Injektionsspritzen
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Reaktionen auf Spahns Vorschlag Landesärztekammern: Zu wenig Personal für Reihenimpfungen an Schulen

Impfen ist am Mittwoch Thema im Bundeskabinett. Gesundheitsminister Spahn will eine Masern-Impfpflicht und mehr Reihenimpfungen an Schulen. Doch dafür gibt es nicht genügend Personal, sagen mitteldeutsche Ärztekammern.

von Raja Kraus

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Für Impfungen an Schulen fehlt Gesundheitsämtern in Mitteldeutschland das nötige Personal. Das sagten die Landesärztekammern in Sachsen und Thüringen dem MDR-Magazin "Hauptsache Gesund". Sie reagieren damit auf den Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der neben der Masern-Impfpflicht auch vorsieht, verstärkt freiwillige Reihenimpfungen an Schulen anzubieten. "Wenn diese Aufgabe durch Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes übernommen werden sollte, steht auf jeden Fall das Problem des Fachkräftemangels dagegen", sagte Ulrike Schramm-Häder, Sprecherin der Landesärztekammer Thüringen. Auch in Sachsen fehle den Gesundheitsämtern schon jetzt das Personal. "Außerdem sind in den Schulen Räumlichkeiten erforderlich, die dem Hygienestandard für Impfräume entsprechen",  sagte Petra Albrecht, Vizepräsidentin der Sächsischen Landesärztekammer und Leiterin des Gesundheitsamtes Meißen.

Zustimmung aus Sachsen und Thüringen

Jens Spahn
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Grundsätzlich befürworten die beiden Landesärztekammern Spahns Pläne der Einführung einer Masern-Impfpflicht für Bewohner und Mitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften und für Tagesmütter: "Je mehr Menschen geimpft sind, umso größer ist der Schutz für diejenigen, die nicht geimpft werden können", sagte Albrecht. 

Kritik aus Sachsen-Anhalt

Die Landesärztekammer Sachsen-Anhalt sieht die Pläne zur Masern-Impfpflicht hingegen kritisch. "Wenn eine Impfpflicht politisch gewollt und realistisch durchsetzungsfähig ist, sollte sie alle Impfungen einbeziehen und sich nicht nur auf Masern im frühen Kindesalter beschränken" sagte Gunther Gosch gegenüber "Hauptsache Gesund". Gosch ist Kinderarzt und Vorstandsmitglied der Ärztekammer Sachsen-Anhalt. Allerdings zeige sich auch, dass in Ländern mit sanktionsbewährter Impfpflicht die Impfquote nicht höher sei als in Ländern ohne Impfpflicht. Es hätten sich auch Nachteile gezeigt: "Impfungen, die keiner Pflicht unterliegen, werden als weniger wichtig empfunden", sagte Gosch.

Auch Cornelia Betsch führt dieses Argument an. Die Professorin für Gesundheitskommunikation mit dem Schwerpunkt Impfentscheidungen an der Universität Erfurt konnte in einer Studie vom Februar 2019 zeigen, dass impfkritische Menschen sich ihre eingeschränkte Entscheidungsfreiheit bei einer verpflichtenden Impfung später zurückholen. Bei freiwilligen Impfungen impften sie dann eher nicht. Solche Effekte befürchtet Betsch auch bei der von Gesundheitsminister Spahn angedachten Impfpflicht für Masern.

Einzelimpfstoff nicht verfügbar

Ein weiteres Argument gegen eine ausschließlich auf Masern beschränkte Impfpflicht sieht sie in der gegenwärtig üblichen Verwendung eines Dreifachimpfstoffs gegen Masern, Mumps und Röteln. "Bei einer teilweisen Impfpflicht müsste ein Einzelimpfstoff verfügbar gemacht werden, der derzeit in Deutschland nicht auf dem Markt ist", erklärt Betsch. "Es wird schon logistisch nicht möglich sein,  eine Impfpflicht nur gegen Masern mit Maserneinzelimpfstoffen umzusetzen", sagte auch Kinderarzt Gunther Gosch.

Sowohl die Wissenschaftlerin Betsch als auch der Kinderarzt Gosch plädieren vor allem für Aufklärungskampagnen und impfmedizinische Wissensvermittlung.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Aktuell | 17. Juli 2019 | 10:55 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2019, 05:00 Uhr

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3 Kommentare

17.07.2019 11:59 Willy 3

klasse aber zu DDR- Zeiten hatten wir genügend davon , unsere Kinder sind alle in der Schule geimpft , schönes D. heute ...........na ihr Gutmenschen welche Gesellschaft war den nunmehr besser ??

17.07.2019 11:08 Wo ist das Lobbyregister? 2

Ach, was soll das für einen Sinn haben, die "Vorstösse" des Pharmalobbyisten und Ministerdarstellers Spahn einzeln je nach Erscheinungsdatum zu kommentieren.

Es fehlt vorne, es fehlt hinten, es fehlt in der Mitte. Spahn hat dennoch nicht vor, Grundsätzliches zu ändern - er möchte seine Lobbyklientel weiterbedienen, er möchte politischen "Aktionismus" ohne faktischen Gehalt inszenieren, er schlägt medialen Schaum ohne irgendeinen festen Kern - mit einem Wort: Spahn ist nur ein weiteres Geschöpf der Ära Schröder/Merkel.

Ich bin das Geschwätz dieser Sorte Politikerdarsteller schon lange restlos leid - zumal ich die tatsächlichen Zustände in Spahns Ressort jeden Tag besichtigen darf.
Es reicht auch in diesem Fall natürlich vorne und hinten nicht - was den Fortgang des Geschwätzes nicht eine Sekunde unterbricht.

17.07.2019 10:35 frank d 1

Wo man auch hinsieht in unserm Land, Verfall und Hybris. wie kann das eigentlich sein nachdem doch die tollen schon so lange regieren und regieren und regieren und alles immer schlechter wird? Eigenartig. Das Schlaraffenland ist abgebrannt. Wenn die Tollsten Menschen von allen merken das das Geld der anderen alle ist wird das Jammern entsetzlich werden. Sapere aude