Jüdisches Leben in Sachsen Beauftragter für jüdisches Leben: Positives Fazit nach zehn Monaten

Dass Deutschland ein Problem mit Antisemitismus hat, zeigen Studien und zuletzt der Anschlag auf die Synagoge in Halle. Um dem entgegenzuwirken, unterhält Sachsen, wie der Bund und andere Länder, einen Beauftragten für jüdisches Leben: Thomas Feist. Nach zehn Monaten Ehrenamt zieht er ein positives Fazit.

Mehrere Kippot liegen an einem Verkaufsstand in der historischen Altstadt.
Das jüdische Leben in Deutschland wird durch Antisemitismus beeinträchtigt. Bildrechte: dpa

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle hat gezeigt, dass Deutschland noch immer ein Problem mit Antisemitismus hat. Dazu kommen Studien, die einen Anstieg antijüdischer Ressentiments verzeichnen. Nicht zuletzt deshalb unterhält die sächsische Landesregierung – genauso wie der Bund und andere Länder – mittlerweile einen eigenen Beauftragten für jüdisches Leben. Thomas Feist, früher Bundestagsabgeordneter der CDU, hat das Ehrenamt seit einem dreiviertel Jahr inne.

Feist zieht positives Resümee

Dass Thomas Feist eine besondere Verbindung zu Israel und der jüdischen Kultur hat, ist kaum zu übersehen. In den Vitrinenschränken seines Büros liegt eine israelische Flagge, daneben Fotos von seinen Reisen. Der 54-Jährige war zudem lange Vorsitzender der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Leipzig. Nun also kümmert er sich um die Belange aller Jüdinnen und Juden in Sachsen. Wie fällt sein Fazit nach rund zehn Monaten aus? Insgesamt positiv, resümiert Feist. Das hänge aus Sicht der jüdischen Gemeinden damit zusammen, dass sie sich nicht mehr nur in eigener Sache selbst kümmern müssten. Das sei der große Vorteil, dass man einen Verbündeten an der Seite habe. "Richtung Staatsregierung ist der Vorteil, dass man sich in konzentrierter Form mit dem jüdischen Leben beschäftigen kann, ohne erst viele Stellungnahmen lesen zu müssen", sagt Feist.

Antisemitismus bleibt Problem

Die jüdischen Gemeinden in Sachsen pflichten ihm bei. Drei gibt es insgesamt – in Dresden, Chemnitz und Leipzig. Sie zählen etwa 2.500 Mitglieder. Nora Goldenbogen, Vorsitzende der Dresdner Gemeinde, lobt, dass man jetzt einen kurzen Draht zur Regierung habe. Und Landesrabbiner Zsolt Balla lobt vor allem das Netzwerk, das Feist sich in Sachsen aufbauen konnte. Balla zufolge sei es eine starke Sache, dass sie eine starke Position im Landtag und auf der politischen Ebene hätten. Die Zusammenarbeit mit Thomas Feist sei hervorragend.


Es gibt nur leider viel zu tun, nicht nur für das jüdisches Leben, sondern auch im Bereich Antisemitismus.

Zsolt Balla, Landesrabbiner

Das ist auch Feist bewusst. Deshalb analysiert er derzeit zusammen mit der angeschlossenen Expertenkommission antisemitische Vorfälle in Sachsen – sowohl diejenigen, die Eingang in die Kriminalstatistik finden, als auch das Dunkelfeld. Es geht ihm aber auch um eine generelle Sensibilisierung – von Schülern, Behördenmitarbeitern oder Medienvertretern zum Beispiel. An dem Tag des Anschlags in Halle habe Feist viele Anfragen von Medienvertretern erhalten, die gefragt hätten: Was ist heute eigentlich für ein Feiertag? Was machen die Juden da? "Das dann kurz erklären zu können, worum es da geht, dass man den Tag in der Synagoge verbringt, dass man da keine Handys dabei hat, das ist schon wichtig", sagt Feist.

Im Oktober hatte der CDU-Politiker zu einem ersten Netzwerktreffen geladen. Die jüdischen Gemeinden kamen, dazu rund 50 zivilgesellschaftliche Initiativen. Das Ariowitsch-Haus aus Leipzig zum Beispiel oder der Dresdner Verein Hatikva. Ein starkes Zeichen, findet Feist. Und Landesrabbiner Balla ergänzt, es gebe neben all den schlechten Nachrichten der letzten Zeit eben auch Gutes zu berichten. Er freue sich sehr, sich mit guten Menschen austauschen zu können und richtige Dialoge zu führen. Das habe sich sicher in letzter Zeit verstärkt.

Jüdische Belange auch politisch relevant

Als Beauftragter für jüdisches Leben konnte Thomas Feist auch im Koalitionsvertrag der künftigen Kenia-Koalition einige Punkte unterbringen. Ganz wichtig sei ihm, dass der Jugendaustausch gestärt werde. Deswegen würde sich die Koalition zum Aufbau eines Bildungswerks verpflichten. Auch solle es ein Betreuungsangebot geben.

Es soll die Position eines jüdischen Beauftragten institutionalisiert werden. Und dann wollen wir jüdische Kultur-Events auch finanziell stärker ausstatten.

Thomas Feist, Beauftragter für jüdisches Leben Sachsen

Welche Früchte er von seiner Arbeit ernten kann, wird sich noch zeigen. Erstmal ist Feist bis Ende 2020 berufen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Dezember 2019 | 05:00 Uhr

2 Kommentare

BorninGDR vor 38 Wochen

Da staune ich aber.
Hier kommen Zweifel durch.

BorninGDR vor 38 Wochen

Das abschießen der Türklinke ist eine naturwissenschaftliche Unmöglichkeit.
Aber das werden Sie zum Anschlag, dem sogenanntem, nicht sagen lassen ?