Die Spitze der Dreikönigskirche
Das Kreuz der Dresdner Dreikönigskirche. Hier trifft sich die sächsische Landessynode regelmäßig. Bildrechte: dpa

Sachsen Strukturreform ist für evangelische Kirche Belastungsprobe

Seit Jahren kämpft die evangelische Kirche mit Mitgliederschwund, auch in Sachsen. Die Landeskirche hat deshalb einen Reformprozess in Gang gesetzt. Doch auf Gemeindeebene gibt es viel Kritik daran. MDR-Aktuell-Hörer Rainer Kolodzie kritisiert vor allem die schlechte Kommunikation zwischen Landeskirche und den Vorständen der Kirchgemeinden.

von Wolfram Nagel, MDR AKTUELL

Die Spitze der Dreikönigskirche
Das Kreuz der Dresdner Dreikönigskirche. Hier trifft sich die sächsische Landessynode regelmäßig. Bildrechte: dpa

Die Zahl der Kirchenmitglieder wird in den kommenden 20 Jahren von derzeit knapp 700.000 auf etwa 416.000 zurückgehen, so die Prognose des Landeskirchenamtes. Ursachen sind vor allem die Abwanderung der Jugend und der generelle Rückgang der Bevölkerung.

Kirchengemeinden werden immer kleiner

Das habe Konsequenzen, sagt Synodalpräsident Otto Guse. Er betont, dass sich alle darüber klar werden müssten: "Diese Kirche wird kleiner, die Ressourcen werden knapper und wir werden nicht mehr Pfarrer, mehr Gemeindepädagogen und mehr Kantoren haben. Wir werden da Stellen reduzieren müssen und das geht uns alle an."

Der Rechtsanwalt aus dem Vogtland engagiert sich ehrenamtlich in der sächsischen Landeskirche. Und weil er die Situation der Gemeinden vor Ort sehr gut kennt, setzt er sich für eine behutsame Strukturreform ein. Es gehe um Solidarität und die würden die einen erhalten und die anderen gewähren müssen. Solidarität sei auch das Prinzip der Landeskirche, erklärt Guse weiter.

Kritik am Umgang mit der geplanten Reform

Auch Landesbischof Carsten Rentzing kennt die Situation der gut 700 sächsischen Kirchgemeinden aus eigener Praxis. Schon während seiner Zeit als Pfarrer in Markneukirchen seien erste Reformschritte erfolgt, aber: "Dass wir zu schnell gehandelt, zu schnell vorgegangen wären, kann ich so nicht bestätigen." Seit 20 Jahren ist Rentzing jetzt im Dienst der sächsischen Landeskirche und solange beschäftige er sich auch schon mit diesen Fragen.

Doch seit jeher gibt es auch Kritik an den Reformen. Demonstrationen vor dem Tagungsort des Kirchenparlaments in Dresden haben immer wieder auf das Problem der Entfremdung durch größer werdende Kirchenbezirke und auch Gemeindeverbände aufmerksam gemacht.

Gespräche mit Beteiligten waren wichtig

Eine erste Vorlage des Landeskirchenamtes mit einem strafferen Zeitplan für radikale Strukturveränderungen war im Frühjahr 2017 von der Synode sogar abgelehnt worden.

Auch Rentzing habe für eine Verschiebung gestimmt, denn so hätte man die Möglichkeit gehabt, vor Ort mit den Beteiligten über die geplanten Strukturreformen zu sprechen. Auf den Bezirkssynoden, in den Kirchenbezirken, innerhalb der Pfarrerschaft und auch in den Gemeinden.

Er sei selbst durchs Land gereist, um auch mit den ehrenamtlichen Gemeindevorstehern über die Strukturreform zu sprechen, berichtet der Landesbischof. Deshalb verstehe er nicht die Kritik, dass man die Kirchengemeinden und -vorstände zu spät informiert habe.

Strukturreform noch nicht überall umgesetzt

Erst im Herbst 2018 konnte das Gesetz über die neuen Strukturen verabschiedet werden. Darin ist klar festgelegt wie die neuen Einheiten von bis zu acht Kirchgemeinden aussehen sollen. Es gebe zwar immer noch Kritik und Widerstand, sagt Rentzing, aber auch engagierte Mitarbeit vor Ort.

Viele Kirchengemeinden hätten schon die Verbindungsverträge miteinander unterschrieben, berichtet Rentzing. Dort könne man jetzt mit der inhaltlichen Arbeit starten, anstatt sich noch mit den Strukturfragen zu beschäftigen. "Andere sind noch auf dem Weg und wir hoffen sehr, dass wir das in sehr absehbarer Zeit dann zum Abschluss bringen können."

Oft einzige Begegnungsstätte auf dem Land

Das Landeskirchenamt und die Synode wollten ja eine verordnete Strukturreform vermeiden. Abschreckendes Beispiel sind die Gebietsreformen des Freistaates Sachsen mit riesigen Landkreisen und teils nicht mehr überschaubar großen Kommunen.

Die Kirche ist da oftmals die einzige Begegnungsstätte in den Dörfern ohne Läden, Post, Gasthaus oder Schule geblieben. Auch wenn der Pfarrer ein paar Orte weiter wohnt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 23. September 2019 | 06:21 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 05:00 Uhr

5 Kommentare

kennemich vor 4 Wochen

Heute Mittag kam bei ZDF/ARD auch eine Bericht von der kath. Kirche in BW und wie die auch mit Pfarrern/Pastoren zu kämpfen haben, die fehlen an vielen Stellen.

In BW können Frauen "Teile der Aufgaben" übernehmen.

Wie gesagt nut Teilaufgaben.

vtw vor 4 Wochen

Frage an den mdr - was hat der Artikel in der Rubrik "Politik" verloren?
Der Artikel ist doch besser in den Rubriken "Panorama" oder "Ratgeber" aufgehoben.

GerdMueller vor 4 Wochen

Wer Geld für Migrantenboote hat, der hat auch sonst keine Probleme. Es ist besser die evangelische Kirche tritt komplett zum Islam über, dann ist das Problem gelöst.
Mitleid habe ich mit diesem „Verein“ der seine eigenen Anhängern in die Irre führt nicht.
Baut das Kreuz auf den Kirchen ab und freut euch auf den Halbmond, ihr wollt es doch so.
Die Wahrheit tut weh, selbst schuld.