Statt Präsenzunterricht Sachsens Hochschulen bereiten sich auf digitale Lehre vor

Eigentlich soll am 6. April an den großen sächsischen Hochschulen der Lehrbetrieb wieder losgehen. Doch bis Anfang Mai ist jede Form von Präsenzunterricht ausgesetzt. Die Unis loten deshalb aus, inwieweit Vorlesungen und Seminare auch übers Internet stattfinden können.

Erik Maier ist seiner Zeit um ein paar Wochen voraus. Der Junior-Professor hält schon wieder Vorlesungen. Denn an der HHL, der privaten Handelshochschule Leipzig, hat das Studium bereits Mitte März wieder begonnen. Allerdings lehrt Maier nun anders als gewohnt.

"Seit Montag laufen eigentlich alle meine Vorlesungen online", sagt er. "Das läuft so, dass wir ein Programm haben, wo so eine Art Videokonferenz läuft, wo ich zugleich meine Kamera mit teilen kann, so dass die Studierenden mich und auch die Bildschirminhalte sehen, die ich gerade sehe. Und dann geht man so durch die Vorlesung durch."

Nächste Woche beginnt auch an den anderen sächsischen Hochschulen das Sommersemester. Und dann soll das Studieren dort ähnlich aussehen, sagt der Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz Klaus-Dieter Barbknecht. Zwar sei die Präsenzlehre verschoben - dennoch solle die Lehre wie geplant am 6. April beginnen:

"Wir versuchen, so viel wie möglich der Vorlesungen und Übungen, die wir normalerweise als Präsenzlehre abhalten, eben über digitale Medien, über das Internet zur Verfügung zu stellen."

Studierende digital oft fitter als Professoren

Seit mehreren Jahren gebe es einen Arbeitskreis E-Learning in Sachsen, sagt Barbknecht. Das komme den Hochschulen nun zu Gute. Die Herausforderung ist trotzdem groß: Es müssen alle mit der entsprechenden Software klar kommen. Und es stellt sich die Frage, ob jeder Professor mitzieht.

Oft sind Studenten viel internetaffiner als ihre Lehrer. Fabian Köhler sitzt als Studierendenvertreter im Arbeitskreis für die digitale Lehre an der TU Dresden. Es sei normal, dass die Studierenden immer mehr wollten als ermöglicht werde, sagt er.

"Aus meiner Erfahrung sind die Hochschullehrer, mit denen ich im Gespräch war, sehr engagiert dahinter das umzusetzen. Die wollen Lehre machen, dass die Studierenden viel lernen. Dass das jetzt eine Notsituation ist, in der man gezwungen ist, das Ganze etwas stärker voranzutreiben, ist ja auch eine Chance, dass man einfach mehr von diesen Formaten ausprobiert, sich mehr traut."

Grenzen des Digitalen

Das digitale Studium hat allerdings Grenzen. Praktika können derzeit nicht wie gewohnt stattfinden. Die Arbeit in Laboren ist nicht mehr möglich. Diese Einschränkungen sieht auch Hochschulrektor Barbknecht:

"Es kann nicht über die digitale Lehre ersetzt werden, dass ein Musiker mit seinen Lehrenden unmittelbar am Instrument arbeitet. Es kann nicht ersetzt werden, dass man als Künstler in dem Bereich mit Modellen arbeitet. Das sind viele Dinge, die schwieriger sind. Aber wir sind als Hochschulen sehr zuversichtlich, dass wir einen großen Teil des Semesters bewerkstelligen können. Und dann müssen wir uns angucken, wie wir das Semester weiter erfolgreich fortsetzen können."

Semester soll gewertet werden

Die praktischen Anteile des Studiums sollen in der zweiten Semesterhälfte nachgeholt werden. Und wenn die Corona-Epidemie länger dauert? Dann müsse man neu nachdenken, sagt Barbknecht. Notfalls könne man auch einzelne Prüfungen übers Internet abnehmen. Von der Idee, das Semester gar nicht zu werten, halte er jedenfalls nichts. Das bringe viele Studenten in Schwierigkeiten, die ihr Studium mühsam finanzieren.

"Wir sind drauf und dran, alles zu bewerkstelligen, dass das eben nicht passiert. Damit nichts verloren geht und wir trotzdem eine qualitativ hochwertige Ausbildung bieten können und wir natürlich dann auch Absolventen entlassen, die das können, was sie können sollen."

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. März 2020 | 05:00 Uhr