Sachsen War Karl Marx ein Rassist und Antisemit?

Viele Schulen und Straßen tragen seinen Namen: Karl Marx. Doch die linke Ikone war offenbar ein Rassist und Antisemit. Sollten deshalb die Denkmäler des berühmten Theoretikers abgerissen werden? 

Karl Marx 5 min
Bildrechte: MDR im Ersten

40 Tonnen schwer, über 13 Meter hoch – monumental steht er da, der Kopf von Karl Marx in Chemnitz. Es ist eines von einem knappen Dutzend Denkmälern für den großen Theoretiker des Sozialismus und Kommunismus. In Deutschland sind mehr als 500 Straßen und mehrere Schulen nach ihm benannt. Doch angesichts der weltweiten Rassismus-Debatte stellen auch hierzulande einige die Frage, ob das so bleiben sollte?

Unter einer Lupe ist der Titel ''Das Kapital, Kritik der politischen Ökonomie'' von Karl Marx zu lesen.
Eines der Hauptwerke von Karl Marx: Das Kapital. Bildrechte: imago/Winfried Rothermel

Denn offenbar war der linke Ikone Karl Marx ein Rassist und Antisemit. So heißt es in dessen Essay "Zur Judenfrage": "Welches ist der weltliche Grund des Judentums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus des Juden? Der Schacher. Welches ist sein weltlicher Gott? Das Geld."

Es ist nicht der einzige Beleg: Auch in seinem Hauptwerk "Das Kapital" schreibt Karl Marx, dass Waren "in der Wahrheit Geld, innerlich beschnittene Juden sind, und zudem wundertätige Mittel, um aus Geld mehr Geld zu machen".

Monument in Chemnitz Ausdruck deutscher Geschichte?

In einem Brief schreibt Marx über seinen Schwiegersohn wegen dessen kubanischer Mutter als "Abkömmling eines Gorillas". In einem anderen Brief bezeichnet er den Arbeiterführer Ferdinand Lassalle, den er kurz zuvor erfolgreich um Geld angebettelt hatte, als "jüdischen Nigger Lassalle". Weiter heißt es: "Es ist mir jetzt völlig klar, dass er, wie auch seine Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von Negern abstammt. [...] Nun diese Verbindung von Judentum und Germanentum mit der negerhaften Grundsubstanz müssen ein sonderbares Produkt hervorbringen."

Straßenschild Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln
Viele Straßen, öffentliche Plätze und auch Schulen sind nach Karl Marx benannt. Bildrechte: imago/Steinach

Dass Karl Marx ein Rassist war, hat der Publizist und Verleger Wolfram Weimer kürzlich in einer Kolumne herausgearbeitet: "Aus den Schriften von Marx wird so eklatant deutlich, dass er ein Menschenverachter war." Und obwohl solche Äußerungen aus einer vergangenen Epoche nicht allein mit heutigen Maßstäben beurteilt werden könnten, gibt es auch dabei Unterschiede. "So rassistisch wie Marx war ein Goethe nie, einfach weil er ein Menschenfreund war."

Aktivisten zerstören weltweit Denkmäler von Rassisten

Aufgrund der derzeitigen "Black Lives Matter"- Bewegung zerstören derzeit Aktivsten in der westlichen Welt Denkmäler tatsächlicher oder vermeintlicher Rassisten. In Amerika werden Kolumbus-Denkmäler geköpft oder niedergerissen, in England sind Kolonialisten-Statuen zerstört oder in Hafenbecken geworfen worden. Es werden George Washington, Immanuel Kant und Otto von Bismarck beschimpft.

Doch was das heißt das nun für das Karl-Marx-Monument in Chemnitz, das zwischenzeitlich sogar Karl-Marx-Stadt hieß? Das Denkmal ist Ausdruck einer düsteren Epoche deutscher Geschichte. Deshalb habe es seine Existenzberechtigung, findet Wolfram Weimer. Etwas anders als in Sachsen sei es im rheinland-pfälzischen Trier. In der Geburtsstadt von Karl Marx wurde vor zwei Jahren ein Marx-Denkmal eingeweiht. Die fünf Meter hohe Skulptur ist ein Geschenk der Volksrepublik China. Sowohl der Spender als auch das Denkmal selbst waren und sind umstritten.

Weimer: Karl-Marx-Figur sollte zurück nach China

"Die Volksrepublik China hat Trier ein Riesendenkmal von Karl Marx geschenkt. Das halte ich für einen Skandal, weil es die größte Parteiendiktatur der Welt ist", sagt Wolfram Weimer. Aus Sicht des Publizisten sollte die Figur den Chinesen zurückgegeben werden. Denn "für eine liberale Demokratie wie die Bundesrepublik, die die Menschenrechte hoch schätzt", sei so eine Schenkung nicht angemessen.

Dagegen verteidigt der Baudezernent der Stadt Trier, Andreas Ludwig, das Denkmal. "Zum 200. Geburtstag hat man sich in Trier entschieden, das zu machen. Und das hat sich bewährt, auch wenn heute Columbus umgeschmissen wird in Amerika und wenn vieles in Frage gestellt wird." Karl Marx sei der bekannteste Trierer und man sollte darüber nachdenken – "im Guten und im Schlechten, distanziert euch von den Fehlern und versucht, aus den positiven Aspekten zu lernen."

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 08. Juli 2020 | 20:15 Uhr

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