weitergeführt hat. In der Summe ergibt das 20 verschleuderte Jahre, Rückschritte auf allen gesellschaftlichen Feldern, erst recht im Bereich der Umweltpolitik und den Versuch, die Gesamtgesellschaft kulturell und damit kapitalgerecht zu desintegrieren.

04.05.2019 10:39 Historiker 28

Noch ein konkreter Vorschlag:
Supermärkte müssen ausweisen, woher ihre Produkte herangeschafft werden. Steuerermäßigung für Märkte, die regionale Produkte anbieten. Drastische Erhöhungen für Märkte, die z.B. vorgebackene Brötchen aus Warschau anliefern lassen und zum Niedergang des einheimischen Handwerks beitragen. Werbeslogans wie "Geiz ist geil" sollten eine Abmahnung nach sich ziehen.
Ein weiterer Vorschlag: Wiedereinführung der Lagerhaltung. Betriebe, die jedes Teil von einem billigeren Produzenten heranfahren lassen, sollten klar benannt werden. Damit könnte der LKW-Verkehr erheblich reduziert werden.