Adelino Massuvira
Adelino Massuvira kam als Vertragsarbeiter aus Mosambik in die DDR. Wie viele seiner Landsleute hat auch er einen Teil seines damaligen Lohns nie erhalten. Als Sozialarbeiter engagiert sich Massuvira heute für Flüchtlinge und Migranten. Außerdem setzt er sich für die Landsleute ein, die als Vertragsarbeiter ein ähnliches Schicksal wie er selbst hatten. Bildrechte: MDR Aktuell/ Julian Theilen

Ausstehender Lohn Mosambikanische DDR-Vertragsarbeiter fühlen sich betrogen

Sie sollten in der DDR den Arbeitskräftemangel beheben und als ausgebildete Fachkräfte nach Mosambik zurückkehren. Dort würde dann der volle Lohn ausgezahlt werden, so das Versprechen der damaligen Partnerländer. Passiert ist das bis heute nicht, obwohl der mosambikanische Staat wohl alle Gelder erhalten hat. Die geprellten Vertragsarbeiter hoffen nun auf Hilfe der deutschen Politik.

von Julian Theilen, MDR AKTUELL

Adelino Massuvira
Adelino Massuvira kam als Vertragsarbeiter aus Mosambik in die DDR. Wie viele seiner Landsleute hat auch er einen Teil seines damaligen Lohns nie erhalten. Als Sozialarbeiter engagiert sich Massuvira heute für Flüchtlinge und Migranten. Außerdem setzt er sich für die Landsleute ein, die als Vertragsarbeiter ein ähnliches Schicksal wie er selbst hatten. Bildrechte: MDR Aktuell/ Julian Theilen

Als Adelino Massuvira am 2.Dezember 1980 früh morgens in Berlin-Schönefeld landet, hat er keinen Grund zur Skepsis. Einige seiner Landsleute sind schon seit Monaten in der DDR und mit dem Lohn kommen die meisten gut aus. Auch Massuvira wird ein Konto eingerichtet. Zwischen 500 und 600 Mark der DDR* sollen hier monatlich eingezahlt werden und der Rest, so die Regierung, folgt später in Mosambik. Er folgte nie. "Im Nachhinein war das eine Täuschung. Man hat uns als junge Leute für dumm verkauft und uns um unser Geld gebracht", klagt der heute 59-Jährige.

Ausstehende Löhne: Geld wohl in Mosambik

Umgerechnet 5.000 Euro, rechnet Massuvira vor, würden ihm heute noch zustehen. Doch wo ist das Geld, das ab 1979 fast 20.000 Mosambikaner in die DDR gelockt hat? Lange hieß es, die DDR habe einen Teil der Summe einbehalten, um ihn mit den Schulden Mosambiks zu verrechnen. Wahrscheinlicher ist, dass der afrikanische Staat das Geld für die ehemaligen Vertragsarbeiter nicht ausgezahlt hat. Die Version des Auswärtigen Amtes, wonach alle ausstehenden Gelder nach Mosambik geflossen sind, bestätigt die mosambikanische Botschaft. Nach Rücksprache mit dem eigenen Arbeitsministerium gibt sie an, die Gelder seien auch an die ehemaligen Vertragsarbeiter weitergeleitet worden. 

Die letzte Hoffnung: Deutsche Diplomatie

Massuvira, in den 1980ern Gruppenleiter beim Fahrzeughersteller Simson, verneint das. "Ich kenne keinen einzigen ehemaligen Vertragsarbeiter, der seinen Lohn vollständig erhalten hat. An manche wurden 300-400 Euro gezahlt, an andere wiederum gar nichts. Die Vorgehensweise war total intransparent." Zusammen mit ehemaligen Kollegen ist er deshalb nach Berlin gereist, um sich bei deutschen Politikern Gehör zu verschaffen – und auch um seinen 18.000 Landsleuten zu helfen, die nach der Wende wieder nach Mosambik zurückgekehrt sind. Im Gegensatz zu ihnen sind Massuvira Rentenansprüche in Deutschland sicher.

Im Deutschen Bundestag trifft sich Massuvira mit Bürgerrechtlerinnen und Abgeordneten, die das Schicksal der mosambikanischen Vertragsarbeiter im Bundestag aufarbeiten lassen wollen. Für Gökay Akbulut von DIE LINKE habe Deutschland den Mosambikanern gegenüber eine moralische Verpflichtung, auch wenn alle Gelder überwiesen sein sollten: "Wir fordern die Bundesregierung auf, Druck auf die mosambikanische Regierung auszuüben und einen Dialog herzustellen." Das Abkommen zwischen der DDR und Mosambik sei ein Teil deutsch-deutscher Geschichte. 

Afrikabeauftragter Nooke winkt ab

Momentan sieht es jedoch nicht danach aus, dass die Bundesregierung bei Mosambiks Regierungschefs vorstellig wird. Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und jetzige Afrikabeauftragte der Bundesregierung Günter Nooke hatte bereits mehrfach abgewunken, für ihn läge die Verantwortung einzig bei Mosambik. Man habe viel Geld überwiesen, sagt Nooke, nun sei der südostafrikanische Staat am Zug.

Es geht ihnen auch um gesellschaftliche Anerkennung

Massuvira frustriert das, von mosambikanischen Behörden wurde er bislang immer nur vertröstet, eine für dieses Thema abgestellte Ansprechperson gebe es nicht. Es geht ihm aber nicht nur um das Geld, das merkt man, sondern auch um die Anerkennung für die Leistung aller Mosambikaner in der DDR. Viele hätten ihre Familien zurückgelassen, nach der Rückkehr wurden viele als Verräter beschimpft, so Massuvira. Er selbst ist nach der Wende im vereinten Deutschland geblieben, heute ist er Sozialpädagoge in Suhl und hilft Migranten bei der Eingewöhnung. Unterstützung, die er sich wohl auch für die Rechte seiner mosambikanischen Landsleute wünscht. 

Anmerkung der Redaktion vom 29.11.: In einer ersten Version dieses Textes hieß es, den Vertragsarbeitern wären "350 DM" überwiesen worden. Dies ist nicht richtig. Im Durchschnitt erhielten die mosambikanischen Vertragsarbeiter in Deutschland laut Massuvira einen Lohn von 1.000 DDR-Mark. 500 bis 600 davon wurden demnach überwiesen, der Großteil des Rests sei nach Mosambik gegangen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR AKTUELL | 26. November 2019 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. November 2019, 05:00 Uhr

25 Kommentare

Strafrechts-Profit-eur vor 1 Wochen

Ich finde, dass es sich der Nooke etwas sehr einfach macht.

Wenn es Teil des Vertrags zwischen der DDR und Mosambik war, dass die Vertragsarbeiter in Mosambik weiteren Lohn ausgezahlt bekommen, den die DDR dorthin überwiesen hat, dann ist es seitens Mosambik ein Vertragsbruch und zwar nicht nur gegenüber den eigenen Leuten, sondern auch gegenüber der damaligen DDR bzw. der jetzigen Bundesrepublik.

Hier bin ich der Auffassung, dass die BRD gegenüber Mosambik auf Vertragseinhaltung pochen und notfalls klar stellen muss, dass es für Mosambik nicht von Vorteil sein wird, wenn man sich diesbezüglich weiter weigert.

Eine andere Variante ist, die Bundesrepublik zahlt das Geld direkt an die Vertragsarbeiter und diese wiederum treten im Gegenzug ihre Gehaltsansprüche gegen ihr Land an die Bundesrepublik Deutschland ab.

Dann kann die BRD das Geld direkt von der mosambikanischen Regierung einfordern.

Etwas mehr Wille würde ich mir wünschen.

Ichich vor 1 Wochen

Nö. Wenn man 5 Sekunden nachdenkt, dann kommt man auch von alleine darauf, daß "ohne Gehalt" wohl kaum jemand in der DDR hätte überleben können. Es ist nur ein Teil des Gehalts mit Zahlungen/Warenlieferungen verrechnet worden.
Ich habe selbst die Kopie eines Besprechungsprotokolls auf Kombinat-/Betriebsleitungsebene gelesen, wo die Verantwortlichen die Regierung baten, die Anwerbung dieser Vertragsarbeiter einzustellen, wg. mangelnder Produktivität.

Esther R. vor 1 Wochen

Es gab und gibt also Vertragsarbeiter aus der dritten Welt, denen Deutschland kein Gehalt bezahlt hat? Das ist ein ziemlich unglaublicher Vorgang. Sind das dann nicht neuzeitige entrechtete Zwangsarbeiter?