Waldsterben Die robuste Robinie: Der Baum für den Klimawandel?

Ein Baum aus Amerika als Retter für den deutschen Wald? Für viele ist die Robinie der Hoffnungsträger. Denn sie mag Hitze und Dürre und hat keine Probleme mit den üblichen Schädlingen. Doch es gibt ein Problem.

Noch nie ging es dem Wald schlechter. Nur knapp jede sechste Eiche oder Buche ist noch gesund, heißt es im aktuellen Waldzustandsbericht. Hitze und Trockenheit verursachen enorme Schäden in der Natur – nun steht der dritte Dürresommer in Folge an. Doch wie kann dem Wald geholfen werden?

Die Robinie ist "eine Art, die wir nicht vergessen dürfen", sagt Förster Uwe Häfker. Sie gilt vielen als neuer Star unter den Bäumen – gerade erst zum Baum des Jahres 2020 gekürt. Ihre Vorteile: Sie mag Hitze und kommt mit Dürre klar. Mit den üblichen Schädlingen hat sie keine Probleme. "Vielleicht bauen wir sie jetzt sogar mehr an als gedacht", sagt der LMBV-Förster (Lausitzer und Mitteldeutsche Braunkohle-Verwaltungsgesellschaft).

Denn viele Forstexperten empfehlen nun die Robinie zur Wiederaufforstung nach den Waldschäden durch Borkenkäferbefall und der Dürre. Ein gemischter Wald mit Robinien könnte vielerorts besser dem heißen Klima trotzen. Bislang steht diese Art nur auf 0,1 Prozent der Fläche.

Die Robine als Notlösung an der Goitzsche

Ursprünglich kam der Exot vor über 400 Jahren vom Mississippi nach Deutschland – nach Leipzig in den Botanischen Garten. Man bestaunte damals die gefiederten Blätter und die betörend duftenden Blüten.

Försterin Ramona Nicklick und Förster Uwe Häfker
Försterin Ramona Nicklick (links) und Förster Uwe Häfker im Robinienwald. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seitdem wächst die Robinie vereinzelt auch wild und wird in einigen Parks angepflanzt. Robinienwälder gibt es bislang nur im früheren Bergbaugebiet um Bitterfeld, dem Wald an der Goitzsche. "Die Aufforstung zu DDR-Zeiten war schwierig. Man musste nehmen, was man kriegen konnte", sagt Ramona Nicklich, die seit 1971 Revierförsterin an der Goitzsche war. Die Robinie wurde auch an den Böschungen gepflanzt um den Boden zu festigen.

Bei der Rekultivierung der Braunkohlehalden war jeder dritte Baum eine Robinie. Eigentlich war der Exot als Zwischenlösung gedacht, doch die Forste blieben so stehen und befinden sich heute im Besitz der Bundesstiftung Umwelt.

Keine Eichenprozessionsspinner und Borkenkäfer

Doch kann die Robinie helfen den Wald zu retten? "Ich denke schon", sagt die frühere Försterin Ramona Nicklich. "Eher als die Eiche, die auch Probleme mit dem Eichenprozessionsspinner hat. Das haben wir hier alles nicht." Vor ein paar Jahren habe es einmal eine Raupenart gegeben, aber das habe sich alles erledigt.

Das ist wichtig: Allein im vergangenen Jahr fielen Millionen Festmeter Fichten dem Borkenkäfer zum Opfer. Ein Problem, das es für die Robinie nicht gibt. Und: die Robinie kann sogar Brände überleben. Der Grund ist ihre Borke, die das Kernholz im Innern schützt.

Ein Nachteil der Robinie ist ihr schnelles Wachstum. Deshalb befürchten einige Experten, dass so heimische Baumarten verdrängt werden könnten. Aus Sicht von Försterin Ramona Nicklich müsse man sich da allerdings keine Sorgen machen. Im Wald an der Goitzsche wachsen unter den Robinien auch kleine Eschen, Ahorn und Weißdorn. Außerdem: "Manchmal werden sie noch froh sein, dass wir sie haben. Vielleicht steht sie eines schönen Tages alleine noch hier?"

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 03. Juni 2020 | 20:15 Uhr

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