Antisemitismus Hitlergruß an Synagogen-Denkmal: Täter muss 15 Monate in Haft

Ein Mann hat am Leipziger Synagogen-Denkmal den Hitlergruß gezeigt, während ein Team von MDR-exakt den Holocaust-Überlebenden Rolf Isaacsohn interviewte. Wegen dieser und weiterer Taten muss er nun ins Gefängnis.

Für das Zeigen des Hitlergrußes am Synagogen-Denkmal in Leipzig ist ein Mann zu 15 Monaten Haft verurteilt worden.  Das Amtsgericht sah es als erwiesen an, dass der 36-Jährige vor knapp zwei Jahren am Denkmal in der Gottschedstraße dem Holocaust-Überlebenden Rolf Isaacsohn den Hitlergruß gezeigt und die NS-Herrschaft verherrlicht hat. Dies geschah während der Dreharbeiten für einen Beitrag von MDR-exakt. 

Die Gefängnisstrafe gegen den 36-jährigen Haupttäter wurde am Dienstag wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (Hitlergruß) in Tateinheit mit Volksverhetzung und Beleidigung und in Tatmehrheit mit Diebstahl in vier Fällen zu einer Freiheitsstrafe verhängt, wie der Sprecher des Leipziger Amtsgerichtes gegenüber MDR-exakt bestätigte.

Holocaust-Überlebender ist erschüttert

Rolf Isaacsohn
Der Holocaust-Überlebende Rolf Isaacsohn während des Interviews mit MDR-exakt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Fall der beiden Männer hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt, sogar in Großbritannien wurde darüber berichtet. Im Oktober 2017 hatte ein Team von MDR-exakt an der jüdischen Gedenkstätte mit dem Holocaust-Überlebenden Rolf Isaacsohn ein Interview geführt. Als zwei Männer vorbei gingen, zeigte einer den Hitlergruß. Das exakt-Team war Augenzeuge. Anschließend provozierten die beiden Passanten und pöbelten.

Der Ehrenvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, Rolf Isaacsohn, zeigte sich nach dem Vorfall schockiert. "Ich muss sagen, dass ich innerlich zittere. Dass einer mit dem Hitlergruß vorbei geht. Mitten in der Öffentlichkeit. Für jeden sichtbar. Ich bin erschüttert", sagte Isaacsohn.

Bis zu drei Jahre Haft für Hitlergruß

Die Berichterstattung von MDR-exakt hatte entscheidend zur Aufklärung beigetragen, erklärte Polizeisprecher Loepki damals. Gegen den 23-jährigen Begleiter ermittelte die Staatsanwaltschaft wegen Beleidigung. Das Verfahren gegen den Mann läuft noch.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 25. Oktober 2017 | 20:15 Uhr