Coronavirus-Fallzahlen Mehr Tests nicht der Grund für steigende Infektionszahlen

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Nach einer wochenlangen Delle ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland wieder auf mehr als 1.000 pro Tag geklettert. Während im Frühjahr vor allem Menschen mit spezifischen Symptomen getestet wurden, sind die Testkapazitäten inzwischen deutlich ausgebaut. Es wird breiter getestet. Ausschlaggebend ist aber das Verhältnis von Tests zu positiven Befunden.

Corona Teststation Heideholz an der A17 - Frau beim Test
Inzwischen werden auch Menschen ohne spezifische Symptome getestet. Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Die Schlussfolgerung klingt logisch: Wir testen mehr Menschen, also entdecken wir auch mehr Corona-Infizierte. Tatsächlich sind die Kapazitäten seit Ausbruch der Pandemie stetig ausgebaut worden.

Verhältnis von Tests zu Befunden entscheidend

Laut Robert Koch-Institut konnten Mitte März, genauer gesagt in der zwölften Kalenderwoche, knapp 350.000 Menschen getestet werden. In der 32. Kalenderwoche, Mitte August, waren es schon mehr als 670.000. Dazu sagte Lothar Wieler, Präsident des RKI beim letzten Pressebriefing Ende Juli, die Testung sei natürlich wichtig und je mehr wir testeten, desto mehr würden wir auch finden. "Aber Sie müssen dabei eines im Blick haben: Mittwochs publizieren wir im Situationsbericht ja immer, wie viele Tests durchgeführt wurden und wir publizieren in dem Zusammenhang auch, wie viele Tests positiv waren", erklärt Wieler.

Dabei ergibt sich folgendes Bild: Von März bis April war der Anteil der positiven Befunde an allen Tests besonders hoch. Er lag bei fünf bis neun Prozent. Damals wurden die begrenzten Kapazitäten sehr zielgerichtet bei denen eingesetzt, die klare Symptome zeigten. Zugleich steckten sich aber auch besonders viele Menschen an. Lothar Wieler erklärt: "Das heißt also, das Verhältnis von Tests insgesamt zur Rate der Positiven ist für uns auch ein wichtiger Indikator, um herauszufinden, wie viele bei uns im Land wirklich infiziert sind. Daraus können wir auch Schätzungen ableiten."

Relativ gesehen mehr Fallzahlen

Nach April sank der Anteil der positiven Befunde stark ab auf zwischenzeitlich 0,6 Prozent aller durchgeführten Tests. Doch nun steigt die Rate wieder. Seit Anfang August fällt ein Prozent aller Testungen positiv aus. Es infizieren sich also auch relativ gesehen wieder mehr Menschen.

Dazu erklärt das RKI auf Nachfrage von MDR AKTUELL schriftlich, es gebe zahlreiche Gründe dafür, weshalb die Fallzahlen derzeit anstiegen. Dazu gehörten viele kleinere Ausbruchgeschehen in verschiedenen Landkreisen, die mit unterschiedlichen Situationen in Zusammenhang stünden, zum Beispiel mit größeren Feiern im Familien- und Freundeskreis, mit Freizeitaktivitäten, an Arbeitsplätzen, aber auch in Gemeinschafts- und Gesundheitseinrichtungen oder mit Reiserückkehrern.

Mehr Tests bedeuten nicht gleich mehr Infizierte

Zusammenfassend heißt das, es gibt keinen einfachen Zusammenhang zwischen den durchgeführten Testungen und den Infizierten. Mehr Tests können zu einem Anstieg der Fallzahlen führen, da auch mehr Infizierte entdeckt werden, die kaum Symptome haben.

Das bedeutet aber nicht, dass umgekehrt die steigenden Infektionszahlen nur mit dem höheren Testaufkommen erklärt werden können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 19. August 2020 | 08:38 Uhr

92 Kommentare

Felix vor 8 Wochen

Er hat das am 14.6.2020 im "Nachbericht aus Berlin" in der ARD gesagt - findet man u.a. auch bei Youtube. Seitdem hat sich nichts bedeutendes an der Fehlerquote getan - die Tests sind im Großteil alle älter.

Berggeist vor 8 Wochen

Das hängt von der Verbreitung des Virus(Prävalenz) innerhalb der getestet Gruppe ab. Bei einer geringen Verbreitung kann es sehr Wahrscheinlich sein ( deutlich mehr als 50 Prozent) das der Test falsch Positiv ist. Das heißt aber auch das er nicht falsch sein muss. Statistik und Wahrscheinlichkeitsrechnung sind leider manchmal doch komplex.

Berggeist vor 8 Wochen

Das kann sicherlich niemand und das ist auch nicht wirklich entscheidend. Entscheidender ist, wieviele Menschen erkranken und das tun ja zum Glück aktuell erfreulich wenige. Wozu man die ungezielte und für den Laien augenscheinlich planlose Testerei mit einem PCR Suchtest betreibt kann nur das RKI beantworten.