Aus für 1- und 2-Cent-Münzen? Kinderhilfswerk fürchtet ohne Kleingeld um Einnahmen

Ein- und Zwei-Cent-Münzen kosten in der Herstellung mehr, als sie wert sind, sie machen das Portemonnaie schwer, und beim Bezahlen an der Kasse dauert es länger. Die EU-Kommission prüft einen Vorstoß, die Mini-Münzen europaweit abzuschaffen. Doch viele sehen das kritisch. So fürchten etwa Hilfsorganisationen um Spendeneinnahmen.

Kleingeld
In den Jahren 2016 und 2017 gaben die Euro-Länder jeweils rund 3,6 Milliarden 1-Cent- und 2-Cent-Münzen aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Hilfsorganisationen sehen Pläne zur Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen kritisch. Das Deutsche Kinderhilfswerk etwa befürchtet einen deutlichen Spendenrückgang. Sprecher Uwe Kamp sagte MDR AKTUELL, im letzten Jahr habe man über Spendendosen in über 40.000 Geschäften, Banken oder Apotheken rund 1,6 Millionen Euro eingenommen

Nach Angaben des Kinderhilfswerks stammt ungefähr ein Viertel seiner Einnahmen aus Spendenbüchsen mit  Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Daher sehe man Bestrebungen, diese Kleinmünzen abzuschaffen mit großer Sorge. Wenn das Münzvolumen deutlich sinke, drohten Spendendosen womöglich ganz zu verschwinden.

Grüne: Kleine Münzen sind Ressourcenverschwendung

Eine Hand steckt eine Ein-Euro-Münze in eine Geldsammelbüchse.
Ungefähr ein Viertel der Spendeneinnahmen des Kinderhilfswerks sind kleine Cent-Münzen. Oft ist es das Rückgeld beim Bezahlen an der Kasse, das in der Spendendose landet. Bildrechte: dpa

Dagegen unterstützen die Grünen im Bundestag seit Langem die Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Fraktionsvize Oliver Krischer nannte den Vorstoß der EU-Kommission längst überfällig.

Allein in  Deutschland würden jedes Jahr über eine Milliarde Münzen geprägt, die dann in den Schubladen verschwänden. Das Prägen sei unglaublich teuer.  Krischer spricht von einem größeren zweistelligen Millionenbetrag. Durch die Ein- und Zwei-Cent-Münzen würden unnötig Ressourcen verschwendet.

Debatte im Europaparlament

Europaweit wird seit Jahren über eine Abschaffung des Kleingelds diskutiert. Einige Staaten verzichten bereits darauf, so haben die Niederlande, Belgien und Finnland Rundungsregeln bereits eingeführt. Im Einzelhandel gelten dort Fünf-Cent-Schritte: Kommt die Rechnung zum Beispiel auf 2,93 Euro und man gibt 2,95 Euro, bekommt man kein Rückgeld. Bei einem Betrag von 2,92 Euro reicht es, 2,90 Euro auf den Tresen zu legen.

Auch der CDU-Europaabgeordnete Jens Gieseke sprach sich für die Abschaffung der Mini-Münzen aus. Er sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass das Runden aber nur bei Bar- und nicht bei Kartenzahlung gelten sollte.

CSU und Linke skeptisch

Dagegen warnen Kritiker vor Preiserhöhungen und einem Aus für das Bargeld überhaupt. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber mahnt, das Vorhaben der EU-Kommission müsse "alle Alarmglocken schrillen lassen".  Hier dürfe keinesfalls der Einstieg in den Bargeldausstieg vorbereitet werden.

Der Fraktionschef der Linken im Europaparlament, Martin Schirdewan, hat ebenfalls Vorbehalte: So störend für viele die Ein- und Zwei-Cent-Münzen im Alltag seien, es müsse sichergestellt sein, dass die Verbraucherpreise durch die Abschaffung der Münzen nicht stiegen. Nur unter dieser Bedingung könnte er einen solchen Vorschlag unterstützen.

Ein weiterer allgemeiner Kritikpunkt ist, dass bei einer kompletten Umstellung auf digitalen Zahlungsverkehr der Bürger und Konsument besser kontrolliert werden kann und mit dem Bargeld auch Zugriff und Verfügungsgewalt über seine Finanzen verliert.

Bundesbank: Noch ein weiter Weg

Nach Angaben der Bundesbank sollen 2020 allein in Deutschland kleine Münzen im Wert von 621 Millionen Euro hergestellt werden. Bis zu einem möglichen Aus für das Klimpergeld wird es aber wohl noch dauern. Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann sagte MDR AKTUELL, bislang werde darüber vor allem medial diskutiert:

Wir werden erst einmal in aller Ruhe abwarten, wie sich das Arbeitsprogramm der Kommission dann auch tatsächlich darstellt. Und ich glaube, wir dürfen auch nicht vergessen, dass es in diesem Land immer noch genügend Menschen gibt, bei denen es tatsächlich auf jeden Cent ankommt.

Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 29. Januar 2020 | 09:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2020, 09:25 Uhr

53 Kommentare

MDR-Team vor 3 Wochen

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CrizzleMyNizzle vor 3 Wochen

Ach so, weil ihr erstes "Argument"/Posting entkräftet wurde hauen Sie gleich noch was neues raus?
Frage: gehts uns schlechter als Menschen mit niedrigeren Strompreisen? Selbst unsere Wirtschaft kommt damit klar, sogar sehr gut.
Wo wohnen Sie dass Sie von höchsten Mieten sprechen? Mein Vermutung, zahlen Sie nicht - aber meckern.

CrizzleMyNizzle vor 3 Wochen

"Nur zu, wenn es einmal (vor kurzen war es bald soweit) zu einem Blackout kommt, wie zahlen Sie dann?"
wie viel Bargeld horten Sie denn so, dass Sie im Falles eines Blackouts noch flüssig sind?
Ich verrate Ihnen was, das Geld wird nicht lange reichen und neues Geld können Sie auch nicht besorgen. Hängt ja davon ab wie lange ein Blackout dauert.
Ach ja, wenn es keinen Strom gibt, verkauft auch ein Kaufland nichts - ohne IT/Kassensysteme und Strom (Achtung Kühltruhen) gibts auch keinen Supermarkt.
Da ist es cleverer ein halbes Duzend Stangen Kippen auf lager zu haben ;)