Geld und ein Modellauto liegen auf einem Bescheid über die Kraftfahrzeugsteuer
Seit September 2018 ist die Kfz-Steuer für neu angemeldete Fahrzeuge gestiegen. Bildrechte: dpa

Neues Prüfverfahren Höhere Kfz-Steuer für Neuwagen

Seit September 2018 gibt es ein verändertes Messverfahren für die Kfz-Steuer, das in ganz Europa angewendet wird. Das ist auch der Grund, warum für Autos, die seitdem neu zugelassen wurden, die Kfz-Steuer deutlich höher ausfällt.

von Theresa Liebig, MDR AKTUELL

Geld und ein Modellauto liegen auf einem Bescheid über die Kraftfahrzeugsteuer
Seit September 2018 ist die Kfz-Steuer für neu angemeldete Fahrzeuge gestiegen. Bildrechte: dpa

Der Vorwurf ist alt. Die meisten Autohersteller haben den Kraftstoffverbrauch ihrer Modelle über Jahre zu niedrig angegeben. Offizielle Messverfahren lieferten kein realistisches Bild. Das ist nun anders.

Neues Prüfverfahren ist realistischer

2017 sei ein neues Prüfverfahren etabliert worden, mit dem zum Beispiel der Kraftstoffverbrauch realistischer geprüft werde, erklärt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Man habe endlich ein realitätsnäheres Messverfahren, das zum Beispiel eine größere Höchstgeschwindigkeit und die Zusatzausstattungen berücksichtige. Durch dieses umfassendere Messverfahren sei der Treibstoffverbrauch auch 15 bis 20 Prozent höher als bei dem alten Verfahren.

Höhere Kfz-Steuer als Folge

Das hat auch Konsequenzen für die Autofahrer. Denn ein höherer Treibstoffverbrauch bedeutet auch eine höhere Kfz-Steuer – aber nur für Autos, die neu zugelassen werden. Wer sich also ein neues umweltfreundlicheres Nachfolgemodell kauft, zahlt eventuell deutlich mehr Kfz-Steuer.

Wie viel genau, dazu kann das zuständige Bundesfinanzministerium auf Anfrage von MDR AKTUELL keine Angaben machen. Erste Zahlen lägen erst im September vor.

Auch realistischere CO2-Werte

Arno Klare, verkehrspolitischer Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion, bestätigt die erhöhten CO2-Werte der Neuzulassungen. Für ihn ist wichtig, dass die Fahrzeuge in puncto Sauberkeit künftig immer besser werden. Denn in Zukunft würden die Neufahrzeuge geringere CO2-Werte haben, sagt er. "Wenn ich mir die Werte anschaue, sind die Steigerungen mit 70, 80 Prozent nicht so hoch wie befürchtet, sondern ich nehme eine Steigerungen zwischen 10 und 20 Prozent wahr."

Neue Werte im Preis spürbar

Doch auch diese 20 Prozent mehr CO2-Ausstoß können deutliche Auswirkungen auf die Kfz-Steuer haben. Nach Berechnungen des ADAC zahlt man beispielsweise für den Kleinwagen VW Up etwa 70 Prozent mehr Kfz-Steuer. 74 Prozent mehr sind es für einen Peugeot 508: statt 92 nun 160 Euro im Jahr.

Der ADAC fordert, die Steuer an die neuen Messwerte anzupassen und nicht die Kunden zu bestrafen, die neue Autos kaufen.

Kfz-Steuererhöhung bleibt unbemerkt

Zapfpistole steckt im Tankstutzen eines Autos
Autofahrer achten mehr auf die Benzinpreise als auf ihre Steuerabgaben. Bildrechte: imago/Martin Bäuml Fotodesign

Warum der Aufschrei der Autofahrer bislang ausbleibt, dafür hat Verkehrsexperte Ferdinand Dudenhöffer eine Erklärung. "Steuern werden in der Regel jährlich abgebucht und da merkt niemand ganz genau, wie hoch die Buchungssätze sind, man kontrolliert das nicht."

Bei der Kfz-Steuer sei die Preis-Sensibilität der Kunden deutlich geringer als zum Beispiel beim Tanken, ergänzt Dudenhöffer.

Höhere Einnahmen für Finanzministerium

Die neue Messmethode dürfte jedenfalls für ein deutliches Plus in der Kasse von Finanzminister Olaf Scholz sorgen. Momentan nimmt der Bund jährlich neun Milliarden Euro durch die Kfz-Steuer ein.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Juni 2019 | 05:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Juni 2019, 06:44 Uhr

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32 Kommentare

20.06.2019 02:13 Kalxdorf 32

Wie immer sind wir die Deppen. Die Autos verbrauchen jetzt noch immer genauso viel Sprit wie vorher, nur auf dem Papier nicht mehr. Und wir zahlen die Rechnung. Hauptsache wieder mehr Steuern einnehmen. :(

19.06.2019 11:07 Michael Haupt 31

Der Verkäufer hat kein Wort über diese neue Norm erwähnt. Schlimmer noch die Steuern sind um das 3 fache gestiegen, aber für die
Angaben die im Prospekt gemacht werden, wird der Hersteller nicht bestraft. Der Grandland wird deutlich niedriger im Spritverbrauch angegeben. Wenn ich das Fhz. mit 80kmh auf Landstr. Und max 130kmh auf der Autobahn bewege, kann ich ihn mit 9l Verbrauch fahren. Angegeben ist er mit 6,9-7,6L. Da hätte ich mir auch ohne weiteres einen stärkeren Motor kaufen können.
Es müssen alle Fahrzeuge nach der Norm besteuert werden. Egal ob neu oder alt. Dann ist es wenigstens gerecht. Aber unser Gleichheitsgesetz3 ist ja nicht real.

19.06.2019 07:46 DerIch 30

In der Einleitung des Artikels steht eigentlich alles drin, was man wissen muss: Der Vorwurf. Offizielle Messverfahren. Jetzt ist alles anders.

Autohersteller geben die Werte nach den politischen vorgegebenen offiziellen Messverfahren an.
Ändert sich das Messverfahren, sollte sich auch die Berechnungsgrundlage der Steuer(n) ändern, ansonsten ist es ein ganz mieser Trick (Messe ich meine Atemfrequenz beim Schlafen, oder beim Sprinten!?).

Mit Realisimus hat das vorher wie nachher nichts zu tun.

Der CO2 etc Ausstoß eines Autos ist vorher wie nachher gleich, aber Politiker und Öko-Populisten haben, wie bei vielen anderen Themen, wieder mal neue 'wissenschaftliche' Argumente.

Politiker und Öko-Populisten versuchen dem Bürger ihre Ideen mit verdrehter Logik schmackhaft zu machen - und viele fallen darauf herein.

19.06.2019 06:07 Stephan 29

@Anton ..308€ kfz Steuer? Kleintransporter oder Riesen-SUV?
Unsere Familienkutsche mit hohem Verbrauch kostet knapp die Hälfte davon.

Oder anders ausgedrückt, die richtigen Dreckschleudern sind noch nicht teuer genug .. davon ab, wer sich n GLS vor die Tür stellt braucht in aller Regel wegen laufenden Kosten nicht jammern!

18.06.2019 18:53 Kombi-Fahrer 28

@24, Klaus Schubert: "Warum all das Theater, Ihr alle seit doch fuer "climate chanche"!!!! "

Jaja, es lebe der Populismus.

Mal abgesehen von Sprit und Verbrauch - Wesentliche Kosten des Autos haben doch gar nichts mit dem Klima zu tun:

Zum Beispiel die hohen Anschaffungs- und Instandhaltungskosten. Da verdienen in erster Linie die Autohersteller und KFZ-Werkstätten dran. Die Leistung dafür oft mies.

Bringen Sie mal heute einen Wagen zur Reparatur. Selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist, wird da schon ein kleine Vermögen für fällig. Und in die werkstatt muss jeder Wagen irgendwann mal. Selbst wenn es nur ein kaputter Rückspiegel ist. Früher waren das Billig-Artikel, die trotzdem ihren Zweck erfüllt haben. Heute ist da oft ein Blinker und elektronik drin. Das ganze dann noch in einem teuren großen Gehäuse. Kostet ein Wahnsinns-Geld im Vergleich zu früher. Und es gibt noch wesentlich teurere Dinge an einem Auto. Mit Klima hat sowas nun gar nichts zu tun.

18.06.2019 18:42 Anton 27

@ 13 Denkschnecke - Sie haben noch vergessen, daß 2/3 von Treibstoffpreis auch Steuer ist. KFZ-Steuer bei mir 308 €, 2/3 von Tankpreis noch 1800 € pro Jahr. Reicht das immer noch nicht?

18.06.2019 17:30 Denkschnecke 26

Die Autoindustrie mit massivem Lobbyismus damals den NEFZ durchgedückt,und mit diesem den Normverbrauch (und damit der CO2-Ausstoß) viel kleiner gemessen als realistisch gegeben und dazu noch mit allen Tricks bei der Messung verringert. Anstatt dass sich der deutsche Autobesitzer nun freut, dass er jahrelang weniger KFZ-Steuer gezahlt hat als vom Gesetzgeber gemeint, meckern nun alle über eine vermeintliche Steuererhöhung.
Das ist so, als hätte ich jahrelang ohne Rechnung ein paar Euro dazu verdient, und jetzt soll ich die zukünftig verdienten plötzlich trotzdem versteuern... Abzocke?

18.06.2019 17:00 Thomas 25

@23
Das hätten Sie gern. Das einzige was passiert ist, dass Geringverdiener, die aufs Auto angewiesen sind, von flexibler Mobilität abgeschnitten werden und das alle länger ihre alten Autos fahren. Die die Autos mit vielen PS kaufen, können sich die leisten und zahlen die höheren Steuern so oder so. So verschwindet kein einziges Auto von der Straße ganz im Gegenteil.

18.06.2019 16:43 Klaus Schubert 24

Warum all das Theater, Ihr alle seit doch fuer "climate chanche"!!!!

Schafft das Auto ab und Ihr "tut' was fuer die Natur!!!

18.06.2019 15:34 Purzel 23

Die Verteuerung des Autofahrens (Co2-Steuer und höhere Kfz-Steuer) hat doch einen schönen Effekt. Viele werden sich das Autofahren bald nicht mehr leisten können. Also weniger Verkehr und mehr Platz auf der Straße. Ich freu mich darauf.