Hauptstraße in Langenleuba-Oberhain
Langenleuba-Oberhain: Hier schließt Ende Juli die hausärztliche Praxis. Bildrechte: MDR/Ronny Arnold

Praxis-Sterben in Sachsen Wie eine Gemeinde um die ärztliche Versorgung kämpft

Wenn Sie zum Arzt müssen – gibt es den noch bei Ihnen im Ort oder müssen Sie schon in die nächste Stadt fahren? Falls dem so ist: Sie sind nicht allein. Gerade in den ländlichen Gebieten ist der Ärztemangel mittlerweile Dauerthema. Und neue Schließungen stellen die Menschen vor Ort vor Probleme, wie Kurt Geisler aus Langenleuba-Oberhain in Sachsen berichtet. Er möchte wissen, wie es weitergehen soll mit der ärztlichen Versorgung in Oberhain – die unbedingt gesichert sein sollte.

von Ronny Arnold und Florian Barth, MDR AKTUELL

Hauptstraße in Langenleuba-Oberhain
Langenleuba-Oberhain: Hier schließt Ende Juli die hausärztliche Praxis. Bildrechte: MDR/Ronny Arnold

Langenleuba-Oberhain ist ein Ortsteil von Penig in Mittelsachsen, unweit der A72. Etwa 1.000 Einwohner zählt die kleine Gemeinde – und wer krank ist, geht zum Arzt direkt im Ort. So war das, über 40 Jahre lang – doch nun wird die Praxis Ende Juli geschlossen.

Betroffene Ärztin darf nichts sagen

Die Praxis betreten dürfen wir nicht. Auch die Ärztin vor Ort darf nichts sagen, sie ist nur angestellt: beim "Medizinischen Versorgungszentrum Rochlitz", kurz MVZ. Und das wiederum gehört zur "Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH". Auf ihrer Webseite verspricht die Klinik, "wohnortnah" und "individuell" zu sein, dazu "patientenorientiert". Doch wie passt das zur Schließung der Praxis in Langenleuba-Oberhain? Ein Interview lehnt die Geschäftsleitung ab. In ihrer schriftlichen Stellungnahme teilt die Klinik mit:

Die Praxisräume entsprechen insbesondere in baulicher Hinsicht nicht mehr den aktuellen Standards. (…) Die Verlagerung der ärztlichen Tätigkeit von Frau Krenz an die Hauptbetriebsstätte in Rochlitz ist eine strategische Entscheidung zur Weiterentwicklung unseres MVZ- bzw. Unternehmensverbundes.

Stellungnahme der Landkreis Mittweida Krankenhaus gGmbH

Eine strategische Entscheidung – zum Nachteil der Patienten vor Ort. Mit den aktuellen Standards sind etwa die sanitären Anlagen gemeint, die nicht mehr auf dem neuesten Stand seien.

Das Problem hätte man vielleicht lösen können, sagt Thomas Eulenberger, der zuständige Bürgermeister von Penig. Doch er habe erst im Frühjahr von der anstehenden Schließung erfahren – zeitlich zu knapp für eine praktische Lösung. Und: Gespräche mit der Klinikleitung wie auch dem Landkreis habe es zwar gegeben, zum Beispiel über mögliche finanzielle Hilfen für die Praxisräume, letztlich aber ohne Ergebnis.

Bürgermeister: Schließung zugunsten des Hauptstandorts

Für Eulenberger sind die angeführten Mängel am Ende nur vorgeschoben: Der Hauptgrund der Entscheidung liege darin, dass das MVZ in Rochlitz nicht ausgelastet sei und dass man durch die Konzentration eine Verbesserung der Situation am Standort Rochlitz schaffen wolle. "Und das zu Lasten eben des Standortes in Langenleuba-Oberhain. Und das werfe ich auch der Geschäftsleitung vor", kritisiert Eulenberger.

Tatsächlich wechselt die Ärztin aus Langenleuba-Oberhain nach Rochlitz. Ihre Patienten sollen sie ab August dort aufsuchen. Das ist aber gar nicht so einfach, meint Oliver Flemming. Der kommt aus Langenleuba-Oberhain, ist noch jung und mobil – und hat trotzdem, auch mit Blick auf die Älteren, 735 Unterschriften gegen die Schließung gesammelt. 

Gemeinde sucht neuen Arzt

Thomas Eulenberger, ein Mann mit grauen Haaren und Brille.
Bürgermeister Eulenberger Bildrechte: dpa

Flemming erklärt, dass es "schlichtweg unmöglich" sei, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem Arzt zu kommen: "Man ist dann auf Familienangehörige angewiesen, die einen dann zum Arzt fahren." Und die Patienten der Oberhainer Praxis müssten sich nun auf andere Ärzte in der Region verteilen - doch die seien bereits überlastet und würden größtenteils gar keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Das bestätigt auch der Bürgermeister. Thomas Eulenberger sucht nun nach einer neuen Lösung, ohne das MVZ.

Wir versuchen einen Arzt zu finden, der bereit ist, eine bestimmte Kapazität abzudecken.

Thomas Eulenberger Bürgermeister von Penig

Man sei dabei, habe sich Gedanken gemacht, könne aber noch keine Lösung präsentieren, bittet Eulenberger um Geduld. "Es wird eben eine Interimszeit geben, wo die Leute erstmal in der Luft hängen."   

Wie lange, ist momentan offen. Und auch, ob sich überhaupt ein neuer Arzt für Langenleuba-Oberhain finden lässt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 10. Juli 2019 | 05:00 Uhr

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5 Kommentare

11.07.2019 13:18 Willy 5

@ 3 ja so ist es nunmehr , wir müssen uns noch an ganz andere Dinge gewöhnen , schöne Heimat für uns s. 2015, wer den Mut und die Kraft hat sollte ganu schnell sich eine andere Heimat suchen , D. ist nicht mehr Lebenswert, leider !

11.07.2019 12:35 Bert-Sokolovski 4

Na toll!
Was will der ganze Müll von Bürgernähe oder die Dörfer nicht zurücklassen.
Alles nur ein bla.bla ,bla...
Ich hatte höhere Erwartungen und bin zutiefst entäuscht!

10.07.2019 10:55 Mane 3

Armes Deutschland! Unsere Deutsche Bevölkerung muss so viel negatives mitmachen und warum? Weil die Politik für Sie nichts übrig hat.Lieber Afrika viel geben.Wählt richtig.

10.07.2019 09:20 Fagaras 2

Bei dem Namen Kurt Geisler kamen bei mir gleich Erinnerungen hoch. Er war in der POS mein Chemielehrer (wenn es denn kein Namensvetter ist).
Das mit dem Arzt war in Oberhain auch früher kompliziert, zu meiner Zeit als Kind (1960'iger Jahre) kam ein Dr. Dorschner aus Penig tageweise in die hier benannten Praxisräume, die Wartezeiten waren lang. Immerhin fuhren wenigstens regelmäßig Busse nach Penig. Der ländliche Raum hatte es eben immer schon schwer. Jetzt sind wir über 50 Jahr weiter, aber der Fortschritt bleibt den Städten vorbehalten. Ich hatte Glück, ich wohne jetzt in einer ganz gut versorgten Kleinstadt in der Nähe von Dresden.

10.07.2019 05:39 Auf der Sonnenseite des Lebens 1

pfui Teufel an die Politik!

Da hat ja die SPD ganze Arbeit geleistet auf den Weg dahin!

Zentrale Dezentralisierung war das ausgegebene Motto der SPD!