Landwirte Ein Bauer berichtet: deshalb protestieren wir

Viele Landwirte fühlen sich als Opfer des Klimaschutzes und haben Angst um ihre Existenz. Martin Dippe organisiert deshalb die Proteste mit und gibt einen Einblick, wie die Realität auf den Höfen aussieht.

Wenn die Kartoffelernte auf dem Hof der Dippes für den Verkauf sortiert wird, fasst die ganze Familie mit an. So war es schon in Martin Dippes Kindheit. "Ich habe mit meinen Brüdern zusammen Kartoffeln sortiert, wir durften Trecker fahren auf dem Acker", erzählt er. Das sei eine super Motivation gewesen, um selbst Landwirt zu werden.

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Martin Dippe und seine beiden Brüder werden den Hof bald übernehmen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die drei Dippe-Brüder werden den Hof bald von ihrem Vater Rainer übernehmen. Der 68-Jährige betreibt den Hof in der Magdeburger Börde seit der Wende. Der Ackerbaubetrieb hat seine drei Söhne und die inzwischen sieben Enkel bis heute immer gut ernährt. Aber nun spricht der Senior von Zukunftsängsten.

Denn für Umwelt- und Artenschutz soll die Düngung der Pflanzen und das Ausfahren von Pflanzenschutzmitteln reduziert werden. Das steht so im Agrarpaket der Bundesregierung - ist politischer Wille. Doch die Dippes und mit ihnen viele Bauern fürchten als Resultat größere Ertragseinbußen.

Schwierige Diskussion mit Politikern

Die Dippes stehen unter Druck. "Wir produzieren Weltmarktpreisniveau. Das heißt, der Preis weltweit ist immer gleich", sagt Martin Dippe. "Und wenn wir zwei Tonnen weniger ernten als noch vor drei, vier Jahren können wir uns finanziell nicht mehr über Wasser halten.“ Durch die sich ändernden, gesetzlichen Gegebenheiten hätten sie einen Nachteil.

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Wenn die Kartoffelernte auf dem Hof der Dippes für den Verkauf sortiert wird, fasst die ganze Familie mit an Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Martin Dippe ist einer der Organisatoren der Demonstrationen und gehört zum Interessenverband "Land schafft Verbindung". "Wir wollen von dem Leben, was wir täglich erarbeiten, und da sind wir alle einer Meinung, dass das dem Verbraucher auch vermittelt werden muss", sagt ein Bauer auf der Demo am vergangenen Freitag in Magdeburg.

Martin Dippe hofft nun auf Unterstützung von Sachsen-Anhalts Agrarministerin Claudia Dalbert. Denn im Agrarpaket ist gefordert: Mehr Umwelt- und Artenschutz, mehr Flächen für Vögel und Insekten, Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln. Vor allem die neue Düngeverordnung wollen die Landwirte nicht akzeptieren. Denn wo im Grundwasser Grenzwerte für Nitrat überschritten werden, muss laut Düngemittelverordnung das Ausbringen von Dünger eingeschränkt werden. Die Agrarministerin sagt, dass sie zwar die Ängste der Bauern verstehe, doch Druck komme aus Brüssel. Eine Lösung scheint so schnell nicht in Sicht.

Schwierige Gespräche mit den Verbrauchern

Auch mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen und ihnen die Position der Bauern klar zu machen, ist nicht so leicht. "Sie dürfen uns nicht zu großflächiger Landwirtschaft überreden", sagt ein Passant, den Martin Dippe in der Innenstad anspricht. "Darum geht es uns gar nicht, sondern darum, dass wir eine gesellschaftliche Akzeptanz wieder bekommen", sagt Dippe. Der Mann erwidert, dass er nur noch Mais- und Rapsfelder sehe. "Das widerspricht meinen Vorstellungen von Landwirtschaft."

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Für Martin Dippe geht es auch um die Zukunft seiner Familie – er ist selbst bereits dreifacher Vater. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Martin Dippe hält solche schwierige Gespräche aus. Seine große Familie betreibt ausschließlich konventionelle Landwirtschaft baut auf insgesamt 750 Hektar Fläche Kartoffeln, Weizen, Raps sowie Zwiebeln und Spinat an. Die Dippes seien bereit ihren Teil zum Umwelt- und Artenschutz beizutragen – nur auf den Kosten dafür wollen sie nicht sitzenbleiben.

Insgesamt ginge es jetzt um nichts Geringers als um die "Zukunft der Landwirtschaft", sagt Dippe. Denn jetzt würden die Rahmenbedingungen für die nächsten zehn Jahre gestellt. Das Agrarpaket wird bald beschlossen, die Zeit für die Landwirte drängt also. Für Martin Dippe geht es auch um die Zukunft seiner Familie – der 34-Jährige ist selbst bereits dreifacher Vater.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | exakt | 22. Januar 2020 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Januar 2020, 16:53 Uhr

21 Kommentare

Horst vor 4 Wochen

Sprich der Staat soll also weiterhin reichlich Steuergelder via Subventionen den Bauern geben und/oder die Umwelt außen vor lassen, damit die Bauern weiterhin billig produzieren könne.

Mal im Ernst: Das ist genau das Anliegen DIESER Bauern. Dann sollen sie aber nicht behaupten, dass sie den Verbraucher mit ihren Aktionen ansprechen wollen, und dass ihnen die Umwelt wichtig ist.

maulwurf3 vor 4 Wochen

Die heutigen Bauern haben bin der breiten Mehrzahl gar kein oder bestenfalls sehr abstraktes Verhältnis zum lokalen Kunden.

Es wird im der Regel an den Grossmarkt verkauft, selten an lokale Kunden. Binding zur Bevölkerung Fehlanzeige. Know-how gibt es auch wenig bei mir 2-3 Kulturen.

Der Ausweg aus dieser Lage wollen leider die wenigsten gehen: Die solidarische Landwirtschaft. Hier muss der Bauer sich wieder mit der lokalen Bevölkerung zusammen tun und eine Beziehung mit ihr führen. Die lokale Bevölkerung im Gegenzug finanziert den Bauer, der dann vielleicht 30 voll Bio Kulturen hat statt 2-3. Der Bauer ist finanziell abgesichert, auch Fehlernten werden gemeinsam getragen. Es gibt kein wegwirft, keine Grosskonzern-only Kulturen, kein Plastik und keinerlei Furcht vor Umweltauflagen, da bereits alles gemacht wird was möglich ist.
Die Teilnehmer bekommen wöchentlich frisches Bio Gemüse, eine Beziehung zu ihren Lebensmittel Erzeuger und einen fairen Preis ohne Zwischenhandel

C.T. vor 4 Wochen

Ich bin dafür die Landwirtschaft mit all ihren Nebenwirkungen auf die Umwelt ins Ausland zu verlagern. Somit sind wir schlagartig alle Probleme los und können uns wieder lieb haben. Klappt ja mit der CO2 Emission auch.