Skandal in Oldenburg Tierquälerei in Schlachthof: Keine Konsequenzen für Amtsveterinäre

Die Stadt Oldenburg sieht auf Anfrage von "FAKT" keine Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten ihrer Mitarbeiter. Befragung und Auswertung des Videomaterials hätten keine Anhaltspunkte ergeben, heißt es.

Noch immer gibt es keine Konsequenzen für die Amtsveterinäre der Stadt Oldenburg, die auf von Tierschützern gemachten Aufnahmen ganz offensichtlich an Tierquälereien in einem Schlachthof beteiligt waren oder diese zumindest geduldet haben. "FAKT" zeigte am 20. November exklusive Aufnahmen aus der Oldenburger Standard-Fleisch GmbH & Co. KG.

Der Verein "Deutsches Tierschutzbüro" hatte verdeckt die Zustände in dem mittlerweile geschlossenen Schlachthof gefilmt. Zu sehen ist, wie Schlachtrinder gequält wurden. Unter anderem wurden die Tiere mit Elektroschockern malträtiert, es ist zu sehen, wie brutal auf sterbende Tiere eingestochen und getreten wurde.

Vor der Veröffentlichung der Aufnahmen zeigt "FAKT" die Aufnahmen dem zuständigen Veterinäramt Oldenburg. Dessen Leiter Paul Morthorst zeigt sich entsetzt. Er erklärt, Übergriffe dieser Art würden nur stattfinden, wenn kein Amtskontrolleur vor Ort ist. Das allerdings stimmt nicht. Zunächst vermuten die Tierschützer dass die Personen, die bei den aufgenommenen Quälereien dabei stehen und teilweise sogar aktiv beteiligt sind, Amtsveterinäre der Stadt Oldenburg sind. Die Stadt bestätigt FAKT schließlich, dass auf dem Videomaterial tatsächlich drei Amtstierärzte zu sehen sind.

Nachfrage bei der Stadt Oldenburg

Eine Woche nach Ausstrahlung des Beitrags fragt "FAKT" in Oldenburg nach, welche Konsequenzen sich für die Mitarbeiter des Veterinäramtes ergeben. Man braucht eine gute Woche für eine knappe Antwort. Zum einen könne man sich aufgrund der bei der Staatsanwaltschaft eingegangenen Strafanzeigen nicht mehr äußern.

Zum anderen habe die Sichtung des weiteren Videomaterials und eine Befragung der betroffenen Veterinäre im Ergebnis keine neue Bewertung ergeben. Nach Auswertung der Videosequenzen bleibe man dabei, "... dass keine Anhaltspunkte für ein Verhalten des städtischen Aufsichtspersonals erkannt wurden, das sich als Duldung tierschutzwidrigen Vorgehens von Schlachthofmitarbeitern erweisen könnte."

Approbationsentzug: Tierärztekammer verweist auf Strafrecht

Laut Bundestierärzteordnung kann die Approbation, also die rechtliche Grundlage zur Ausübung des Tierarztberufes, wegen Unwürdigkeit oder Unzuverlässigkeit zur Ausübung des tierärztlichen Berufes entzogen werden. Anfragen an die  Bundestierärztekammer und die Tierärztekammer Niedersachen ergeben aber, dass ein etwaiger Entzug der Approbation als Tierarzt immer eine strafrechtliche Verurteilung voraus setzt. Berufsrechtliche Maßnahmen könnten erst dann ergriffen werden, wenn der Staatsanwalt rechtskräftig ein schuldhaftes Verhalten feststellt.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 20. November 2018 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. Dezember 2018, 15:26 Uhr