Klimaschutz Zeitz
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Kohleausstieg Kohleregion: Gibt es Argumente gegen den Klimaschutz?

Eine zentrale Forderung der "Fridays for Future"-Bewegung: Kohleausstieg bereits 2030. Die meisten Regionen, die davon betroffen wären, liegen in Ostdeutschland. Doch wie sehen das die Menschen, die dort leben?

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Es begann an einem Freitag in Schweden. Vor knapp einem Jahr verweigerte Greta Thunberg das erste Mal den Unterricht und streikte vor dem Stockholmer Reichstagsgebäude für das Klima. Inzwischen ist die 16-jährige Schwedin die Galionsfigur einer Bewegung, die jeden Freitag Hundertausende junge Menschen auf die Straße treibt.

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Organisiert in Leipzig die Demos von "Fridays for Future" mit: Sophia Salzberger. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine Kernforderung von "Fridays for Future" ist der Kohleausstieg bis 2030. Das bedeutet Veränderung vor allem im Osten Deutschlands, dort befinden sich sieben von insgesamt zehn aktiven Kohlerevieren. Wie sehen die Bewohner dieser Regionen die Forderung der jungen Klima-Aktivisten?

Inzwischen streiken auch viele Schüler aus Leipzig für eine Veränderung der Politik. Sophia Salzberger ist von Anfang an dabei. Die 18-Jährige, die gerade Abitur gemacht hat, organisiert die Leipziger Demos mit. Mit der Kohle soll nicht erst 2038 Schluss sein, wie es der Bund beschlossen hat, sagt die junge Leipzigerin:

Kohleausstieg ist wichtig und es ist wichtig, dass darunter nicht die leiden, die sozusagen die Räder im Getriebe sind.

Sophia Salzberger Organisatorin "Fridays for Future" in Leipzig

Klima-Aktivistin diskutiert mit Zeitzern

Diese Räder, das sind etwa 7.000 Arbeitsplätze, die allein rund um den Tagebau Profen – direkt oder indirekt – von der Braunkohle abhängen. Die Betroffenen sehen Forderungen nach einem noch früheren Kohleausstieg als 2038 skeptisch. Deshalb will Sophia Salzberger mit ihnen diskutieren.

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Sophia Salzberger diskutiert mit Zeitzern über den Kohleausstieg. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Klimaschutz schön und gut, "aber was bringt uns das, wenn die Region dann völlig ausgestorben ist", sagt Vanessa Schäfer. Die junge Frau absolviert eine Ausbildung bei der Mitteldeutschen Braunkohlegesellschaft (Mibrag). Aus ihrer Sicht solle die Wirtschaft erst die Jobs in der Region retten und danach sehen, dass Klimaschutz betrieben werde.

Auch die wenigen anderen größeren Betriebe in der Region, wie etwa Südzucker, könnten kein Ersatz sein, ergänzt Yvonne Lämmchen. Der Handwerkerin, die mit Zulieferbetrieben für die Mibrag zusammenarbeitet, fehlen neue große Betriebe, die neue Arbeitsplätze schaffen.

Arbeitsmarkt in Zeitz – seit der Wende problematisch

Allerdings: Der Arbeitsmarkt ist in Zeitz schon seit Anfang der Neunziger Jahre ein Problem. "Wenn die Wende nicht gekommen wäre, wäre das nicht so weit runter gegangen", sagt die Zeitzerin Christa Schmidt. Viele Geschäfte in der Innenstadt sind geschlossen, viele Gebäude verfallen.

"Das Thema Wirtschaft und Arbeitskraft war hier also schon jahrelang ein Thema und ein Problem“, sagt Sophia Salzberger und ergänzt: „Und es wurde jahrelang weitestgehend ignoriert." Deswegen halte sie es nicht für vertretbar, dass darunter der Klimaschutz und so auch kommende Generationen zu leiden hätten.

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"Wir müssen ja an unsere Jugend denken – und die muss vorangehen", sagt Heidi Blumentritt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Rentnerin Heidi Blumentritt fürchtet, nach dem Ende des Kohleabbaus wird es in ihrer Stadt noch trostloser sein. Nur noch rund 25.000 Leute leben in Zeitz - viele davon Senioren. Allerdings ist ihr auch klar: Ein "Weiter so" ist nicht möglich.

Sophia Salzberger hat für all die Bedenken Verständnis. Trotzdem: All das seien keine Argumente gegen den Klimaschutz. Die "Fridays for Future"-Aktivistin sieht sowohl die Politik als auch das Bergbauunternehmen in der Pflicht. "Die Mibrag hat ja auch ein Interesse, weiter zu bestehen, vielleicht unabhängig von der Kohle. Dann wird es vermutlich auch andere Jobs geben." Rentnerin Heidi Blumentritt stimmt der jungen Frau zu: Der Kohleausstieg muss sein. Denn "wir müssen ja an unsere Jugend denken – und die muss vorangehen."

Fridays for future ktivisten im Dialog mit Zeitzerm 7 min
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Exakt Mi 31.07.2019 20:15Uhr 07:17 min

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 31. Juli 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2019, 22:03 Uhr