Zwei Männer laufen auf einem Firmengelände
Bildrechte: Olaf Kreiß

Dokumentation Freital 1992 und 2018

Zwei Männer laufen auf einem Firmengelände
Bildrechte: Olaf Kreiß

Als MDR-Autor Axel Kaspar 1992 den Film "Freitaler Talfahrt – Reportage aus einer bedrohten Region" drehte, waren die Aussichten für die sächsische Industriestadt schlecht. Die Zukunft des Edelstahlwerks stand auf der Kippe, viele andere Betriebe waren schon geschlossen worden. Menschen, die über Jahrzehnte schwer geschuftet hatten, sahen sich zum ersten Mal in ihrem Leben mit Arbeitslosigkeit konfrontiert. Von einst 38.000 Beschäftigten standen 15.000 sofort auf der Straße. Die Wendeeuphorie war längst verflogen. Angst vor der Zukunft schien das dominierende Thema bei den Protagonisten, die Axel Kaspar befragte.

Freital - damals und heute

Blick auf Freital
Axel Kaspar drehte 1992 einen Film in der sächsischen Industriestadt Freital. Nun ist er noch einmal dorthin gefahren. Damals stand die Zukunft des Edelstahlwerks auf der Kippe. Bildrechte: Olaf Kreiß
Blick auf Freital
Axel Kaspar drehte 1992 einen Film in der sächsischen Industriestadt Freital. Nun ist er noch einmal dorthin gefahren. Damals stand die Zukunft des Edelstahlwerks auf der Kippe. Bildrechte: Olaf Kreiß
Annett Höhe 1992. Eine junge Frau steht hinter einer Theke und schaut in Richtung Kamera.
Annett Höher war 1992 die Wirtin der Bahnhofsgaststätte in Freital-Deuben, in die die Stahlwerker nach Feierabend einkehrten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau hinter einem Thresen
Heute betreibt Annett Höher das Gasthaus "Zum Rabenauer Grund". Bildrechte: Olaf Kreiß
Ein Mann und eine Frau in einem Garten
Um Gaststätte und Familie selbst mit Fleisch und Eiern zu versorgen, haben sich Höhers eine kleine Landwirtschaft zugelegt. Bildrechte: Olaf Kreiß
Freitalerin Martina Bräuer 1992
Martina Bräuer war bis zu ihrer Kündigung 1992 BMSR-Technikerin im Freitaler Stahlwerk. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Eine Frau in einem Bad
Nach ihrer Kündigung sattelte sie um und wurde Altenpflegerin. Bildrechte: Olaf Kreiß
Zwei Frauen und ein Mann in einem Wohnzimmer auf einer Couch
Martina Bräuer mit ihren Kindern. Tochter Diana arbeitet in einer Pizzeria. Sohn Roman hat eine Werkstatt für Karosserie und Oldtimer. Bildrechte: Olaf Kreiß
Ein Betriebsgelände aus der Luft betrachtet
Das Edelstahlwerk in Freital hat heute 725 Beschäftigte. Nach der Wende wurden rund 3.000 Mitarbeiter entlassen. Bildrechte: Olaf Kreiß
Menschen demonstrieren
Peter Welzel organisierte 1992 als Betriebsrat u.a. die Besetzung des Stahlwerks und Demonstrationen für den Erhalt des Betriebes. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Männer laufen auf einem Firmengelände
Heute ist er immer noch Betriebsrat - hier im Gespräch mit Axel Kaspar (r.) auf dem Gelände des Edelstahlwerks. Bildrechte: Olaf Kreiß
Zwei Männer nebeneinander
Das Werk wurde Ende 1992 von Rüdiger Winterhager gekauft, einem Mittelständler aus Siegen. Er führt es bis heute. Bildrechte: Olaf Kreiß
Ein Arbeiter an einem Hochofen
700 verschiedene Stähle können die Freitaler Metallurgen herstellen. Bildrechte: Olaf Kreiß
Zwei Männer in blauer Arbeitskleidung
Stahlwerkschef Norman Koyro und Axel Kaspar unterwegs auf dem Betriebsgelände. Bildrechte: Olaf Kreiß
Drei Männer sitzen um einen Tisch vor einem Fotoalbum
Axel Kaspar im Gespräch mit Valon Zekej und dessen Vater. Die Familie kam 1992 aus dem Kosovo nach Deutschland. Valon arbeitet seit 2003 im Edelstahlwerk. Bildrechte: Olaf Kreiß
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Bemerkenswert und bedrückend ist die Aussage der damals 25-jährigenen Wirtin der Bahnhofskneipe von Freital-Deuben: Sie prophezeite einen deutlichen Rechtsruck, wenn das Problem Arbeitslosigkeit nicht in den Griff bekommen wird.

Eine Frau hinter einem Thresen
Die Wirtin Annett Höhe Bildrechte: Olaf Kreiß

Heute, 26 Jahre später, und auch vor dem Hintergrund des gerade abgeschlossenen Prozesses gegen die "Gruppe Freital", bekommen diese Worte eine ganz eigene Bedeutung. Was hat die Nachwendezeit mit dem Ort und den Menschen gemacht und diese mit ihm? Ist die Talfahrt von Freital vorbei? Axel Kaspar - vielen MDR Zuschauern immer noch ein Begriff als bekannter DDR-Fernsehmacher, der auch die Wende- und Nachwendezeit intensiv journalistisch begleitet hat - ist noch einmal nach Freital gefahren und hat einige der Protagonisten von damals wieder getroffen.

Die 1992 weit vorausschauende Wirtin hat eine andere Gaststätte und zwei Söhne; ein Biobauer ist ihr dritter Ehemann. Noch immer ist die ehemals begeisterte junge Pionierin und Geschichtslehrerin politisch sehr interessiert und sagt, was sie denkt.

Frau Bräuer, damals alleinerziehende Mutter mit zwei schulpflichtigen Kindern, gehörte zu den sehr schnell entlassenen 3.000 Mitarbeitern des Edelstahlwerks. Sie schulte zur Altenpflegerin um. In einem Pflegeheim ist sie nun mit den Sorgen anderer Menschen konfrontiert.

Ein Betriebsgelände aus der Luft betrachtet
Das Edelstahlwerk in Freital Bildrechte: Olaf Kreiß

Und nicht zuletzt das Edelstahlwerk. Nach der Wende fürchteten die Freitaler, dass die Treuhand das Werk liquidiert. Doch Ende 1992 fand sich ein neuer Eigentümer: Rüdiger Winterhager aus Siegen, ein Mittelständler. Was er an dem Werk besonders schätzt, ist die Zahl vieler guter Metallurgen. Er betont, „was das für ein Wert ist, wirklich auch gute Facharbeiter zu haben.“ Winterhager führt den Betrieb bis heute erfolgreich weiter. Nach wie vor ist es der größte Arbeitgeber der Stadt – mit nur noch, aber immerhin 725 Arbeitnehmern. Der Chef hat eine klare Vision für das Werk.

Jetzt von hier aus wirklich in der Welt zu bestehen. Und von hier aus wirklich die Besonderheiten für überall auf dieser Erde liefern zu können. Und daran glaube ich eben, dass das schaffbar ist.

Rüdiger Winterhager, Unternehmer

Eine Erfolgsgeschichte aus Freital. Von weiteren überraschenden und berührenden Erlebnissen berichtet Axel Kaspar in seiner Dokumentation.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | 01. Mai 2018 | 18:05 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Mai 2018, 18:19 Uhr

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